Griechenland 1956 Überschrift

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Sonntag, 29.7.1956 (4674 - 4910 = 236 km), Vlasenica - Belgrad

Um 5.15 Uhr aufgestanden. Dann haben wir die Sachen gepackt, wobei uns Petkowitsch mit großem Interesse half. Als Belohnung gab ich ihm 2 Rasierklingen, über die er sich diebisch freute. Während wir uns weiter auf die Abfahrt vorbereitet hatten, war er fortgegangen und erschien plötzlich mit strahlendem und frisch rasiertem Gesicht wieder. Mir fällt hierbei übrigens ein, daß in Jugoslawien viel gebettelt wird. Die Kinder winkten z. B. immer wie wild an der Straße, und wir wunderten uns zuerst, wie freundlich die Kinder waren. Bald GR075merkten wir aber, daß sie beim Gestikulieren immer "Bonbon" riefen. Inzwischen waren wir abfahrtsbereit und wurden an der Straße von der versammelten Familie verabschiedet.

Kurz hinter Zvornik begann Serbien, so daß wir nur elne kurze Strecke in Bosnien-Herzegowina gefahren sind. Das Land war hier hügelig und bewachsen. Zwischen Zvornik und Loznica hatten wir wohl die bisher schlechteste Straße. Sie war
so mit Schlaglochern übersät, daß man oft wohl oder übel hindurchmußte. Das konnten wir natürlich bei unserem schweren Gepäck nur mit großter Vorsicht machen und kamen deshalb nur langsam vorwärts. Bisher waren die Straßen auch nicht gerade gut, aber wir konnten doch meistens zwischen den Autospuren oder seitlich fahren und so die Schlaglöcher umgehen. Bis nach Zvornik waren wir übrigens an einem ganz neuen Stausee entlanggefahren, der auf unserer Karte noch gar nicht eingezeichnet war. Auf diesem Gebiet wird hier viel getan, um erst einmal die Grundlagen für die Industrie in Form von Strom zu schaffen.

Hinter Loznica wurde die Straße etwas besser, und wir konnten flott durchfahren, ab Valjewo sogar auf Asphalt oder Steinen. Kurz hinter Valjewo teilte sich die Straße nach Belgrad. Wir fuhren über Ub. Auf dieser Straße ging mir bald das Benzin aus und es war weit und breit keine Tankstelle zu erwarten. Es sammelte sich bald eine große Traube von Menschen, wie immer, wenn wir hielten. Einer von ihnen hatte schließlich auch noch etwas Benzin und brachte mir einen Liter für 80 Dinar. Mit diesem Liter bin ich dann so eben bis zur ersten Tankstelle in Belgrad gekommen.

Kurz hinter Obrenovac kamen wir an einen großen Fluß, den ich zuerst für die Donau hielt. Wie sich aber bald herausstellte, war es die Sawe, an der wir bis Belgrad entlangfuhren. Einige Zeit vor Belgrad merkten wir schon a den Bussen und dem stärker werdenden Verkehr, daß wir in die Nähe einer Großstadt kamen. In der Stadt dauerte es eine ganze Zeit, bis wir erfuhren, wo der Zeltplatz lag. Wie wir bald erfuhren war es gar kein Campingplatz, sondern nur ein Platz, auf dem das Zelten erlaubt war. Hier befand sich der deutsche Heldenfriedhof, der aber nach dem letzten Krieg vollstandig zerstört worden war. Eine sehr gut deutsch sprechende Frau, frühere Österreicherin, befand sich zufällig auf dem Platz. Sie konnte uns sehr gut bei der Verstandigung helfen und freute sich selbst auch, wieder einmal mit Deutschen sprechen zu können. Sie hatte vor dem Kriege eine Gastwirtschaft in Belgrad, die aber von Bomben zerstört worden war: Sie klagte sehr über die Zustände und sagte, daß es hier mehr "Räuber" gäbe als anständige Menschen. Es ist sicher etwas ubertrieben, aber sie hat wohl recht schlechte Erfahrungen machen müssen.

Gegen 18 Uhr hatten wir unsere Zelte aufgebaut. Während Wolfgang Essen kochte habe ich den kaputten Reifen geflickt, drei Löcher von einem Nagel. Nach dem Essen haben wir uns noch etwas unterhalten und sind 22.50 Uhr ins Bett gegangen.

 

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