Griechenland 1956 Überschrift

Tag 1Griechenland Tag 01

Dienstags 17.7.1956 (2250 - 2755 = 525 km)
Ich liege jetzt nach der Nachtruhe am 18.7. im offenen Zelt, die Sonne scheint herrlich herein, und ich will den ersten Tag der Fahrt noch einmal an mir vorüberziehen lassen.
Am 17.7. morgens 4 Uhr hat mich Herr Küker geweckt, da ich am Abend vorher gesagt hatte, er wäre um diese Zeit noch nicht zurechnungsfähig. Das ging ihm gegen die Ehre, und so hat er es sich nicht nehmen lassen, uns auf den Weg zu bringen. Die letzten Vorbereitungen verliefen schnell und reibungslos. Um 5 Uhr kam Wolfgang, ausnahmsweise mal pünktlich. 5.16 Uhr fuhren wir dann schwer bepackt ab. Der Himmel war bedeckt, aber es sah am Horizont doch ganz hoffnungsvoll aus.
Wie es aber so oft anders kommt als man denkt: bis Alfeld kamen wir nur trocken durch, dann fing es an mit Gewitterschauern, die uns den ganzen Tag bis kurz hinter Würzburg (ca. 16 Uhr ) verfolgt haben.
Besonders schlimm war es in Salzderhelden, wo ein Zufluß der Leine Hochwasser führte und die Bundesstraße 5 ca. 40 cm unter Wasser stand.

GR001Viele Autos stauten sich vor der überschwemmten Stelle, und es dauerte sehr lange bis wir mit der Wasserfahrt an die Reihe kamen. Obwohl Pkws und Lkws teilweise im Wasser steckenblieben, wagten wir uns dennoch an die 50 m lange Wasserfahrt. Nachdem wir die Hälfte hinter uns gebracht hatten, wurde es kritisch. Zwei Möglichkeiten blieben uns nur, nachdem Wolfgang steckengeblieben war und ich hinter ihm auch nicht mehr genügend Bewegungsfreiheit hatte: Entweder ganz ins Wasser fallen oder nur die Beine ins Wasser stecken. Wir haben uns das geringere Übel ausgesucht, sind abgestiegen und haben die Maschinen herausgeschoben. Dann haben wir sie seitwärts abgestellt, die Schuhe entleert und die Strümpfe ausgewrungen. Überall waren in den Seitenstraßen die Fahrer damit beschäftigt, das Wasser aus den Zylindern, Vergasern und Lichtmaschinen wieder herauszubekommen. Nachdem wir uns die "Wasserspiele" noch etwas angesehen hatten, insgesamt dauerte der Aufenthalt etwa zwei Stunden, fuhren wir Richtung Göttingen weiter. Der Roller sprang schlecht an, er hatte wohl auch etwas zuviel Wasser geschluckt, kam aber, als mich ein mitfühlender Herr anschob, bald wieder zu sich.
Bei Nörten-Hardenberg fuhren wir auf die Autobahn und von dort in scharfem Tempo bis zur Abfahrt Kirchheim-Aulatal. Von dort ging es weiter durch das unberührte und idyllische Fuldatal über Schlitz nach Fulda. Zur rechten Hand lag der Vogelsberg und links begann in der Nähe von Fulda die Rhön. Fulda besitzt auf schöner Anhöhe ein Schloß und mehrere weithin sichtbare Kirchen. Es ist ein nettes, kleines Städtchen. Zwischen Rhön anfänglich und Spessart fuhren wir dann durch wunderschöne, bergige Landschaft mit verträumten Burgen auf den Anhöhen, bis kurz hinter Hammelburg und rasteten dort auf einem Berge mit weitem Blick nach Süden.GR002b

Es war mittlerweile 14.50 Uhr geworden, und wir hatten bisher nur zweimal Milch getrunken und beim Tanken etwas Brot gegessen. Bis 15 Uhr haben wir uns gestärkt und ausgeruht.
Dann ging die Fahrt weiter nach Würzburg. Am Main sahen wir die ersten größeren Weinberge. Durch Würzburg fuhren wir dann bei Regen und auf furchtbar glitschiger Straße. Auf der Bundesstraße 8 ging dann die Fahrt durch den Steigerwald und verhältnismäßig flaches Land nach Nürnberg. Die Straße war sehr schlecht, und wir hatten oft Aufenthalt durch Einspurverkehr. Von Fürth aus wurden wir über eine Umleitung z.T. auf Waldwegen nach Nürnberg lanciert.
Kurz hinter Kitzingen waren wir übrigens durch ein nettes Städtchen, Mainbernheim, gekommen, dessen ganze Front zur Straße hin aus einer vollständig erhaltenen Befestigungsmauer bestand. In diese Mauer waren die Häuser wie beim Diokletianspalast in Split eingebaut. Es sah wie eine Märchenstadt aus.
Durch Nürnberg sind wir ohne Aufenthalt gefahren, da ich die Bekannten auf der Rückfahrt länger besuchen will. Auf der Autobahn Richtung München ging es GR003dann weiter. Da es schon Spätnachmittag war, haben wir in einem Haus an der Autobahn unsere Wassersäcke vollgetankt, damit wir bei passender Gelegenheit vom Wasser unabhängig zelten könnte.
Bei Allersberg fuhren wir von der Autobahn gab, es war inzwischen 20.15 Uhr geworden, und haben nach kurzem Suchen einen schönen Zeltplatz auf einem Berge gefunden. Es war eine kleine Wiese mit einem schönen Blick auf das Tal, in dem die Autobahn sich wie ein Silberfaden entlang schlängelte. Die Fahrt hinauf war recht schwierig, und der steile Weg führte nur über Geröll dorthin. Das Aufbauen des Zeltes ging glatt und schnell. Mit Einbruch der Dunkelheit stand alles, und wir konnten, nachdem wir etwas Tee gekocht hatten, in aller Ruhe beim Mondenschein unser Abendbrot verzehren. Nach einer kurzen Unterhaltung gingen wir 23 Uhr in den Schlafsack.

 

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