Griechenland 1956 Überschrift

Tag 14Griechenland Tag 14

Montag, 30.7.1956 (4910 - 5072 = 162), Belgrad - Kragujewac

Um 5.50 Uhr sind wir aufgestanden Es wurde durch die Sonne schon recht warm in den Zelten, da sie nicht im Schatten standen. Nach den morgendlichen Vorrichtungen haben wir unsere Maschinen geputzt und überholt. Um 10 Uhr sind wir mit einem alten Manne, der am Zeltplatz wohnte und auf die Zelte achtete, in die Stadt zu der gut Deutsch sprechenden Frau gefahren, mit der wir uns gestern verabredet hatten. Der alte Mann war mitgefahren, um uns den Weg zu zeigen. In dieser Zeit achtete ein Münchener Ehepaar, das zu einem Esperanto-Kongreß in Belgrad war und auch auf dem Platz zeltete, auf unsere Sachen. Mit der Österreicherin, die in einem entsetzlich unordentlichen und unsauberen Zimmer wohnte, haben wir uns dann auf den Weg gemacht, um uns unter ihrer Führung BelgrGR079ad anzusehen. Zuerst haben wir uns bemüht, einen Benzinhahn zu bekommen, aber auch hier vergeblich. Es gibt in Jugoslawien nicht einmal die primitivsten Ersatzteile. Dann sind wir quer durch die Stadt gefahren, die einen recht sauberen und großstädtischen Eindruck macht. GR081
Auf dem Wege haben wir die Markuskirche (Abb. li.) angesehen, die eine serbische Kirche ist, wie uns unsere Führerin erzählte, also weder römisch-katholisch noch orthodox. Das Gestühl fehlte in der Kirche völlig, vielleicht auch nur jetzt . Um vier große rohe Betonsäulen stehen die Heiligenbilder und am Ende der Kirche ist eine Art Apsis für den Pfarrer. Von der Markuskirche ging ed zur Hauptpost, es waren aber leider keine Briefe für uns da. Gegenüber der Hauptpost befindet sich das alte Parlamentsgebäude mit Säulenvorbau. Wir fuhren dann zum Kalimegdan, einem Hügel in der Stadt, auf dem sich die Festung befindet. In den Kasematten dieser Festung haben nach den beiden letzten Kriegen viele Deutsche und Österreicher GR076gesessen und sind GR078hier zu tausenden verhungert. Umgeben ist die Festung jetzt von schönen Parkanlagen. Heute befindet sich in den Räumen und zum Teil unter freiem Himmel ein Kriegsmuseum. Hier GR080stehen, Panzer, Flugzeuge (Me 409), Mg’s und sonstige Kriegserinnerungen aus dem letzten und dem ersten Weltkrieg (Abb. re). Vom Kalimegdan GR077hatten wir einen herrlichen Blick auf den Zusammenfluß von Sawe und Donau (Abb. re).
Auf der anderen Seite der Sawe befindet sich eine vor Jahren angefangene Regierungsstadt, die aber nicht weitergebaut werden kann, da der Untergrund zu weich ist und die im Rohbau fertigen Bauten jetzt schon sacken. Die mit dem Bau beauftragten deutschen Ingenieure sollen sich seiner Zeit geweigert haben, auf diesen Grund zu bauen. Die Jugoslawen sollen dann aber trotz der Warnungen den Bau angefangen haben und stur gebaut haben, bis sie selbst das Absacken bemerkten. Dies ist typisch für das totalitäre System. Wir fuhren dann wieder in die Stadt und haben dort Salbe gegen Sonnenbrand und Ansichtspostkarten gekauft.
Am Bahnhof haben wir ein Glas Bier zur Erfrischung getrunken (50 Dinar) und sind anschließend mit der Frau in ein Restaurant gefahren, um Mittag zu essen. Wir wollten gern einmal ein landesübliches Gericht probieren und haben uns deshalb Paprika mit Fleisch und Reis gefüllt zu Gemüte geführt. Die Vorsuppe schmeckte nach nichts, dafür war aber das Paprikagericht umso stärker gewürzt. Dazu gab es trockenes Brot. Insgesamt kostete das Mittag 95 Dinar.
Gegen 11Uhr haben wir unsere Führerin zu Hause abgesetzt und sind wieder zum Zeltplatz gefahren. Auf dem Wage dorthin haben wir auf einem Hügel, von Bäumen umgeben, das weiße Haus herüberleuchten sehen, in dem Tito wohnt. Er lebt hier mit seiner 4. Frau, einer Hauptmännin aus der Partisanenzeit.
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Auf dem Zeltplatz angekommen haben die Sachen gepackt und die Fahrt vorbereitet. Es war so ungeheuer heiß, ldaß wir uns gar nicht getrauten, aus dem Schatten der Bäume hervorzukommen. Als letzter Rest des Ehrenmales auf dem Friedhof stand noch der Sockel da, der wohl für die Zerstörung zu massiv war. Die Inschrift auf dem Sockel war noch zu lesen und hieß: Das Reserve-Infantrie-Regiment 208 seinen toten Kameraden in treuem Gedenken an . . . .(die einzelnen Kämpfe aufgezählt). Die Kämpfe haben hier 1915 stattgefunden.

