Griechenland 1956 Überschrift

Tag 50Griechenland Tag 50

Dienstag, 04.09.1956 (9417 - 9471 = 54 km), Hercegnovi - Dubrovnik

5.30 sind wir aufgestanden. Ein Jugoslawe rief uns bald mit einem "Guten Morgen" aus den Zelten. Er stellte sich bald als ein Mensch aus Hercegnovi vor und wollte Campinggeld kassieren. Ein englisch sprechender Jugoslawe, der sich in der Nähe aufhielt, dolmetschte uns, und so konnten wir dem Menschen klarmachen, daß wir über seine Aufforderung sehr erstaunt seien, da wir bisher nur etwas bezahlen brauchten, wenn Wasser und weitere Annehmlichkeiten auf dem Platz vorhanden waren.

Nach einiger Zeit ließ er sich auch erweichen und erließ uns großzügig die Bezahlung. Wir sollten uns aber auf den Weg machen, da in der Nähe Militär liege und deshalb der Aufenthalt von Fremden hier nicht erwünscht sei. Das Militär hatte diesen Menschen sicher auch gerufen. Wie wir jetzt bemerkten, wurden wir von einigen Soldaten und Offizieren auch schon misstrauisch beobachtet. Als ihnen der Aufbruch zu langsam ging, beehrte uns ein Wachhabender mit seiner Anwesenheit und gab uns zu verstehen, dass wir hier möglichst schnell zu verschwinden hätten.

Wir haben unsere Sieben Sachen gepackt und uns aus dem Staube gemacht, da wir keine Lust hatten, es zu einer Auseinandersetzung kommen zu lassen. Einige hundert Meter weiter haben wir erst einmal Frühstück gegessen, und dann konnten wir endlich aufbrechen. Auf recht schlechter Straße ging es aufwärts, das erste Stück allmählich, dann aber recht steil. Wir kamen auf eine Anhöhe und von dort in eine Ebene, die durch einen parallel zum Meer laufenden Höhenzug von diesem getrennt wurde. Hier fanden wir endlich wieder Wein und haben uns daran gütlich getan.
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Am Ende der Ebene lag ein Flughafen, der aus einer einfachen Wiese ohne Hallen und technische Einrichtungen bestand. Nach Überfahren einer kleinen Anhöhe lag das blaue Meer mit der Bucht von Cavtat vor uns. Es war trotz des karstigen Untergrundes grün von verschiedensten Bäumen. Wie Kerzen ragten die Zypressen in die Höhe und die großen Kakteen verliehen dem ganzen einen südlichen Charakter. GR247

Von hier aus hatten wir Asphalt bis nach Dubrovnik. Mehr oder weniger hoch führte die Straße am Hang entlang, und man hatte einen schönen Blick über die Bucht. Nachdem wir dann um einen Landvorsprung herumgefahren waren, lag Dubrovnik in seine ganzen Schönheit vor uns und seitlich eine kleine, grüne Insel. Es war etwa 12 Uhr, als wir in der Stadt ankamen. Die Straße führt zwischen Felsen und Stadtmauer in der Tiefe entlang und dann weiter zum Hafen, der am anderen Ende der Stadt liegt. GR248

Die Stadt ist ungeheuer auf Fremdenverkehr eingestellt und macht deshalb einen sauberen Eindruck. Erst haben wir die Post abgeholt. Für mich war ein Brief von Hannelore angekommen. Unsere Maschinen haben wir dann im Schatten abgestellt und sind in die alte Stadt gegangen, die für jeglichen fahrenden Verkehr gesperrt ist. Durch den beschränkten Raum innerhalb der Mauern sind auch hier die Häuser hoch und eng gebaut.

Ursprünglich lagen an der Stelle des heutigen Dubrovniks die Insel Ragusium mit der Siedlung Ragusa und gegenüber auf dem Land die GR249slawische Siedlung Dubrova (Eichenhain). Später wurden beide durch Zuschüttung des trennenden Wasserarms vereint. An der Stelle der Aufschüttung liegt heute die vom östlichen Tor Ploce zum westlichen Tor Pile führende Hauptstraße, die Placa.

An der Placa sind die wichtigsten Bauten Dubrovniks zu finden. Hier liegt am Pile-Tor der alte mit der Wasserleitung zusammen im 15. Jahrh. erbaute Brunnen. Gegenüber steht die kleine Renaissance-Kirche Sveti Spas und daneben das Franziskaner-Kloster mit einem sehr schönen Kreuzgang, dessen Bogen auf Doppelsäulen mit verschiedenen Kapitellen ruhen. Der Kreuzgang liegt im Geviert um einen kleinen Garten.
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Hier im Franziskaner-Kloster befindet sich die älteste Apotheke Europas. Sie wurde von den Franziskanern im Jahre 1518 gegründet und wird noch unterhalten, allerdings nicht mehr in denselben Räumen und als Volksapotheke auch nicht mehr von Mönchen.

