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Tag 3
Donnerstag, 19.7.1956 (3006 — 3235 = 229 km), Piding - Faaker See
6.45 Uhr sind wir aufgestanden. In einer herrlich kühlen Quelle haben wir uns dann gewaschen und anschließend die Sachen gepackt. Beim Packen besuchte uns ein alter Mann, der gerade auf den Acker ging. Er kam uns sehr gelegen, da er uns gut die Gegend erklären konnte. Bereitwillig antwortete er auf unsere Fragen, und so erfuhren wir, daß der uns gegenüberliegende hohe Berg der Hohenstaufen war und in der Ferne der schneebedeckte Watzmann lag. Es ist eigenartig, bei der Wärme Schnee zu sehen. Gegen 8.50 Uhr sind wir ins Dorf Piding gefahren, das am Fuße des Berges, auf dem wir gezeltet hatten, lag. Dort haben wir vor einer sauberen Wirtschaft Kaffee getrunken, d. h. Milch getrunken und dazu einige Semmel gegessen. Die sonnenbestrahlten Berge gaben eine herrliche Kulisse dazu. 
Nach dieser kleinen Ruhe ging es wieder auf die Autobahn, auf der wir nach 5km Fahrt zur Bundesgrenze gelangten. Die Abfertigung an der Grenzstation ging recht schnell und ohne Gepäckkontrolle, ebenfalls auf der österreichischen Seite. Von dort fuhren wir südlich an Salzburg vorüber und trafen nach kurzer Zeit zu unserem Entsetzen wieder auf eine Grenzstation. Wie sich bald herausstellte hatten wir uns verfranzt und waren wieder an die deutsch- österreichische Grenze gekommen. Wir machten also wieder kehrt und fanden dann auch die richtige Straße nach Villach.
Die Straße führte uns durch das herrliche Salzachtal. Der Fluß hat wie alle Flüsse hier eine eigenartig grünweiBe Farbe. Nach starker Steigung kamen wir auf den Paß Lueg. Von dort haben wir zu Fuß die unbeschreiblich schöne Salzachklamm angesehen (Abb 8 und 9). Diese Naturgewalt ist sehr eindrucksvoll. Auch die in der Nähe gelegene Kroatenhöhle (Abb 10) haben wir noch besucht. Es ist eine Festung, die von den Österreichern 1809 während der Befreiungskriege gebaut worden war, um die gegenüberliegende Straße für den Rückzug der napoleonischen Truppen abzusperren. Entlang der sehr reißenden Salzach ging es zwischen Hagen-Gebirge und Tennen-Gebirge bis kurz hinter Werfen, wo eine schöne Burg im Tal auf einem Hügel liegt (Abb. 11). Dort sind wir nach Osten in ein Seitental der Salzach abgebogen.
Überall sieht man hier in Österreich an den Flüssen mit Wasserkraft getriebene Sägereien und riesige Baum- und Bretterstapel. Allmählich näherten wir uns den Niederen Tauern. Auf dem Wege hatten wir noch einen schönen Blick nach links auf das Dachstein-Gebirge. Nach sehr starker und langer Steigung bis 17% langten wir auf dem Tauernpaß in 1758m Höhe an. Dort haben wir ca. 14.50 Uhr Rast gemacht und Mittag gekocht. Es war dort oben empfindlich kühl, und der Schnee lag schon greifbar nahe. Die Vegetation bestand aus schönen rotblühenden Büschen, Gras und an höheren Pflanzen waren nur noch Krüppelkiefern zu finden.
Die Abfahrt vom Paß war auch wieder landschaftlich sehr schön. Wir mußten recht langsam fahren, da es steil hinabging und wir stark bremsen mußten, außerdem war die Straße in nicht sehr gutem Zustand. Sowohl bei der Auffahrt als auch bei der Abfahrt war die Straße von einem wilden Gebirgsfluß begleitet. Wir kamen jetzt in ein breites Tal, aus dem wir von St. Michael aus mit 19% auf den Katschbergpaß (1641m) kletterten. Man muß sich immer wieder wundern, daß die Motoren diese Beanspruchung aushalten. Von hier aus führte die Straße wieder ziemlich steil bis Gmünd hinab. Durch das Liesertal ging es dann weiter nach Spittal. Dort haben wir an einer Tankstelle Ölwechsel gemacht.
Obwohl es schon dämmrig wurde, fuhren wir noch nach Villach weiter. Die Straße war gut und hatte wenig Steigung. Kurz hinter Spittal lag auf der linken Seite hinter einer Bergkette, also von der Straße aus nicht zu sehen, der Millstättersee. In Villach kamen wir erst bei Dunkelheit an und haben uns mit Hilfe der Wegweiser verhältnismäßig schnell zum Campingplatz am Faakersee durchgefunden (Abb.). Gegen 20.50 Uhr kamen wir dort an. Es kostete für eine Nacht 5,50 Schillinge. Nachdem wir die Zelte aufgebaut hatten, haben wir ein schönes z Bad im klaren und warmen Wasser des Faaker Sees genommen. Nach diesem erfrischenden Bad haben wir Abendbrot gegessen und sind 24.15 Uhr in die Schlafsäcke gekrochen.
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