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Tag 10
Donnerstag, 26.7.1956 (4144 - 4540 = 196 km), Split - Metkovi
Gegen 6 Uhr aufgestanden. Nach Erledigung der obligatorischen morgendlichen Pflichten sind wir etwa 10 Uhr ohne Gepäck nach Trogir gefahren, da wir am Abend vorher in der Dunkelheit nicht viel gesehen haben, und die Stadt mit seiner alten Tradition recht sehenswert sein sollte. Auf der schönen Asphaltstraße waren wir auch bald dort. Die alte Stadt steht über eine Ziehbrücke mit der Insel Ciovo in Verbindung und mit dem neueren Teil der Stadt, der sich auch auf der Insel befindet. 
Unsere Maschinen haben wir vor der Stadt stehenlassen und sind dann langsam durch die engen Gassen geschlendert. Auf diesem Wege haben wir uns eine Kirche aus dem 15. Jahrh. angesehen. Sie war halb romanisch, halb gotisch erbaut. Als wir uns die Kirche von innen betrachteten, kam plötzlich ein Aufseher auf mich losgeschossen und bedeutete mir, die Kirche zu verlassen. Ich fühlte mich völlig unschuldig, mußte mich aber wohl oder übel der Autorität beugen. Wie ich draußen erfuhr, ist das Betreten der Kirche nur mit bedeckten Beinen erlaubt,und ich hatte keine lange Hose an. Es bot ein komisches Bild, wie sich die Touristen bemühten, ihre kurzen Hosen mit Taschentüchern und Handtüchern so zu verlängern, daß ihnen der Zutritt gestattet wurde.
Anschließend haben wir den Rundga ng durch Trogir fortgestzt. Es war sehr wohltuend, einmal in einer Stadt zu sein, in der die Autos wegen der engen in Gassen nicht fahren können. Man war so einmal fernab vom Straßenverkehr und konnte in aller Ruhe die Schönheiten einer fremden Stadt auf sich wirken lassen. Gegen Mittag fuhren wir dann wieder nach Split zurück und haben uns dort noch den Diokletianspalast angesehen (Abb. re.). In Laufe der Jahrhunderte sind in den Palast die Häuser so eingebaut worden, daß man heute nach den noch sichtbaren Teilen suchen muß. Es ist erstaunlich wie organisch das Bauwerk in die Gegenwart übernommen wurde und jetzt, wie vor tausend Jahren, von Leben durchflutet ist. Ein Uneingeweihter würde die Bauelemente wohl kaum erkennen und d och sind sie noch in reicher Zahl zu sehen. Nach einem Bummel durch das viereckige Gebiet des Diokletianspalastes (Abb. li. und re.), in dem jetzt ca. 5000 Menschen wohnen, sind wir zum Zeltplatz zurückgefahren und haben unsere Sachen für die Weiterfahrt gepackt.
Um 16 Uhr sind wir aus Split abgefahren. An der Adria entlang ging es dann weiter nach S üden. Nach einiger Zeit kamen wir in eine verlandete Bucht mit dem Städtchen Omia, das am Fuße der steilen Karstberge lag. Eine herrliche Platanenallee führte durch den Ort, eine Seltenheit in dieser karstigen Umgebung. Die Straße führte dann auf halber Höhe am Küstenkarst entlang (Abb. li.). Man hatte immer wieder wunderschöne Ausblicke auf die Adria, die tiefblau unter uns lag. Dort. wo das Ufer flach war, ging die blaue Farbe in ein leuchtendes Grün über.
Von Baska Voda an kamen wir in das bisher schönste Stück an der Adria. Bis Zaostrog, etwa 40km, war die Küste wie verändert. Wir fuhren durch Oliven- und Kiefernhaine längere Zeit im Schatten, ein Ereignis fur uns. Man nennt dieses Stück Erde wirklich nicht unberechtigt die " Jugoslawische Riviera " (Abb. re. oben und unten). Zwischen den Hainen führten jetzt ausgetrocknete Sturzbäche aus dem hohen Biokovo- Gebirge zur Adria hinab.
 Allmählich wurde es schon dämmerig, und wir mußten unsere Augen nach einem Zeltplatz aufhalten, als wir einen deutschen Volkswagen aus Hamburg trafen, der auch auf Suche nach einem geeigneten Zeltplatz war. Da Vater, Mutter und Sohn nicht alleine zelten wollten, schlossen sie sich uns an. Mit vereinten Augen hielten wir nun Ausschau, aber es wollte sich nichts finden. Die Sonne war inzwischen in den schönsten Farben untergegangen. Als wir schließlich einen erträglichen Platz gefunden hatten, wurden wir von einem Polizisten wieder weggejagt. Uns war zwar nicht klar warum, aber wir konnten ja gegen die Autorität nicht an. Mit dem Mute der Verzweiflung fuhren wir weiter in der Hoffnung, doch endlich noch etwas zu finden. Es schien sich aber alles gegen uns verschworen zu haben. Weit und breit waren nur Steine und nochmals Steine zu sehen, da wir schon lange wieder aus dem bewaldeten Gebiet heraus waren.
Wir kamen über Berge und schließlich in das Neretva - Tal, das in seinem Mündungsgebiet völlig versumpft war. Der einzige trockene Streifen lag zwischen Eisenbahn und Straße, also auch nicht zum Übernachten geeignet. Etwa 10 km vor Benkovac riß uns dann de Geduldsfaden. Wir sind einfach in eine Seitenstraße gefahren und haben uns an der ersten besten Stelle niedergelassen. Die Hamburger schliefen im Auto und wir bauten seitwärts der Straße ein Zelt auf. Auf einem trockenen Fleckchen, umgeben von Binsen und Schilf, haben wir diese Nacht zugebracht. Dies war in Bezug auf Zeltplatz die erste Pleite auf unserer Fahrt. Um 23.30 Uhr haben wir uns dann todmüde zur Ruhe begeben.
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