Von hier aus zieht die Straße mit ihren Läden und seitwärts abgehenden engen GR251Gassen nach Osten, wo sie sich zu einem Platz weitet. Mit der Längsfront an der Mauer liegt an dem Platz der Rektorenpalast aus der Spätgotik bis Frührenaissance. Ebenfalls steht hier am Tor zum Hafen der Palast Sponza. In der Mitte des Platzes befindet sich der Roland, an dem die amtlichen Bekanntmachungen ausgerufen wurden, und dahinter steht die Kirche des heiligen Blasius, die an Stelle des bei einem Erdbeben eingestürzten Domes aus dem 12. Jahrh. im Barockstil im 17. Jahrh. neu errichtet wurde.

Am Ende des Platzes liegt die gewaltige Kathedrale, mit einem Tizianbild GR253am Hochaltar. Über einige enge Gassen gelangt man von hier zu einer großen Freitreppe, die zur Jesuiten-Kirche (Renaissance) und dem Collegium Ragusinum hinaufführt. Abseits der Placa nach Norden liegt an der östlichen Stadtmauer das Dominikaner-Kloster mit einer ähnlichen Kirchenanlage und Kreuzgang wie im Franziskaner-Kloster.

GR259Dubrovnik machte auch heute noch einen mittelalterlichen Eindruck, wenn nicht so ein Gewimmel von modern gekleideten Menschen, meist Ausländern, in seinen Gassen herrschte. Durch sehr geschickte GR255Politik seiner Rektoren und des großen und kleinen Rates hat Dubrovnik auch während der verschiedenen Oberhoheiten in den vielen Jahrhunderten immer seine republikanische Freiheit de facto erhalten. An Einfluss verlor es erst, als die großen Seemächte den Handel auf den Meeren allmählich übernahmen, und sank nun zur Bedeutungslosigkeit herab.

GR258Nachdem wir uns alles angesehen hatten, sind wir zum Vorort Lapad GR257gefahren und haben auf dem dortigen Campingplatz unsere Zelte aufgebaut. Der Platz liegt leider nicht am Meer, aber man kann ein schönes Strandbad in ca. 10 min. erreichen. Den restlichen Nachmittag haben wir den Maschinen gewidmet (Wasser in Batterie nachgefüllt, Ölablassschraube gesäubert und Öl nachgefüllt).

Etwa 18.30 Uhr sind wir noch einmal nach Dubrovnik gefahren, haben Einkäufe gemacht und uns das ungeheure Treiben in den Abendstunden angesehen. Auf dem Campingplatz hatten wir am Nachmittag einen slowenischen Tierarzt (mit dem Examen gerade fertig) getroffen, der uns das Angebot machte, Geld zum Kurs 1:120 umzutauschen (offiziell ca. 1:90). Er wollte bald wieder nach Deutschland fahren und brauchte es dafür, da er sich einige Ersatzteile kaufen wollte. Er frisiert seine Auslandsfahrten als Fahrten zur weiteren fachlichen Ausbildung und bekommt daher auch die Ausreiseerlaubnis. Normale Sterbliche dürfen ja nicht aus Jugoslawien heraus.

Als unser Tierarzt und wir abends wieder auf dem Campingplatz waren, haben wir das Geschäft getätigt, und zwar habe ich 50 DM getauscht und Wolfgang 20 DM. Der Slowene sprach sehr gut deutsch und erzählte uns noch folgendes:

Bauern dürfen 10 ha Land haben; ein Tierarzt ist hier immer Staatsangestellter und bekommt als solcher im Monat ein Gehalt von 14.000 Din., kann aber privat unbegrenzt dazuverdienen; alle Jugendlichen müssen 8 Tage im Jahr vormilitärische Ausbildung mitmachen, Studenten sind davon freigestellt; nach 5 Jahren Studium können die Med.- vet.-Studenten ihr Examen machen und haben dazu unbegrenzte Zeit; unser Tierarzt hat sich in Deutschland ein Auto (Kapitän 1952) gekauft für ca. 1500 DM, wofür er beim jugoslawischen Zoll 3500 DM bezahlen mußte. Trotzde
lohnt es sich aber noch, da in Jugoslawien ein neuer Wagen 1.000.000 Din., ca. 100.000 DM kostet.

Wir wollten eigentlich Rührei machen, mussten es aber lassen, da die sechs Eier, die wir gekauft hatten, alle faul waren. Wir.haben uns dann wieder eine bewährte süße Suppe gekocht und als Nachtisch einen Teil einer 5 kg schweren Melone, die wir für 150 Dinare gekauft hatten, zu Gemüte geführt. 23.30 Uhr haben wir uns hingelegt.

 

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