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Tag 60
Freitag, 14.09.1956 (10864 - 11388 = 524), Nürnberg - Adorf
Um 6 Uhr sind wir aufgestanden. Lori, Manfred und ich haben dann gemütlich Kaffee getrunken. Brietzsch war leider schon zur Arbeit fort. Nachdem Lori sich auch auf den Weg gemacht hatte, habe ich Tagebuch geschrieben und gepackt.
Dann ging es mit Manfred auf die Reise. Es war inzwischen schon 10.30 Uhr geworden. Als wir bereits auf der Autobahn nach Bayreuth waren, habe ich gemerkt, dass ich meine Uhr bei Utermarkens liegen gelassen hatte. Ich musste daraufhin Manfred mit Gepäck an der Autobahn absetzen und allein noch einmal zurückfahren.
Um 11.30 Uhr kamen wir dann endgültig los. Je weiter wir fuhren, desto besser wurde das Wetter, und so konnten wir kurz vor Bayreuth von der Autobahn aus doch noch einmal das Fichtelgebirge mit dem 1050 m hohen Schneeberg als höchste Erhebung sehen.
In Bayreuth habe ich Manfred abgesetzt und bin nach Bamberg weitergefahren. Die Straße führte durch stark hügeliges Land. In Bamberg habe ich den eigenartigen, einen Ost- und einen Westchor besitzenden romanischen Kaiserdom besichtigt. Er ist ein herrlicher Bau. Auch der Domplatz mit der Neuen Residenz und die Alte Hofhaltung sind wunderbare Bauwerke. Als letztes habe ich mir noch das Böttinger Haus angesehen, das ein Beispiel für den fränkischen Barockstil darstellt.
15.30 Uhr musste ich aus Bamberg wieder abfahren, da ich noch bis nach Adorf wollte. Am Main entlang ging es nach Schweinfurth und von hier aus über Bad Kissingen und durch die Rhön, einer herrlich bewaldeten bergigen Landschaft, nach Fulda. Über Bad Hersfeld, wo ich die Autobahn erreichte, fuhr ich in flottem Tempo weiter nach Norden. Allmählich wurde es schon dunkel, und ich habe ziemlich aufgedreht, um nicht gar zu spät in Adorf anzukommen.
Als ich nach Kassel kam, war es schon völlig dunkel. Die Beschilderung war aber so gut, dass ich schnell die Abzweigung nach Korbach fand. Die Strecke war ziemlich kurvenreich, aber ich konnte trotzdem schnell fahren, da mir nur wenige Fahrzeuge begegneten. In Korbach erkannte ich schon die Straßen wieder und habe deshalb auch hier schnell den Weg nach Adorf gefunden.
Um 22 Uhr kam ich endlich bei Heidermanns an. Es war im Haus schon alles dunkel. Man bleibt eben nicht allerorts bis in die Nacht auf. Ich habe mir aber trotzdem ein Herz gefaßt und auf die Klingel gedrückt.
Der Praktikant Herr Weiß machte sich auch gleich bemerkbar und ließ mich herein. Heidermanns kamen dann auch bald herunter und haben mich noch rührend umsorgt. Bis 23.30 Uhr haben wir uns noch unterhalten und sind dann ins Bett gegangen.
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