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Dienstag, 11.09.1956 (10376 - 10662 = 286), Linz - Nürnberg

5.30 Uhr sind wir aufgestanden. Da es erstens anders kommt und zweitens als man denkt, machte uns der Regen, der sich in der Nacht eingestellt hatte, einen Strich durch die Rechnung. Es hatte ganz schön gepladdert, aber die Zelte waren dicht, und so hatten wir ein recht wohliges,geborgenes Gefühl, während die Tropfen auf unser Dach hämmerten.

Dies war der erste Regen, den die Zelte auf. der Fahrt abbekommen haben. Wir wollten die Zelte noch etwas stehen lassen, da sie sehr nass waren, mussten aber nach einiger Zeit den Platz fluchtartig verlassen, weil der Himmel ziemlich bös dreinschaute und es GR278jeden Augenblick wieder mit Regnen anfangen konnte.

Bevor wir abgebaut hatten, kam eine Bäuerin mit ihrem etwa vierjährigen Sohn zu uns und wollte ihm die Zelte zeigen. Der kleine Kerl hatte anscheinend noch nie ein Zelt gesehen und sich etwas ganz anderes darunter vorgestellt, da er etwas enttäuscht war.

Um 9.30 Uhr fuhren wir dann ab. Wie wir bald merkten, lag der Zeltplatz zwischen Wilhering und Alkoven. Über Eferding führte die Straße und entfernte sich allmählich von der Donau. Das Land ist hier stark hügelig, so dass immer Steigungen über kurze Strecken bis 14% mit ebensolchen Gefällen abwechselten.

In Schärding kamen wir an den Inn und erfuhren dort, dass die Straße nach Passau auf österreichischer Seite nicht asphaltiert ist. Deshalb gingen wir schon hier über die Grenze, die vom Inn gebildet wird. Der Übertritt ging sehr schnell, da es jetzt bei der Ausreise aus Österreich keine Stempel mehr in den Pass gibt und nur das Carnet erledigt zu werden brauchte. Auf beiden Seiten war man sehr höflich und freundlich.

In Deutschland fuhren wir auf schöner Asphaltstraße nach Passau. Dort hat Wolfgang Ersatzteile gekauft, und dann ging es weiter. Wir mussten uns beeilen, weil Wolfgang noch nach Coburg und ich noch nach Nürnberg wollte. Der Himmel war meist bedeckt‚und auf der weiteren Fahrt haben wir einige kräftige Schauer aufgesackt.

Das erste Stück hinter Passau fuhren wir direkt an der Donau entlang. Über Straubing ging es dann weiter nach Regensburg. Zeitweise führte die Straße an der Donau entlang, zeitweise etwas weiter entfernt. Im Norden lag der Bayrische Wald. Kurz vor Regensburg stand nördlich der Donau auf einem Hügel die von Ludwig I. im 19. Jahrhundert im Stil eines griechischen Tempels eine Walhalla.

In Regensburg kamen wir bei Regen an, so dass es seinem Namen alle Ehre machte. Die Gelegenheit konnten wir gut benutzen, um uns den Dom anzusehen. Die Maschinen haben wir untergestellt. und sind zu Fuß bis zum Dom gegangen.

Er ist ein gewaltiges gotisches Bauwerk mit zwei Türmen, die aber zu verschiedenen Zeiten erbaut wurden. Auch innen wirken die hoch aufstrebenden Schiffe gewaltig, so dass es besonders geräumig wirkt. Herrliche Skulpturen sind an den Pfeilern angebracht. Nur der von Gold und Silber glitzernde Altar und einige kitschige Bilder passten nicht in die Umgebung. Hier hätte ein Stein- oder Holzaltar stehen müssen.

Von Regensburg aus fuhren wir dann über Neumarkt durch die schöne Fränkische Alp nach Nürnberg. Von der Landschaft haben wir allerdings nicht viel gehabt, da es meistens geregnet hat und wir auf die nasse Straße achten mussten. Kurz vor Nürnberg an der Autobahnabzweigung nach Bayreuth haben Wolfgang und ich uns getrennt. Er fuhr nach Coburg weiter und ich nach Nürnberg hinein.

Da ich keinen Polizisten finden konnte, habe ich schließlich an einer Tankstelle nach dem Egerweg gefragt, Brietzschens vermutlicher Wohnung. Der Tankwart kannte den Egerweg nicht und hat ihn auch in einem Straßenverzeichnis nicht gefunden. Ich habe daraufhin in meinem Adressbuch noch einmal nachgesehen und gemerkt, dass Brietzsch gar nicht im Egerweg wohnt, sondern im Buchenschlag. Der Egerweg ist Manfreds Adresse in Münchberg. Auf die Beschreibung des Tankwartes hin fand ich schnell in die Gartenstadt, in der sich der Buchenschlag befindet. Die Gartenstadt liegt in der Nähe der Autobahnzubringerstraße, auf der ich nach Nürnberg hineingefahren war. Ich hätte es also einfacher haben können. Als ich mich dort noch einmal erkundigen wollte, hielt gerade eine Straßenbahn neben mir, und ein langes Etwas stieg aus und kam auf mich zu. Es war Brietzsch, der gerade von der Arbeit nach Hause kam und mich richtig und schnell in seine Wohnung geleiten konnte. Die Utermärker wohnen nicht mehr im Buchenschlag, sondern ein Stück weiter in der Hochwaldstraße, was ich noch nicht gewusst hatte. Lori war schon zu Hause, und ich wurde recht nett empfangen. Nach dem ersten Erzählen haben wir gegessen, und anschließend konnte ich ein schönes Bad nehmen.

Dann sind wir 22.45 Uhr ins Bett gegangen und haben uns noch etwas unterhalten. Es ist die erste Nacht seit zwei Monaten, die ich wieder in einem Haus unter festem Dach verbringe.

 

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