GR083Vor der Abfahrt haben wir uns noch einmal gründlich unter der Wasserleitung abgekühlt und haben uns dann auf den Weg gemacht. Es war 16 Uhr. Auf schöner Asphaltstraße ging es aus Belgrad heraus Richtung Nis. Die Landschaft ist hier hügelig, und es wird viel Landwirtschaft getrieben ( Mais, Sonnenblumen, Tabak, Wein, Sommerweizen, Gerste). Auch hier sieht man viele Ochsengespanne wie schon vor Belgrad etwa seit Loznica. Zigeuner sieht man auf der Asphaltstraße nicht mehr, im Lande sind uns aber sehr viele begegnet, die entsprechend der allgemeinen Armut sich in einem unbeschreiblichen Zustand befinden.

Es ist doch ein eigenartiges Volk. In der größten Gluthitze ziehen sie auf ihren Wagen mit halbverhungerten Pferden durch das Land. Auf ihrem Wagen haben sie ihr Hab und Gut zu einem Bündel verschnürt liegen und etwas Heu für das Pferd.

Nachdem wir einige Zeit gefahren waren, kamen wir nach Mladenovac, wo gerade ein kleines Volksfest veranstaltet wurde. Das ganze Städtchen war auf den Beinen. Von hier aus führte uns die Straße weiter nach Kragujewac, wo sich eine serbische technische Schule befindet. Nach weiteren 10km trafen wir drei belgische Studenten, die wie wir eine Schlafgelegenheit suchten.

Es war schon dämmrig geworden, und wir mussten uns allmählich energisch bemühen, um vor Dunkelheit noch etwas Geeignetes zu finden. Nach einigem Suchen hatten die Belgier dann auch einen ordentlichen Platz hinter einem Strohschober gefunden. Der Platz lag zwar ziemlich dicht an der Straße, aber es war ja schon dunkel und am nächsten Tag sollte es wieder früh weitergehen. Die belgischen Studenten haben ihr Zelt erst gar nicht aufgebaut, sondern sich in ihre Schlafsäcke eingehüllt auf das Stroh gelegt. Uns war das Schlafen unter freiem Himmel aber etwas unangenehm, und wir haben deshalb doch ein Zelt aufgebaut.

Gegen 21.50 Uhr waren wir mit dem Abendbrotessen fertig und sind dann, nachdem wir uns mit den Belgiern noch etwas unterhalten hatten, um 22 Uhr in die Schlafsäcke gekrochen. Es ist eigenartig, wie schnell ein Kontakt zustande kommt, obgleich wir uns völlig fremd waren und nur mangelhaft über das Englische verständigen konnten.

 

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