Griechenland 1956 Überschrift

Tag 8Griechenland Tag 08

Dienstag, 24.7.1956 (3881 - 3940 = 59 km), Zadar - Nin - Zadar

7.30 Uhr aufgestanden. Die Sonne schien schon hell, aber wir mußten etwas ausschlafen, da es ja gestern sehr spät geworden war. Wolfgang hatte gestern abend mit seiner Batterie Ärger, sodaß wir die letzten 60km nur mit meiner Lampe fahren konnten. Das hat er heute mit Hilfe eines Berliner Autoschlossers, der sich zufällig auch auf dem Campingplatz aufhielt, wieder in Ordnung gebracht. Ich habe in der Zeit ein bißchen am Roller gearbeitet und dann in der Stadt Brot und Marmelade (1 kg 225 Dinar) gekauft. Da es inzwischen schon 15 Uhr geworden war, entschlossen wir uns, noch eine Nacht hier zu bleiben. Dafür haben wir uns vorgenommen, eine Fahrt nach Nin zu machen und dort eine alte römische Siedlung anzusehen. Bevor wir abfuhren, haben wir bei strahlendem Sonnenschein am Strand in der herrlichen Brandung gebadet. GR045

17 Uhr fuhren wir dann nach Zadar, um die Stadt kurz zu besichtigen und zu tanken. Man findet hier direkt am Meer den ältesten Teil der Stadt. Dort steht eine Kirche aus dem 9. Jahrhundert (Abb. re.), von der allerdings nur noch Säulen und Türbögen in der alten Form zu sehen waren, während das andere bei einer Renovierung überdeckt worden ist. Reste von Säulen und andere große Steine sind unregelmäßig als Fundament genutzt worden. Ob die Kirche einmal zerstört wurde und dann die Trümmer beim Aufbau wieder mit verwendet wurden? Ich weiß es nicht. In der Umgebung finden sich noch viele Reste. Die Kirche besitzt Rundform und steht mitten in einem Trümmerfeld aus dem letzten Weltkrieg. Da hier in Zadar deutsches Militär stationiert war, hatten die Amerikaner die Stadt bombardiert und dabei viel zerstört.

Die Altstadt hat viele enge und hohe Gassen, in denen es angenehm schattig und kühl ist. Für die südlichen Städte ist das gerade das Richtige. Um die Abendzeit war gerade reges Treiben in den Gassen. Auch in Zadar besteht wie in allen größeren Städten ein starker Gegensatz zwischen den gewaltigen Hotels und den ärmlichen Häusern der einfachen Leute. Trotzdem bieten die Hotels für unsere Verhältnisse noch ein tolles Bild. Die Lampen haben z. B. keine Schirme und Wäsche hängt zum Trocknen aus den Fenstern. Die Häuser sind hier wie überäll bisher aus dem ja reichlich herumliegenden Naturstein gebaut. Nachdem wir uns die soweit angesehen hatten, machten wir uns auf die Fahrt nach Nin.

Die Sonne ging wunderschön über der Adria unter, gerade an der Stelle, wo man zwischen zwei Inseln auf das weite Meer hinaussehen konnte. Unterwegs kamen wir an einem Kiefernwald vorüber, in dem etwa auf folgende Weise Harz gewonnen wurde: Man hatte an einigen Stellen der Bäume die Rinde und etwas Holz entfernt. Dann hatte man ein ca. 10cm langes und 20cm breites Blech etwas gebogen mit der Breitseite in das Holz geschlagen und einen Topf darunter ge- hängt. Über das schrag angebrachte Blech läuft dann der Harz ab.

Inzwischen war es schon 19 Uhr geworden und wir sahen überall Esel und Schafe auf dem kargen Boden weiden. Eigenartig war, daß neben den kargen Weideflächen, besonders in der Nähe von Zadar plötzlich große Weinländereien zu finden waren. Der Wein scheint doch sehr anspruchslos zu sein. Man war allgemein gerade dabei das Korn zu ernten. Es begegneten uns überall schwerbepackte Esel, aber auch Menschen schleppten sich mit großen Garbenbündeln ab. Nur selten sahen wir Erntewagen.

