Griechenland 1956 Überschrift

Tag 9Griechenland Tag 09

Mittwoch, 25.7.1956 (3940 - 4144 = 205 km), Zadar - Split

6.15 Uhr aufgestanden. Dann Kaffee getrunken, die Sachen gepackt und am herrlichen Badestrand in aller Ruhe noch einmal gebadet. Etwa um 11 Uhr sind wir dann aus Zadar abgefahren. Es war wieder ein strahlender Sonnentag. Die Straße führte uns dann quer durch die Halbinsel nach Benkovac. Da wir wegen des ungeheuren Staubes nicht so dicht hintereinander fahren konnten, war Wolfgang ein Stück voraus gefahren. In Benkovac hatte er aber vergessen, an der Kreuzung wie verabredet zu warten. Er ist dort in eine falsche Straße eingebogen und Richtung Pristeg - Sibenik weitergefahren. Als ich an der Kreuzung Wolfgang nicht entdecken konnte, bin ich auf der verabredeten Straße weitergefahren, ohne zu ahnen, daß Wolfgang falsch abgebogen war.

Ich bin nach Skradin ohne Aufenthalt gefahren, da wir uns dort die Wasserfälle ansehen wollten und ich Wolfgang dort wiederzutreffen hoffte. Die Landschaft auf der Halbinsel war leicht wellig und nur sehr spärlich bewachsen. Hohe Bäume fehlten hier völlig, dafür fanden sich aber Krüppeleichen und Taxus. Man muß sich immer wieder wundern, daß auf dem Karst überhaupt noch etwas wächst. Ab Benkovac wurde es bergig, aber sonst zeigte sich das gleiche Blld: wenig Grün, viele Steine und viel Staub. Auf den Feldern, die schlecGR047ht und recht von Steinen befreit worden waren, sah min Gerste, viel Mais und Wein, der hier wieder recht häufig zu sehen ist.

Nächdem ich Skradin durchfahren hatte, ging es an einem großen See entlang, der über ein langes Tal mit der Adria in Verbindung stand. Nach einer kurzen Wegstrecke fuhr ich von der Straße ab und auf einem schlechten, aber landschaftlich dafür umso schöneren Weg ( Abb. re.) zu den Krka-Fällen. An den Ufern des Sees stiegen die Karstberge auf und standen im eigenartigen Gegensatz zu dem Blaugrün des Sees. Ringsherum waren die Ufer mit Schilf bewachsen, An der Sonnenseite des Sees war eine ungeheuere Temperatur, so daß es einem GR048fast den Atem verschlug. Am Ende des Tales befanden sich dann die Fälle, die man schon von weitem als Silberstreifen erkennen konnte. Je näher ich herankam, desto kühler wurde es. Nachdem ich meine Maschine im Schatten abgestellt hatte, bin ich seitlich heraufgestiegen und hatte dann von oben einen wunderschonen Blick auf die Fälle und den See. In Stufen strömte das Wasser abwärts und hatte jede Stufe so ausgespült, daß die Einheimischen, die hier badeten, im Kopfsprung von den nächsthöheren Stufen in die ausgewaschenen Becken sprangen (Abb. re.). Es wehte hier durch die Abkühlung ständig ein angenehmer Wind.

Da ich Wolfgang nicht entdecken konnte, und auch ein alter Mann, den ich gefragt habe, ihn nicht gesehen hatte, bin ich wieder nach Skradin zurückgefahren. Hier kam mir Wolfgang entgegen, und so war alles noch einmal glücklich abgelaufen. Wir sind dann noch einmal gemeinsam zu den Fällen gefahren. Auf einer herrlichen saftigenGR049 Wiese haben wir dort das nach der Aufregung wohlverdiente Mittag gekocht und gegessen. Anschließend haben wir ein schön erfrischendes Bad in dem glasklaren, kühlen Wasser des Sees genommen. Hier wäre ein idealer Zeltplatz für mehrere Wochen gewesen. Auf einem Esel haben wir noch kurz einige Reitversuche gemacht (Abb. re.) und sind dann, nachdem wir unsere Pakanelchen gepackt hatten, wieder abgefahren. Wolfgang hatte auf seiner "Alleinfahrt" noch eine interessante Unterhaltung mit einem jungen Mann gehabt. Er schilderte das Leben ziemlich traurig. Er muß jetzt im Sommer, wie viele andere, aus der Industrie heraus und zum Bauern, damit die Ernte hereinkommt. Der Verdienst ist sehr gering in der Industrie (6000 - 8000 Dinar) und beim Bauern verdienen sie fast gar nichts. Vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr in Deutschland, sagte er. GR050

Auf dem schlechten, aber schönen Weg fuhren wir dann wieder zur Hauptstraße zurück. Dort überquerten wir den See auf einer neugebauten Brücke und fuhren weiter Richtung Sibenik. Kurz hinter der Brücke hatten wir einen herrlichen Blick über den weiten See (Abb. re.) , hochoben vom Karst her. An der Mündungsstelle des Sees in die Adria liegt Sibenik mit dem besten Hafen Jugoslawiens, da er schön geschützt in einer Bucht liegt. Sibenik ist nicht groß, macht aber auch für unsere Verhältnisse einen durchaus städtischen Eindruck. Wir haben hier die Kathedrale aufgesucht, die aus der Frührenaissance des 15. Jahrh. stammt. Wir konnten sie leider nicht besichtigen, da sie voll von andächtig betenden Menschen war, und mußten uns mit einem kurzen Hineinblicken begnügen. Da es schon spät war, konnten wir uns auch nicht mehr lange aufhalten. Im Dämmern und dann in der Dunkelheit ging es weiter nach Trogir und Split.

Unterwegs haben wir die ersten Tabakfelder gesehen. Dle Landschaft bot wieder das steinigkarstige Bild. Die Ölbäume waren fast alle stark vom Frost mitgenommen und z. T. erfroren. Der vergangene Winter muß sehr streng gewesen sein. Da es nicht in jedem Dorf Zisternen gibt, müssen die Einheimischen oft kilometerweit mit ihren Eseln, die mehrere Fässer tragen, über Land zu den Brunnen ziehen, die plötzlich an der Straße auftauchen. Die Straße nach Trogir war furchtbar schlecht. Wir hoppelten wie auf einem Bahndamm und mußten sehr aufpassen, daß wir nicht ausrutschten.

Vom Karst kurz vor Trogir hatten wir schließlich einen herrlichen Blick auf die inselreiche Adria, die in der Dämmerung schemenhaft vor uns lag. Von Trogir aus war die Straßei gut asphaltiert, so daß wir das letzte Stück bis Split zügig fahren konnten. Hinter den dunklen Bergen ging der Mond gerade als rotgelber großer Ball auf und vollendete die schöne Abendstimmung. In Split haben wir den Campingplatz verhältnismäßig schnell gefunden und waren schon 21 Uhr mit dem Aufbauen der Zelte fertig. Das erste Mal haben wir diese Nacht unter Palmen, Feigen und Pinien gezeltet. Besonders die Palmen sorgten für eine südliche Stimmung. Nach dem Abendbrot sind wir dann um 23 Uhr ins Bett gegangen.

 

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