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Tag 48
Sonntag, 02.09.1956 (9281 - 9342 = 61 km), Titograd - Cetinje
5.30 Uhr sind wir aufgestanden. Ich habe das Ventilspiel und die Kontakte an der Lichtmaschine nachgestellt. Dabei habe ich festgestellt, dass zwei von drei Gewinden am Gehäuse überdreht waren. Sehr schlecht.
Nach dem Fertigmachen und Essen haben wir die Zelte abgebaut und sind 10.30 Uhr abgefahren. Wir hatten die Zelte nicht im Schatten aufgestellt, so dass es uns beim Abbauen ziemlich warm wurde.
Das erste Mal auf der Fahrt hat heute ein Mädchen, das uns vorher freundlich Tomaten und Feigen gebracht hatte, versucht, uns zu beklauen. Sie hatte Wolfgangs Netz, mit dem sie gespielt hatte, schnell und unauffällig unter ihren Rock in Höhe des Gesäßes gesteckt. Uns war schon die Unsicherheit des Mädchens aufgefallen, das bei jeder Frage sagte, sie verstünde nichts. Nach einigem Suchen haben wir dann auf ihrem Hinterteil die unnatürliche Erhebung als staatlich geprüfte Anatomen entdeckt und mit ein paar Manipulationen das Netz wieder hervorgezaubert.
Wir hatten hier in der Nähe von Kokoti gezeltet. Von hier aus fuhren wir in die karstigen Berge hinein. Es ging ziemlich stark aufwärts. Auf der ersten Anhöhe hatte ich Ärger mit der Zündkerze, die stark verschmutzt war. Während ich umgebaut habe, hat Wolfgang Weintrauben geerntet, die uns wieder gut schmeckten. 
Dann fuhren wir abwärts, an einem Ausläufer des Skadar-Sees vorbei, der sich um die Berge herum schlängelte und fast ganz mit Seerosen bedeckt war, bis nach Rijeka Crnojevica, einem idyllischen Dorf, das wohl Fischerei im Skadar-See betreibt. In dem Kloster, dessen Ruinen noch oberhalb des Dorfes stehen, wurde das erste Buch in Jugoslawien Ende des 15. Jahrhunderts gedruckt. Eine alte Steinbrücke und türkisch- macedonische Häuser sind im Dorf noch zu sehen.
Von Rijeka aus fuhren wir wieder in die Berge hinein. Hier setzte Wolfgangs Zündung aus, und wir haben recht lange daran herumgefummelt, ohne den Grund zu finden. Erst als wir einige Kilometer weiter gefahren waren, und es immer noch nicht ging, hat Wolfgang einen neuen Kondensator eingebaut, und dann klappte es.
 Inzwischen war es schon 16.30 Uhr geworden, und wir befanden uns in völlig unwegsamen Gebiet, wo wir nicht hätten zelten können. Wir fuhren nun so flott es ging über die Berge hinweg und kamen in das Tal von Cetinje, der früheren Hauptstadt Montenegros. Sie hat 10.000 Einwohner, ist jetzt aber, nachdem die Verwaltungen nach Titograd gezogen sind, ein ruhiges Städtchen geworden. Hier haben wir uns die Umzäunung einer walachischen Kirche angesehen, die aus erbeuteten türkischen Gewehren besteht; Danach haben wir einen Rundgang durch die Stadt gemacht. Da wir noch weiter wollten, mussten wir uns etwas beeilen.
 Von Cetinje aus führte die Straße in starken Windungen auf einen 1200 m hohen Pass und von dort in eine kesselartige Hochebene hinab, die auch immer noch 1000 m hoch lag. Hier haben wir uns bei einem etwas Deutsch sprechenden freundlichen Einwohner waschen können. Die Wasserleitung funktionierte nicht mehr, da es zu trocken war, und so gab er uns aus seinem "Heiligtum", einem Regenwasserbehälter, das Wasser zum Waschen. Dieser Behälter hat eine Betondecke von 5 x 4 m, die zur Mitte hin abfällt. So wird das Regenwasser gesammelt, das durch ein in der Mitte befindliches Loch in den Behälter abläuft und ihn während der Regenzeit füllt. Es war schön kühl, und wir hatten genügend zur Verfügung. Mit einem Eimer mussten wir es heraufziehen.
Nach dem Waschen fuhren wir 100 m zurück, wie uns der Mann geraten hatte, und haben dort hinter einem größeren Haus, einem Magazin, auf einer Wiese unsere Zelte aufgeschlagen. Nach dem Kochen und Essen sind wir um 21 Uhr ins Bett gegangen.
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