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Tag 19
Sonnabend, 04.08.1956 (5670- 5829 = 159 km), Ohrid - Bitola - griechische Grenze
5.45 Uhr sind wir aufgestanden. Gewaschen, Frühstück gegessen und dann die Gangschaltung nachgestellt. Während Wolfgang seine Maschine überholt hat, bin ich nach Ohrid gefahren. Ohrid ist ein kleines ärmliches Städtchen. Dort habe ich für Wolfgang 10 DM umgetauscht = 947 Dinar und Brot und Marmelade gekauft.
10.50 Uhr war ich wieder auf dem Campingplatz. Wolfgang war inzwischen fertig. Wir haben dann unsere Sachen gepackt, anschließend ein kühles Bad genommen und sind gegen 12 Uhr losgefahren. In Ohrid haben wir die Briefe eingesteckt und wollten uns die Kirche der Heiligen Sophie ansehen.
Sie war die Kathedrale des früheren Patriarchen und ist als Basilika erbaut worden. Von den Türken wurde die Kirche zur Moschee gemacht, und die Malerei weiß übertüncht. Jetzt ist man dabei, die Malereien wieder hervorzuholen und die Kirche,wie sie im 9. Jahrhundert war, wieder herzustellen. Wir konnten leider nicht hinein, da sie über Mittag geschlossen war. Wir mussten uns mit einem Blick durch die Fenster begnügen.
Von Ohrid aus fuhren wir nach Norden in die Berge hinein auf einer neugebauten Straße, die teilweise gepflastert war und teilweise aus glatt gewalztem Schotter bestand. Die Straße stieg sanft aber stetig an, so dass wir, ohne es besonders gemerkt zu haben, bald auf 1200m angekommen waren. Der Ohrid-See lag etwa 650m hoch. 
Vom Paß aus ging es dann in eine Hochebene herunter, in der Resen und in der Ferne auch der 850m hohe Prepansko-See lagen. Die Landschaft bilden hier grau-bräunliche Berge, die zwar steinig, aber nicht karstig sind. Die Vegetation ist sehr spärlich und besteht aus Büschen und Farn und oft völlig vertrockneten Wiesen. An etwas grünen Strichen und Flecken sieht man genau, wo es feucht ist.
In Resen haben wir uns etwas Obst gekauft und als Mittag verzehrt, da wir recht gut Frühstück gegessen hatten. Von hier aus ging es durch die Hochebene weiter und dann wieder auf 1100m Höhe. Die Straße war recht gut. Vom Paß aus hatten wir einen herrlichen Blick auf die Hochebene von Resen und auf die jenseitige Hochebene, an deren Ende Bitola lag. Die Straße war weiter gut, und so kamen wir schnell dorthin. 
Bitola ist ein kleines Städtchen mit vielen Moscheen. Die Kirche des Heiligen Demetrius, die 1850 erbaut war und viele Bilder aus dem 16. und 19. Jahrhundert enthielt, haben wir uns angesehen. Die Ikonostase war wie in Bigorski geschnitzt, nur war sie längst nicht so fein und dick mit Farbe übermalt.
Von Bitola aus ging es dann auf sehr schlechter Straße zur Grenzstation Nike. Auf jugoslawischer Seite ging die Abfertigung recht schnell. Sie wollten nur den Photoapparat sehen.
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