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Tag 56
Montag, 10.09.1956 (10207 - 10376 = 169 km), Trofaiach - Linz
7 Uhr sind wir aufgestanden. 1 1/2 Stunden haben wir wieder wie jeden Tag zum Tagebuchschreiben benötigt. Inzwischen war die Sonne heraufgekommen und trocknete die Zelte, die wieder recht nass getaut waren. Mit dem Wetterhatten wir bisher großes Glück gehabt. Vorgestern hat es hier noch geregnet und für uns hat die vergangenen Tage die Sonne geschienen.
Wie sich heute in der Unterhaltung mit dem Bauern herausstellte, hatten wir in Friedauwerk gezeltet. Wunderschön lag der Vordernberg vor uns. 10.30 Uhr konnten wir wegen der nassen Zelte erst aufbrechen. Hinter Vordernberg stieg die Straße stark an (18%) und wurde gleichzeitig schlecht, d. h. es war kein Asphalt mehr vorhanden. Mit kleinen Unterbrechungen blieb sie so schlecht bis Steyer.
Auf dem Pass lag in 1227 m Höhe das Dorf Präbichl, in einem Sattel zwischen den Bergen. Alles war hier saftig grün. Von Habichl aus ging es steil (21 %) nach Eisenerz hinab, das tief unten im Tal lag. Der Wechsel zwischen der weiten Sicht vom Pass aus und der engen Grenzen im Tal ist hier besonders deutlich.
Eisenerz hat seinen Namen vom Erz, das oben in den Bergen abgebaut wird. Über den Pass hinweg muss es zur Hütte in Leoben gebracht werden. Die Lokomotiven haben schwer zu arbeiten um die Züge nach Präbichl hinauf zu bekommen. Das ganze Massiv limks der Straße sind die Eisenerzer Alpen.
In Eisenerz habe ich 10 DM getauscht = 58 Schillinge, und dann sind wir weitergefahren. Wir hofften,den Leopoldsteiner See von der Straße aus zu sehen, da er nach der Karte in der Nähe liegen musste, aber es war nicht möglich. Zwischen Bergen fuhren wir im Tal eines Nebenflusses des Ens bis nach Hieflau. Viele Obstbäume begleiten die Straße.
Von Hieflau aus ging es im Enstal weiter bis nach nach Steyer. Die Straße schlängelte sich entlang der Ens durch die Berge und führte oft in starken Steigungen und dann wieder bis wieder hinunter. So wechselte laufend das Bild, und ein schöner Ausblick folgte auf den anderen. Auch die Ens besitzt wie die Mur einige Kraftwerke, die von Reichraming bis zur Stadt Ens in Abständen am Fluss standen.
  Allmählich wurden die Berge wieder niedriger, und wir kamen nach Steyer, einem schönen Städtchen mit einem weithin sichtbaren herrlichen gotischen Dom. Die Stadt ist nicht für den heutigen Verkehr gebaut, und so muß man wegen der vielen Einbahnstraßen kreuz und quer fahren. Teilweise ist der Verkehr durch Ampeln einbahnig geregelt, so daß wir bisweilen lange warten mußten. Von hier aus fuhren wir auf Asphaltstraße weiter.
Kurz hinter Steyer habe ich an einer Tankstelle Ölwechsel gemacht und für die letzten 14 Schillinge 5,5 Liter Benzin getankt. Auf guter Straße kamen wir schnell nach Ens und von dort auf der Straße Wien - Salzburg nach Linz. Linz ist eine Großstadt mit allen angenehmen und unangenehmen Begleiterscheinungen. Vor der Donaubrücke mußten wir links abbiegen, und dann fuhren wir an der schönen "blauen" Donau (sprich: grau-braun) Richtung Passau weiter.
Eigentlich wollten wir heute noch nach Deutschland kommen, aber die schlechten Straßen zwischen Vordernberg und Steyer haben uns zu lange aufgehalten. So haben wir unterwegs Wasser getankt und sind etwa 20 km hinter Linz von der Straße abgefahren. Es ging an einem Hang hinauf, auf dem sich ein Wald befand. Wir wollten morgen wieder früh los und hofften unter Bäumen nicht so viel Tau abzubekommen. An einer geeigneten Stelle haben wir unsere Zelte aufgeschlagen und haben uns nach dem Kochen und Essen um 21.15 Uhr zur Ruhe begeben.
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