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Tag 15
Dienstag‚ 31.07.1956 (5072 - 5331 = 259 km), Kragujewac - Vranje
5.15 Uhr aufgestanden. Fast auf die Minute genau waren wir 14 Tage unterwegs. Nachdem wir unsere morgendlichen Pflichten erledigt hatten und die Sachen wieder auf den Maschinen verstaut hatten, fuhren wir etwa 8 Uhr ab. Die Belgier warnen schon etwas früher aufgebrochen.
Die erste Zeit ging es wieder durch hügelige Landschaft. In der Ferne sah man aber bald schon höhere Erhebungen. Kurz hinter Svetozarewo wurde die Straße wieder schlecht. Bisher hatten wir schöne Asphaltstraße, und jetzt begann wieder die übliche Schotterstraße, auf der bisweilen ein unangenehmes Waschbrettprofil war, sodass die Maschinen ungeheuer durchgeschüttelt wurden.
Wie wir später erfuhren, sind wir die schlechte Straße gefahren. Die Straße von Kraguiewac über Rankovicevo, Kacanik nach Skopje sollte ganz asphaltiert gewesen sein. Wir haben es aber nicht gewußt, und es war, als wir es erfuhren, auch nicht zu ändern.
Im Tal der Morawa fuhren wir dann weiter nach Nis,wo sich noch eine alte byzantinische Festung befand. Sie hatte die Form eines unregelmäßigen Siebenecks. Die Mauern waren etwa 10 m hoch und noch gut erhalte . Sehr viel Militär findet man überall in Jugoslawien, hier in Nis fiel es uns an einer besonders großen Garnison wieder einmal auf. Hier haben wir auch den zweiten Militarflugplatz gesehen, der erste befand sich auf der Halbinsel bei Zadar. 
Von Nis aus sind wir dann weiter nach Leskovac gefahren, wo wir in der Nähe in brütender Hitze unter einem Obstbaum Mittag gekocht haben. Nach dem Mittag fuhren wir dann weiter durch das schöne Tal der Morawa nach Süden (Abb. re.).
In Vladicin Han hatte Wolfgang eine Panne. Es waren gleich drei Nägel im Mantel, von denen zwei bis zum Schlauch durchgegangen waren. Das Flicken ging recht schnell, sodass wir bald weiterfahren konnten.
Etwa 10km hinter Vranje überraschte uns die Dunkelheit, die hier nach Sonnenuntergang sehr schnell hereinbricht. Gegen 20 Uhr war es schon dunkel. An einem Bauernhaus wollten wir gerade Wasser tanken, als ein lebendiges junges Mädchen auf uns zukam. Wir fragten sie gleich nach einem Zeltplatz und wurden freundlich eingeladen, hinter ihrem Haus die Zelte aufzuschlagen.
Ein kleiner Zwischenfall ereignete sich hier, als wir uns einen geeigneten Platz aussuchten. Wir hatten. die Wassersäcke auf dem Brunnen liegen lassen, und als wir wieder dorthin kamen, war einer verschwunden. Nachdem wir uns etwas böse gezeigt hatten und ärgerlich gestikuliert hatten, holte eine ältere Frau den Wassersack hinter Blumen wieder hervor. Wie uns das Mädchen später bedeutete, sollte die alte Frau, ihre Mutter, nicht ganz klar sein.
Nachdem wir die Zelte aufgebaut hatten, legten wir uns 21.45 Uhr schlafen.
Einige Beobachtungen aus dem mittleren Teil Jugoslawiens:
Die Landwirtschaft war in Serbien etwas höher entwickelt. Man sah bisweilen Trecker und Dreschmaschinen. Gemäht wurde hier mit der Sense, aber auch mit der Sichel und zuweilen raufte man das Korn sogar. Ährensammler sah man hin und wieder. Den Acker schienen sie in Serbien mit Pflügen zu bearbeiten, während in den anderen Gebieten wohl oft eine herzförmige Hacke diese Arbeit versehen musste. Die Eisenbahn hat auf den Hauptstrecken, z. B. Belgrad - Skopje,Vollspur. Im Lande sieht man dagegen oft schmale Spurweite. Überall sind die Strecken eingleisig. Auf der Fahrt von Belgrad bis hierher haben wir kaum Moscheen gesehen, nur eine in Nis. Es waren alles christliche Kirchen, im byzantinischem Stil erbaut. Neben den Obstbäumen gab es hier viele Walnüsse. Besonders in Macedonien wurde uns an der Straße oft Obst angeboten. Man scheint hier reichlich davon zu haben.
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