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Tag 2
Mittwoch‚ 18.7.1956 (2753 - 3006 = 253 km), Allersberg - Piding
Nach einer verhältnismäßig guten Nacht — es war ja die erste im Zelt — sind wir 6 Uhr aufgestanden. Es war strahlender Sonnenschein, und im Tal lag noch dichter Nebel. Der Aufbruch verzögerte sich noch etwas, da an Wolfgangs Maschine der Kupplungsknebel kaputt war. Einige Zeit haben wir daran herumgebastelt ohne durchschlagenden Erfolg. In München haben wir dann einen neuen gekauft und eingebaut. 11.50 Uhr konnten wir erst abfahren, aber die sonnigen Stunden haben uns für den unvorhergesehenen Aufenthalt entschädigt. Die Fahrt ging dann auf der Autobahn von Allersberg aus weiter. Wir kamen gleich in die Fränkische Alp, die mit ihren mit Fichten dunkel bewaldeten Bergen und den kleinen Dörfchen, von denen oft nur ein Kirchturm zu sehen war, einen sehr schönen Eindruck machte. Wir überquerten dann die Altmühl und kamen schließlich in die Ebene von Ingolstadt und über die hier noch verhältnismäßig schmale Donau. 
Hinter Ingolstadt sahen wir bei Langenbruck die ersten Hopfenplantagen (Abb.). Der Hopfen rankt an einem Draht, der zwischen starken ca. 5m hohen Balken aufgespannt ist. Von hier aus ging es dann weiter nach München. Von jedem Berg aus erwarteten wir die Alpen sehen zu können, und wir sahen bisweilen schon Schatten, die sich aber beim nächsten Hinsehen als Schein erwiesen. Kurz vor München haben wir dann das erste Mal weit in der Ferne die Bergketten gesehen.

In München kamen wir 15.50 Uhr an, haben dort in der Mensa Mittag gegessen und anschließend in der Stadt noch die nötigen Besorgungen gemacht. Wolfgang hat sich den besagten Kupplungsknebel gekauft und eingebaut, während ich in der Zeit beim Friseur war. Im Kaufhof habe ich dann noch ein Campingbesteck, dünnen Stoff als Schal und Papier für unsere Bedürfnisse, das wir am ersten Tag schmerzlich entbehrt hatten, gekauft. 17.30 Uhr fuhren wir weiter. 
Die Fahrt war herrlich mit dem Blick auf die fernen Berge (Abb.). Allmählich rückten sie näher, und schließlich bog die Autobahn scharf nach Osten, und wir fuhren an dem Mangfall-Gebirge entlang. Der scharfe Übergang vom Flachland zu den hohen Bergen war eigenartig und schön. Hoch an den Hängen sahen die Dörfer wie Spielzeug aus. wir üb erquerten die Mangfall, die als kleines, reißendes Flüßchen unter der Autobahn hindurchfloß. Auf der rechten Seite folgte dann bald zu den Bergen hin der kleine,aber sehr romantische Seehamer-See. Der Inn, den wir wenig später überquerten, bot hier schon einen gewaltigen Anblick. Unbeschreiblich schön war dann schließlich der Chiemsee, der plötzlich, nachdem wir auf eine Anhöhe gefahren waren, weit vor uns hingebreitet lag. Besonders friedlich und ruhig lag er in der goldenen Abendsonne. Bis zur Autobahnabfahrt Bad Reichenhall fuhren wir dann weiter und verließen dort die Autobahn.
Auch hier fanden wir wieder nach einigem Suchen einen herrlichen Zeltplatz. Er lag hoch oben auf einer Alm mit einem herrlichen Blick auf die gegenüberliegenden Berge (Abb.). Diesmal haben wir nicht "wild" gezeltet, sondern mit Erlaubnis des Bauern. Nach dem Aufbauen der Zelte haben wir uns dann eine reichlich dünne Erbswurstsuppe gebraut und uns damit den Bauch vollgeschlagen. Wasser hatten wir uns wieder aus einem Haus an der Autobahn mitgebracht. wir hatten dabei eine kleine Meinungsverschiedenneit mit der Polizei, die uns zu erklären versuchte, daß das Halten auf der Autobahn, wenn nicht ein 2,50m breiter Randstreifen vorhanden ist, verboten sei. 24.15 Uhr sind wir dann in die Schlafsäcke gekrochen.
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