Griechenland 1956 Überschrift

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Freitag, 07.09.1956 (9526 - 9777 = 251 km), Rijeka - Kupjak

6.30 Uhr bin ich aufgestanden. Ich habe gleich die Sachen gepackt und bin zum Campingplatz gefahren, wo wir uns treffen wollten. Wolfgang kam aber erst 9 Uhr. Er wollte nach Pula fahren und nicht mehr auf mich warten, weil ich das Tagebuch noch schreiben wollte. So ist er allein losgefahren,und ich habe erst geschrieben. Als ich fertig war, habe ich in einem Nachbardorf getankt und bin dann auch nach Pula gefahren.

Um 10.45 Uhr habe ich mich auf den Weg gemacht und war etwa 12.15 Uhr in Pula. Die Fahrt ging erst wunderschön am Hang der Berge entlang, direkt an der Küste. Die Insel Cres konnte dich im Dunst nur in ihren Umrissen erkennen. Bis Pula war die Straße gut asphaltiert und schön breit. Das längs der Ostküste sich hinziehende 1000 m hohe Gebirge wurde bei Plomin von einem ins Land hineinziehenden Fjord unterbrochen,und so bog hier auch die Straße landeinwärts ab.

Die Berge sind auch karstig, aber im Ganzen macht Istrien doch einen grünen Eindruck. Von Plomin aus ging es hinab nach Krsan und dann wieder aufwärts bis Labin. Hinter Labin führte die Straße durch das Rasa-Tal hinunter und von dort wieder bis auf 229 m bei Barban. Von hier aus senkte sich die fast flache Ebene allmählich bis Pula.
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Vor Pula liegt ein Militärflugplatz, den ich mir etwas ansehen wollte. Als ich deshalb meine Maschine abbremste, kam gleich ein Soldat angelaufen und gab ein Zeichen, weiterzufahren.

Pula ist neben Split die Stadt mit der größten römischen Tradition. Mitten in der verhältnismäßig großen und sauberen Stadt, in der Nähe des Hafens, liegt das gewaltige Amphitheater mit einer 50 m hohen Fassade, die sich nach hinten verjüngt, da das Theater am Hang steht. Dieser Bau macht einen ungeheuren Eindruck.
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Als ich das Amphitheater angesehen hatte, kam Wolfgang gerade vorbei. Wir sind dann zusammen zur Porta aurea (1 Durchgang) und zur Porta gemina (2 Durchgänge) gefahren. Während Wolfgang seine Zündung umgestellt hat, habe ich das archäologische Museum im Eilschritt angesehen und das dahinter liegende römische Theater. Wolfgang hatte sich beides schon angesehen.
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Im Vorbeifahren haben wir uns noch den Dom aus dem 15. Jahrh.(dreischiffig) angesehen. Er steht an der Stelle eines alten Tempels und besitzt in seinen Bauelementen alte Säulen. Leider war er geschlossen, so daß wir ihn nicht besichtigen konnten. Den Augustus-Tempel haben wir uns auch noch angesehen. In seinen Proportionen ist er längst nicht so ausgeglichen wie die griechischen. Er ist hoch und dabei schmal und wirkt deshalb nicht so kräftig. Daneben steht das Rathaus aus dem 13. Jahrhundert.

Etwa 13 Uhr sind wir aus Pula wieder abgefahren. Es war schöner Sonnenschein, aber der Fahrtwind wird schon recht kühl. Wir merken schon deutlich, dass wir wieder in den Norden kommen. Auf derselben Asphaltstraße ging es nun nach Medveja zurück. Dort haben wir unsere Sachen gepackt und sind etwa 16 Uhr abgefahren.

Medveja und Opatija wimmeln von Deutschen, und nach den Wagen zu urteilen meint man fast in Deutschland zu sein. Es war so dunstig, dass wir kaum übers Wasser bis nach Rijeka sehen konnten. Über Opatija fuhren wir nach Rijeka und von dort in den Karst.

Es ging stetig aufwärts bis auf ca. 900 Meter. Allmählich wurde es grüner, und wir kamen in dieser Höhe in richtigen Fichtenhochwald. Hier haben wir erst wieder gesehen, was überhaupt Wald heißt. Überall lagen saftig grüne Wiesen. Es wurde so kühl hier oben, dass wir Hosen und Handschuhe hervorholten, Pullover und Mantel hatten wir schon an. Holunderbüsche waren auch erstmalig wieder zu sehen, ja, die Vegetation wird nördlich.

Es ist aber eigenartig, wie schnell sich das Bild ändert. 50 km westlich, in Opatija, wachsen Kakteen, Palmen, Feigen, Pinien und Zypressen, und hier ist nichts mehr von all dem zu sehen. Der Himmel war stark bewölkt und sah recht regnerisch aus. Wir haben aber nichts abbekommen. Durch Delnice fuhren wir hindurch bis in die Gegend des Dorfes Kupjak.

Dort sind wir seitlich der Straße an einem Hang hinaufgefahren und haben einen schönen Zeltplatz gefunden. Es wurde allmählich schon dunkel und überall ragten die Bergspitzen in den abendlichen Himmel. Im Tal sammelte sich weißer Nebel. Dies sind alles Eindrücke, die wir schon lange nicht mehr hatten. Es scheint hier nachts stark zu tauen, da das Gras schon feucht wurde.

Nach dem Kochen haben wir alles wärmende Zeug hervorgeholt und sind 21 Uhr in die Schlafsäcke gekrochen.

 

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