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Freitag, 27.7.1956 (4340 — 4535 = 195 km), Metkovi - Sarajevo
Um 5 Uhr sind wir aufgestanden. Da wir nicht viel zu packen hatten hatten, konnten wir schon gegen 7 Uhr abfahren. Von den Hamburgern mußten wir uns trennen, da sie nach Dubrovnik wollten, also weiter an der Adria nach Süden. Bis Metkovic ging es noch durch die Neretvaniederung, dann wurde das Tal enger und wir verließen schließlich den Fluß. Die Straße führte bergauf und wir kamen auf eine Hochebene. Nach einigen Kilometern Fahrt ging es wieder abwärts und wir kamen in eine große Senke, in der Mostar lag.
 Kurz hinter Metkovic im Neretva-Tal wurde sehr viel Mais angebaut, der hier recht gut stand. Auch Tabak war zu sehen, während Wein nicht mehr so häufig wie an den Vortagen zu finden war. Die folgende Hochebene war dann wieder karg und steinig (Abb. li.), und nur ein paar Kühe suchten sich mühsam etwas Futter.
In Mostar fanden wir die ersten Minarette (Abb.
re.), wir kamen also allmählich in mohammedanisches Gebiet. Die Fahrt ging dann weiter in die schöne Jablanica-Schlucht (Abb. li.). Tief unter der Straße bahnte sich die Neretva in einem kleinen, aber tiefen Bett ihren Weg. Sie führte glasklares und eiskaltes Wasser. Seitlich stiegen hoch die Zweitausender auf und bildeten einen gewaltigen Rahmen für das herrliche Bild. Kurz vor dem Ende der Jablanica-Schlucht haben wir eine kleine Pause eingelegt. Wir sind zum Fluß heruntergestiegen und haben uns in dem herrlichen Wasser gewaschen. Nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten ging es wieder weiter. Auf der anderen Seite des Flußes dampfte bisweilen ein Zug mit einer vorsintflutlichen Lokomotive (Abb. re.). Die seitlich in die Neretva mündenden Flüsse führten kein Wasser, werden aber zur Regenzeit sicher zu reißenden Gewässern.
Als wir aus der Schlucht herauskamen, tat sich vor uns ein hügeliges und bergiges Land auf. Die Berge wurden nach einiger Zeit aber wieder höher, und das Gesamtbild der Landschaft hatte etwa den C harakter unserer Alpen. Bäume und Almen fanden sich hier, und der Karst war völlig verschwunden. Wir waren nach Bosnien-Hrezegowina gekommen. Sehr viele Mohammedaner sah man hier. Die Frauen trugen Rockhosen, die um die Beine herum geschlossen waren, und ihr Kopf war in ein Tuch gegen die Sonne eingehüllt. Die Männer trugen sich nach oben sch verjüngende rote Kappen. An einem großen Kraftwerk vorbei und durch einen Tunnel führte die Straße zum Jablanica-See (Abb. re.). Sehr weit erstreckt er sich mit seinem grünen Wasser in die Seitentäler hinein. Nachdem wir zwei weitere Tunnel und einige Baustellen, wo man damit beschäftigt war, die Böschungen abzustützen, passiert hatten, kamen wir nach Konjic.
 Von dort ging es dann weiter nach Sarajewo. Wir schlängelten uns hier immer wieder in Serpentinen aufwärts und ebenso abwärts. Schließlich kamen wir in eine Ebene, an dessen Ende, an die Berge angelehnt, Sarajewo lag. Es begegneten uns jetzt schon doppelstöckige Busse, so daß man durchaus den Eindruck einer Großstadt hatte. Von weitem sah man schon die schlanken Minarette (s. Abb. re. unten), die hier in großer Zahl die Häuser überragen. Etwa 450 Moscheen besitzt Sarajewo. Den Campingplatz hatten wir schnell gefunden und konnten heute die Zelte schön früh aufbauen. Nachdem wir dann große Wäsche gemacht hatten, habe ich n och schnell Ölwechsel gemacht, und gegen 19.50 Uhr konnten wir endlich in die Stadt ziehen. Die halbe Stadt ist mohammedanisch, wie uns auf dem Zeltplatz erzählt wurde, und es gibt hier sogar eine mohammedanisch-theologische Schule. In der Stadt prominierte ganz Sarajewo auf der Straße und wir merkten bald, daß heute ein großer Feiertag war. Es fiel uns jetzt auch wieder ein, daß unterwegs überall geflaggt war und die Partisanendenkmäler frisch geschmückt waren.
Wie wir später erfuhren, war heute Republiksgründung. Auf der Ulica Marschala Tita drängten sich die Menschen wie auf dem Jahrmarkt. Wir mengten uns unter die Leute und bummelten mit auf der Hauptstraße, auf der sogar eine wackelige Straßenbahn fuhr. Allmählich näherten wir uns so der Altstadt, die wir uns ansehen wollten. Sie strömt eine richtige orientalische Atmosphäre aus mit ihren kleinen Häusern, die in sehr schlechtem Zustand sind, und mit den vielen Moscheen. Die Altstadt liegt am Ufer des Miljacka. Auf dem Ruckweg haben wir uns ein Eis spendiert, das übrigens sehr gut geschmeckt hat. Eis scheint hier auch allgemein sehr beliebt zu sein, da man fast an jeder Ecke einen Eisladen findet. Außerdem haben wir auch für 60 Dinar warm zu Abend gegessen, und zwar Nudelteig mit Kohl und Fleisch. Es hat auch ganz ordentlich geschmeckt.
Etwa gegen 21.50 Uhr waren wir wieder zu Hause. Man sieht hier in Jugoslawien nur wenig Autos, und eigenartigerweise überwiegt bei den Wagen deutscher Herkunft der Mercedes 180, 220 und 300, also die schweren Wagen. Den Volkswagen sieht man fast gar nicht. Während Wolfgang Essen gekocht hat, habe ich am Roller rumgemurkst, da der Benzinhahn wieder undicht war. Nach dem Essen sind wir dann 25.50 Uhr ins Bett gegangen oder besser in den Schlafsack.
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