Griechenland 1956 Überschrift

Tag 7Griechenland Tag 07

Montag, 35.7.1956 (3566 — 3881 = 315 km), Selce - Zadar

6 Uhr aufgestanden. Nachdem wir gebadet und gemütlich die Sachen gepackt hatten, haben wir noch einen Defekt an meiner Tankdichtung abgestellt und sind gegen 11 Uhr aus Selce abgefahren. Auf guter asphaltierter Küstenstraße sind wir dann zügig bis Senj gefahren. Das Wetter war herrlich ohne jede Wolke. Links von uns hatten wir die karstigen Berge liegen, die mit Feigen- und Ölbäumen bestanden waren, während rechts das Meer mit den Inseln lag. Grillen und Heuschrecken veranstalteten ein mörderisches Konzert. Gegen die Sonne sah der Himmel und das Meer eigenartig trübe aus. Wir hatten bei den bisherigen Sonnentagen noch nie eine klare Weitsicht. Es scheint hier wohl immer leicht trübe zu sein.

In Senj haben wir unsere Benzintanks wieder vollgemacht, man muß hier in Jugoslawien immer darauf achten, daß man an keiner TankstelleGR036 vorüberfährt, ohne nachgetankt zu haben. Die Tankstellen sind nämlich oft sehr weit auseinander. Dann haben wir noch 30 DM in einer Bank umgetauscht. Sie war furchtbar primitiv eingerichtet, mit Schreibmaschinen, die man bei uns nicht mehr beim Altwarenhändler findet. Da die Geschäfte während der Mittagshitze einige Stunden geschlossen haben, konnten wir uns kein Brot zum Mittag kaufen. Wir handelten uns deshalb auf dem Markt Tomaten (1kg 40 Dinar) und 6 Eier (Stück 17 Dinar) ein. Hier in Senj mußten wir die Küstenstraße verlassen, da sie wegen Bauarbeiten gesperrt war. Die Straße führte uns nun landeinwärts, wo wir nach einigen km abgekocht haben. Wir hatten großen Hunger, da wir kein Frühstück gegessen hatten. Bei jedem vorbeifahrenden Auto mußten wir uns schützend über unseren Kochtopf beugen, da wir sonst mehr GR037Staub als nahrhafte Stoffe zu essen bekommen hätten.

Von hier aus ging es weiter in Serpentinen auf den Karst hinauf und von dort durch freundlicheres bergiges Land nach Otocac. Die Landwirtschaft ist hier wesentlich besser, man sieht wenigstens einigermaßen bestandene Felder. Obwohl alles etwas fruchtbarer erschien, sind die Menschen auch hier sehr arm. Sie ernten das Korn bisweilen noch, indem sie es einzeln raufen. Auf der anderen Seite sieht man daran aber, wieviel Wert das Korn bei ihnen noch hat. Vor den Fuhrwerken sieht man Pferde, Esel und Ochsen. Kurz hinter Otocac sind wir von der Hauptstraße abgefahren. Von hier aus ging es weiter zu den Plitvicer Seen. Seit Senj fuhren wir auf einfachen Schotterstraßem die zeitweise fast wie unsere Eisenbahndämme aussahen. Ein ungeheuerer Staub entwickelt sich beim Fahren und dringt durch alle Spalten. Abends sahen wir ganz weiß aus.

GR039Auf dem Wege zu den Seen bin ich in einer scharfen Kurve auf dem Staub ausgerutscht und umgekippt. Es ist nichts passiert, aber ich habe mich recht geärgert. Gegen 16 Uhr kamen GR042wir an den wunderschönen Plitvicer Seen an (kleine Abb. unten). Die Vegetation um die Seen herum ist sehr üppig. Sie gibt mit der eigenartig leuchtend GR041grünen Farbe, etwa malachitgrün, eine schöne Farbkombination. Würde man die Farbe der Seen genau malen, so würde sie sicher als kitschig bezeichnet werden. Es sind insgesamt 16 Seen, die wie Forellenteiche gestaffelt übereinanderliegen und jeweils zum tieferen hin Abfluß haben in Form kleiner Wasserfälle. Die ganze Gegend ist einfach idyllisch. Oberhalb des größten Sees wird ein sehr modernes und großzügiges Hotel gebaut. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick über das ganze Panorama. GR038

Von Plitvice ging dann die Fahrt in Richtung Zadar über Udbina weiter. Kurz vor Udbina haben wir eine Hochebene durchquert, die einen pusta-ähnlichen Eindruck machte (Abb. unten). Überall weideten Pferde und Schafe auf dem struppigen Gras. Wenn man zur Mittagszeit durch das Land fährt, scheint es fast ausgestorben. Sobald die Sonne aber nicht mehr vom Himmel brennt, kommen die Menschen und das Vieh wieder hervor. So sieht man abends überall Frauen und Kinder die Schafe und Kühe hüten. Sie stricken dabei oder spinnen.

Von Udbina fuhren wir dann weiter über Ploca und Sv. Rok nach Obrovac. Die Fahrt über den 1000m hohen Küstenkarst haben wir in der Dunkelheit gemacht. Es war wild romantisch, bei strahlendem Mond über den fahlgrauen Karst zu fahren. GR044Überall sah man die Silhouetten der Felsen gegen den Mond. Wir mußten noch bis Zadar kommen, weil dort der nächste Campingplatz war und wir unbedingt Süßwasser zum Waschen brauchten. Wir waren so schmutzig, daß wir nicht darauf verzichten konnten. Sehr müde kamen wir gegen 24 Uhr in Zadar auf dem Zeltplatz an, nachdem wir einige Zeit mit Suchen zugebracht hatten. Bis wir unsere Zelte aufgebaut und Abendessen gekocht hatten - wir hatten ja wegen Geschäftsschluß kein Brot kaufen können - war es 2 Uhr geworden. Der Zeltplatz lag auf einer vom Meer umgebenen Landzunge sehr schön in einem kleinen Pinienwäldchen (Abb. li.). Eine Nacht kostete hier mit Maschine 120 Dinar. 2.30 Uhr konnten wir uns dann schließlich zur Ruhe legen.

 

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