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Sonnabend, 21.7.1956 (3425 - 3564 = 139 km), Postojna - Selce 6.15 Uhr aufgestanden. Nach dem Waschen und Essen haben wir die gestrige und heutige Reiseroute durchgelesen. 8.50 Uhr sind wir zur Grotte gegangen (Abb. 17), um an einer Besichtigung teilzunehmen. Da die nächste Besichtigung der Grotte erst 9.50 Uhr stattfand, sind wir noch etwas spazieren gegangen und haben uns dabei das Dorf angesehen. Dabei haben wir einen älteren Mann getroffen, der früher hier Schmied war, jetzt aber nicht mehr arbeitete. Da er einigermaßen Deutsch sprach, konnten wir uns mit ihm so schlecht und recht unterhalten. Er erzählte uns, daß die Deutschen im Kriege in der Grotte ein Öl- und Benzinlager gehabt hatten, und daß dieses L 9.30 Uhr kauften wir uns eine Karte für die Besichtigung der Grotte Postojnska Jama (250 Dinar, Abb. unten). Da man nicht zu Fuß in die Grotte hineingehen darf, begaben wir uns zu einem für diese Zwecke bestimmten Lorenzug (Abb. re.), der mit etwa 500 Menschen besetzt war. Mit diesem Zug fuhren wir in die Grotte, deren elektrisch Durch die Tropfsteine bot die Grotte ein so mannigfaltiges Bild, daß man von einem Staunen ins andere fiel. So einfallsreich konnte kaum ein Mensch sein. Die Nach 2 Stunden kamen wir wieder ans Tageslicht und fuhren anschließend nach Predjama Grad, einer Burg des Raubritters Erasmus, die etwa 40km entfernt lag. Burg und Grotte gehören, wie uns der dort wohnende Verwalter erzählte, zu einer staatlichen Organisation. Die Burg sei jedoch auf Zuschüsse angewiesen und könnte nur durch Anschluß an die Grotte erhalten werden. Man hat also auch hier noch Sinn für Schönheiten, auch wenn sie Zuschußbetriebe sind. Wahrscheinlich entspringt aber dieses Verständnis aus der reellen Überlegung, daß man solche Sehenswürdigkeiten für den Fremdenverkehr, der für Jugoslawien von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist, Die Burg war in eine Felsennische eingebaut, so daß sie, wenn man senkrecht von oben herunterschauen würde, nicht zu sehen wäre. Sie hatte nur einen schmalen Zugang und war für damalige Verhältnisse nahezu uneinnehmbar. Die Felsnische war von einem See ausgewaschen worden, der dann später abgeflossen ist. Von dem See ist heute nur noch ein reißender Bach übriggeblieben, der im Felsen verschwindet, und von dem man heute noch nicht weiß, ob und wo er wieder ans Tageslicht kommt. Unterhalb der Burg konnte man noch einen Grotteneingang sehen, der schon zur Steinzeit von Höhlenmenschen mit der dahinter liegenden Grotte als Wohnstätte benutzt wurde. Diese Grotte war aber völlig trocken und ohne Tropfsteinbildung im Gegensatz zur Postojnska Jama. Wie uns der Verwalter der Burg erzählte, wohnte er schon seit 1933 dort und war bis zur Selbstständigkeit des Landes bei einem österreichischen Prinzen, dem die Burg gehörte, als Förster angestellt. Der Förster schien recht intelligent und antwortete uns auf die Frage, wie er das jetzige diktatorische System beurteile, daß er es im Augenblick noch für das Richtige halte, solange das Volk jedenfalls noch so ungebildet sei. Es würde sonst in der Demokratie zu Wahlbeeinflussungen ausgenutzt werden. Er meinte, daß sich, sobald es möglich sei, von selbst eine Demokratie entwickeln würde. 13 Uhr waren wir wieder am Zeltplatz und haben dort das Mittagessen gekocht. Nachdem wir gegessen und die Sachen gepackt hatten, sind wir 15.50 Uhr aufgebrochen. In Postojna haben wir dann noch Lebensmittel für die Weiterreise gekauft (1 Zitrone 45 Dinar, 2 Pfund Brot 70 Dinar). Durch Opatija sind wir einmal durchgefahren, um einen Eindruck von diesem Weltbad zu bekommen und haben dann einen Spaziergang durch die Anlagen an der Küste gemacht. Opatija (Abb. li.) liegt wundervoll zwischen hohen Bäumen (Palmen, Zypressen, Pinien usw.), die hier sonst eine Seltenheit sind. Es soll hier ein herrliches Klima herrschen (15 Grad Jahresdurchschnitt, im Winter ca. 8 Grad) und immer etwas windig sein. Man glaubt, hier nicht in Jugoslawien zu sein, nach dem, was wir bisher auf der Fahrt gesehen haben, da hier ein großes Hotel neben dem anderen steht und auf den Straßen eine große Eleganz zu sehen ist. Man sieht hier bald mehr Fremde als Einheimische. Gegen 19 Uhr fuhren wlr dann weiter nach Rijeka, dem bedeutendsten Hafen Jugoslawiens. Eine große Werft liegt hier unterhalb der Straße, man darf S16 aber nicht photographieren. Rijeka ist eine große Stadt, macht aber im ganzen doch einen ärmlichen Eindruck. Es werden viele nicht sehr schöne, dafür aber große Wohnhäuser gebaut. Im Dämmern fuhren wir dann auf der Küstenstraße weiter, immer mit Blick auf die Adria. Um eine Bucht mit mittelalterlich anmutendem Dörfchen führte uns dann die Straße. Im Nach einigem Herumfahren haben wir dann den Platz gefunden und bei elektrischem Licht unsere Zelte aufgebaut. Der Campingplatz lag an der Stelle, an der König Peter II. seinen Sommersitz hatte. Die Jugoslawen hatten das Haus bei ihrem Rückzug im Kriege gesprengt. Den schönen Platz konnten sie aber nicht zerstören, das war ja für uns die Hauptsache. Den Blick auf das 10m entfernte Meer und die im Hintergrund liegende karstige Insel Krk war wunderbar. Nach einem schönen Bad in der Adria, dem ersten Bad im Salzwasser, haben wir Abendbrot gegessen. Danach haben wir uns mit dem Campingwärter unterhalten. Er war bei der SS gewesen und hatte es deshalb jetzt sehr schlecht. Er bekommt 10000 Dinar (ca. 110 DM) monatlich. Er sagte, daß die Preise in Jugoslawien auch nicht niedriger seien als bei uns und bei den geringen Löhnen deshalb vieles unerschwinglich sei. Er wollte im nächsten Jahr ‘versuchen, über die Grenze nach Österreich zu kommen. Gegen 24 Uhr haben wir uns in die Zelte zurückgezogen.
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| [Tag 6] |
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