Griechenland 1956 Überschrift

Tag 4Griechenland Tag 04

Freitag, 20.7.1956 (3233 — 3425 = 192 km), Faaker See - Postojna

6.15 Uhr sind wir aufgestanden und haben gleich ein schönes Morgenbad genommen. Es war wolkig, aber nicht völlig bedeckt. Nachdem wir unsere Utensilien gepackt hatten, ging es wieder nach Villach zurück und von dort aus durch das Gailtal bei strahlender Sonne zum Wurzenpaß (Abb. 13). Hier hatten wir die bis bisher stärkste Steigung von 26% zu überwinden. Auf dem Paß lagen die österreichische und jugoslawische Grenzstation. Auf beiden Seiten ging die Abfertigung schnell und reibungslos. Vom Paß aus hatte man einen wunderschönen Blick auf das gewaltige Massiv der Julischen Alpen, die zackig und z. T. schneebedeckt in den Himmel ragten (Abb. 14). Nach steiler Abfahrt kamen wir in das Tal zwischen den Julischen Alpen und den Karawanken mit dem reißenden GR013flachen Fluß Sava Dolinka. Hier haben wir erstmalig feststehende Reuter mit einem Ho1zschindeldach gesehen, die von da ab immer wieder zu finden waren.

Es scheint hier viel Regen zu geben. Auch mit Holzbrettern gedeckte Häuser haben wir hier zum ersten Mal gesehen. Durch das enge Tal fuhren wir zwischen den beiden Gebirgsketten bis nach Jesenice. Hier sahen wir einen sehr modernen neuen Bahnhof und ein großes Stahlwerk. Von hier aus ging es in die Ebene hinaus, die sich bis Ljubljana erstreckt. In dem durchfahrenen Tal war das Klima rauh, und es wurde deshalb auch nur spärlich Ackerbau betrieben. In der Ebene, die sich durch die immer weiter GR014auseinanderstrebenden Gebirgsketten allmählich erweiterte, wurde etwas mehr Landwirtschaft betrieben, es fielen dabei aber die kleinen Parzellen auf.

Am Anfang der Ebene fuhren wir rechts ab nach Bled, das an einem sehr schön gelegenen See am Rande der Berge liegt (Abb. 15). Dort haben wir auf einer Wiese abgekocht und Mittag gegessen. Während des Kochens überraschte uns ein Gewitter, das sich erst nach vier Stunden wieder verzog.

In dieser Zeit habe ich mich mit einem netten 12jährigen Mädchen, das dort mit einer jugoslawischen Jugendgruppe GR015zeltete etwas unterhalten. Sie konnte erstaunlich gut Deutsch, obwohl sie es nur auf der Schule lernte, und konnte mir so etwas Serbokroatisch beibringen. Ganz in unserer Nähe befand sich eine Erholungsvilla von Tito mit einem großen Park, der von einer hohen Mauer mit starken eisernen Toren umgeben war. Vor den Toren standen bis an die Zähne bewaffnete Soldaten. Nachdem sich das Gewitter verzogen hatte, konnten wir wieder aufbrechen.

Wir fuhren nach Bled zurück, das durch die vielen Villen einen sehr wohlhabenden Eindruck machte. Auf recht guter Straße ging es dann in sehr flotter Fahrt nachGR016 Ljubljana. Da Wolfgang in Bled ein Bolzen vom Sattel zerbrochen war, muBten wir in Ljubljana eine Werkstatt aufsuchen, die den Bolzen wieder geschweißt hat. Anschließend haben wir uns die Domkirche und das Rathaus mit Marmorbrunnen angesehen. Die Kirche ist typisch barock, wie auch die ganze Altstadt im Barockstil erbaut ist. Von hier aus hatte man einen schönen Blick auf die Zitadelle (Abb. 16) die auf einer Anhöhe über der Stadt lag. 18.50 Uhr fuhren wir dann wieder weiter auf einer ebenfalls sehr guten Straße bis nach Postojna. Die Landschaft ist hier bergig in der Art wie das Sauerland, nur ist der Baumwuchs niedriger. In einer weiten Ebene zwischen den Bergen sah man hier fast gar keine Felder. Wovon ernähren sich die Menschen hier bloß?

Nachdem wir bei einer sehr netten Frau, 4km vor Postojna Zama, Wasser getankt hatten, errichten wir den Zeltplatz an der Grotte von Postojna. Das Aufbauen der Zelte ging wieder schnell. Nachdem wir das Essen gekocht und verzehrt hatten, haben wir noch einen kurzen Spaziergang gemacht. 23 Uhr sind wir schlafen gegangen.

Die ersten Eindrücke von Jugoslawien:

Viel Militär und fast in jedem Dorf ein Partisanendenkmal in den verschiedensten Ausmaßen und Ausführungen. Viele arbeitende Frauen, z. B. Bahnwärterinnen, beim Mähen und in Uniform. Große Fahnenfreudigkeit, es ist mir aber noch nicht gelungen, die Landesflagge zu erkennen, da die drei Farben, blau, weiß, rot, in den verschiedensten Kombinationen erschienen. Einheitlich war nur der große rote Stern in der Mitte. Die Menschen machen schon einen etwas südlicheren Eindruck, aber sind nicht fremd. Fast alle tragen einen Schnurrbart. Die größeren Städte wie Ljubljana machen einen sehr zivilisierten Eindruck. Es werden dort große, moderne Neubauten aufgeführt.

 

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