Griechenland 1956 Überschrift

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Sonnabend, 08.09.1956 (9777 - 9960 = 183 km), Kupjak - Zagreb

Um 6 Uhr sind wir aufgestanden. Die Zelte waren stark naßgetaut, wie wir schon vermutet hatten. Wir wollten auf die Sonne warten, damit die Zelte gut abtrocknen, aber es schien so, als wenn wir darauf lange warten müssten, da der Himmel völlig bewölkt war. Die Wolken zogen um die Berge herum und der Hebel lag noch dickweiß im Tal.

Bei einem kleinen Spaziergang habe ich in der Nähe unserer Zelte Alpenveilchen entdeckt, die ich hier das erste Mal wild gesehen habe. Es kam bald etwas Wind auf und so trockneten die Zelte doch noch ohne Sonne. GR266

Ich habe das Ventilspiel nachgestellt und 11.30 Uhr kamen wir dann endlich los. Wie wir heute feststellten, haben wir zwischen Kupjak und Skrad gezeltet.

Teils durch schönes, bergiges Land mit Wald und grünen Wiesen, teils an Flussläufen in Tälern entlang, kamen wir in flacheres Land. Hier war viel Maisanbau und man merkte, dass etwas mehr Wohlstand herrschte. Sehr schön war der allmähliche Übergang vom Gebirge über bergiges und hügeliges Land in die Ebene von Kroatien, in der Karlovac und Zagreb liegen.

GR269In Karlovac‚ einem ganz ordentlichen Städtchen, habe ich Brot gekauft undGR268 Benzin getankt. Hier in Karlovac und auf der Strecke bis nach Zagreb werden viel Volkstrachten getragen. Sie scheinen in dieser Gegend noch lebendig zu sein. Es sind weiße Kleider mit aufgesetzten Spitzen, meist weiß, aber zuweilen auch rot. Oft werden dazu schwarze Strümpfe getragen.

In der Ebene zwischen Karlovac und Zagreb wird intensiv Landwirtschaft betrieben, und man sieht deutlich im Vergleich mit den anderen Gebieten, dass dies der landwirtschaftlich reichste Teil Kroatiens ist. Die Häuser sind alle aus Ziegeln gebaut und sauber verputzt. Es macht hier einen zivilisierteren Eindruck.

Kurz vor Zagreb kamen wir über die große Save-Brücke und dann in die Stadt. Es war gerade Messe und deshalb die Reclame und der Trubel besonders groß. Zagreb ist mit 550.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Jugoslawiens. Wir fuhren zuerst zum Postamt 2 am Hauptbahnhof und holten unsere Post ab. Für mich war eine Karte von Mutti da. Das Postamt ist recht modern.
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Auch die ganze Innenstadt macht einen durchaus großstädtischen Eindruck. Eigenartig ist aber die Vereinigung großstädtischer Elemente in der Innenstadt mit den dörflich-bäuerlichen der Randbezirke zu einer Großstadt. Die Altstadt liegt am Hang des 1055 m hohen Sljeme oberhalb des Domes, der die ganze Stadt überragt. Er stammt aus dem 13. Jahrh., d.h. er ist 1217 begonnen worden und im 15. Jahrh. endgültig vollendet worden.

Man kann deutlich erkennen, dass das Portal und die Türme aus einer späteren gotischen Periode stammen als die Wände. Der Dom besitzt zwei Türme und ist ein gewa1tiger Bau. Das Dach besteht aus verschiedenfarbigen Ziegeln, die mosaikartig angeordnet sind. Wie überall in den katholischen Kirchen finden sich auch hier im Innenraum neben dem Hauptaltar an den Seitenwänden einige Nebenaltäre. Zur Zeit der Türkengefahr wurde der Dom mit einer Mauer und festen Türmen umgeben, die bis heute noch erhalten sind.

Von hier aus fuhren wir zur Veterinärklinik. Ein Mann, den wir nach dem Weg gefragt hatten, setzte sich bei mir auf den Sozius und zeigte uns die Straßen. So fanden wir schnell dorthin. Wir kamen zu unglücklicher Zeit, da Ferien waren und außerdem Sonnabend Nachmittag. Trotzdem fanden wir in der Röntgenklinik noch einen Assistenten, der etwas deutsch sprach und uns die Gebäude zeigte, soweit sie zugänglich waren.

Die Röntgen- und elektrotherapeutische Abteilung ist am modernsten eingerichtet, wie auch in Sarajevo. Alles andere ist kümmerlich. Die Kleintierklinik hat etwa einen Arbeitskreis wie bei uns, nur kommen noch Schafe, Ziegen und Schweine hinzu. Die chirurgische Klinik versorgt alle Großtiere. Die Einteilung ist also etwas anders als bei uns. Eine geburtshilfliche Klinik, ein Institut für Infektionskrankheiten, eine medizinische Klinik, ein hygienisches Institut, ein hämatologisches Institut, ein pathologisches Institut und eine Ambulatorik sind auch noch auf dem Gelände.

Die Ambulatorik ist umfangreicher als bei uns, aber auch nötig, da das Anschauungsmaterial in den Ställen sehr gering ist. Außerdem befindet sich hier auch eine Besamungsstation, auf der allerdings nur ein Bulle steht. Es ist also alles vorhanden, nur in Kleinstausgabe und alt. Es wird aber ein neues Gebäude oder besser ein ganzer Komplex gebaut, in den die Fakultät später einziehen wird. Vielleicht sind dort dann die Räumlichkeiten etwas größer. Die Vorkliniker sind an einer anderen Stelle unter gebracht.

Etwa 17.50 Uhr sind wir aus Zagreb wieder abgefahren. Durch fruchtbares, hügeliges Land führte uns die Straße in Richtung Varazdin. Das Wetter hatte sich schon mittags je weiter wir aus den Bergen herauskamen, desto mehr gebessert, und es schien schließlich die Sonne bis zum Abend. Das letzte Stück wurde es schon dämmrig. Etwa 50 km vor Varazdin sind wir dann von der Straße abgefahren, auf einen kleinen Hügel, und haben dort unsere Zelte aufgeschlagen. Es war wieder kühl, aber nicht so wie gestern. Nach dem Kochen ging es 21.15 Uhr in die Falle.

 

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