Als wir in Nin angekommen waren, es liegt direkt am Meer auf der Spitze der Halbinsel von Zadar, haben wir unsere Maschinen am GR046Rande des Dorfes abgestellt und einen Rundgang angetreten. Wir fanden die Leute hier gerade beim Dreschen. Der Dreschvorgang ist sehr primitiv (Abb. li.), und es war für uns sehr interessant einmal zuzusehen. In der Mitte einer kreisrunden, glatten Fläche steht ein dicker Pfahl, um den man 2 oder 5 Pferde laufen läßt. Dabei treten sie aus dem ausgebreiteten Garben das Korn. Nach einiger Zeit wird dann das Stroh abgesammelt und das Korn mit den Spelzen zur Mitte gefegt. Dort wird es in Säcke geschaufelt und bei geeignetem Wind gesaubert. Als wir uns nach den romischen Bauten bei den hier beschäftigten Leuten erkundigten, erbot sich ein Kroate, uns zu führen. Es waren nur noch Reste eines Tempels zu sehen (korinthisches Kapitel und Reste der Mauern und Säulen). Auch eine alte in byzantinischem Stil erbaute, kleine Kirche zeigte er uns.

Nachdem er uns so herumgegeführt hatte, lud er uns zum Weintrinken ein. Wir nahmen die Einladung gern an, da wir so einmal in ein Haus herein konnten. Er führte uns in ein dunkles Loch, wohl dem Aufenthaltsraum‚ an dessen Wänden Weinfässer standen und ein Tisch mit zwei Stühlen. Außerdem befand sich noch ein Fahrrad in dem Raum und sonstige Kleinigkeiten. Hier lud er uns zum Sitzen ein und erzählte uns, daß er Stupic, Nico heiße und 45 Jahre alt sei. Seine Frau holte nun die besten Gläser, die wohl schon lange nicht mehr benutzt worden waren, da sie sehr staubig waren und erst ausgespült werden mußten. Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren, holte er von seinem besten Wein eine Kanne voll und schenkte uns ein. Der Wein schmeckte recht gut, war nur sehr stark, wie wir später feststellen mußten.

Während wir tranken hat er uns erzählt, daß er drei Kinder habe und seinen Lebensunterhalt mit etwas Landwirtschaft und Weinbau verdiene. Den Liter Wein verkauft er in der Stadt für 50 Dinar (ca. 0,75 DM). Die Unterhaltung verlief sehr angeregt, obgleich er kein Deutsch konnte, und wir uns auf Italienisch, Englisch, Lateinisch und gestikulierend nur verständigen konnten. Die Küche lag außerhalb des Hauses in einem kleinen Schuppen, der mit Schilf gedeckt war. Hier befand sich auf dem Boden eine offene Feuerstelle, und darüber hing ein Kessel. Der ganze Raum war von Qualm erfüllt, aber trotzdem hockten dort einige Kinder. Durch den starken Wein hatten wir beide einen anständigen Schwips bekommen, obgleich wir nur knapp zwei Gläser getrunken hatten. Der Wein muß sehr stark gewesen sein. Als wir die Wirkung spürten, haben wir uns schnell verabschiedet, da wir ja noch mit den Maschinen nach Zadar zurück mußten. Wir wollten etwas für den Wein bezahlen, hätten ihn aber damit bald beleidigt. Er lehnte strickt ab und forderte uns auf, nur weiter zu trinken. Man erkennt daran die jugoslawische Gastfreundschaft, die tief im Volke wurzelt.

21 Uhr fuhren wir dann weinselig nach Zadar zurück. Auf dem Zeltplatz haben wir dann Abendessen gekocht und gegessen. Allmählich wurde mir recht übel und ich mußte mich dann auch noch entleeren. Die Strafe folgte also auf dem Fuß. Um 23 Uhr haben wir uns zur Ruhe gelegt.

 

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