|
Tag 17
Donnerstag, 02.08.1956 (5505 - 5670 = 165 km), Gostivar - Ohrid
5.30 Uhr aufgestanden. Dann haben wir gegessen, die Sachen gepackt und waren 8.30 Uhr zur Abfahrt fertig. Während des Packens hatten wir Besuch von zwei Hirtenjungen, die unsere ganze Ausrüstung sehr bewunderten und sich nicht daran sattsehen konnten. Die Straße führte uns in Serpentinen weiter in die Berge hinauf. Immer wieder hatten wir herrliche Ausblicke auf Berghänge, die durch die verschiedenen Felder mosaikartig aussahen. Auch dicht bewachsene Anhöhen und ganz kahle, aber nicht karstige Berge, konnten wir oft von der Straße aus sehen.
Als wir auf die Spitze des Gebirges gekommen waren, lag vor uns im Tal ein großer Stausee. Rings war er von Bergen umgeben. Wir fuhren nun ins Tal hinunter und wurden hier von dem schön klaren Wasser zum Baden eingeladen. Wir konnten nicht widerstehen, da die Sonne schon wieder hoch am Himmel stand und die Temperatur so recht zum Baden geeignet machte. Recht erfrischt fuhren wir dann am Stausee weiter bis zum Staudamm, an dem man noch emsig baute.Es sah so aus, als wenn das Kraftwerk sich unterirdisch in diesem Staudamm befände.
 Von hier ging es in das durch den Staudamm gesperrte Seitental hinein. Die folgende Fahrt führte uns durch das idyllische, in starken Windungen sich zwischen hohen Bergen dahin ziehende Tal. Noch floss nur ein kleines Bächlein durch das Tal, es wurde aber allmählich durch seitliche Zuflüsse zu einem reißenden Strom. Viele jetzt kein Wasser führende Flussbetten kamen von den Bergen herab und werden zu Regenzeiten sicher zu gewaltigen Sturzbächen werden.
Die Vegetation ist hier sehr üppig, und so macht das Tal einen fast deutschen oder österreichischen Eindruck. Es wurde breiter und wieder enger und bot an den breiteren Stellen etwas Platz für Ackerbau.
In diesem Tal liegt auch das seit 1947 verlassene Kloster Sveti Jovan Bigorski. Es liegt am Hang des Berges so zwischen Bäumen versteckt, dass wir es zuerst nicht gefunden haben und vorüber gefahren sind. Erst einige Kilometer weiter haben wir uns erkundigt und sind dann wieder zurückgefahren. Auf sehr steiler Straße ging es in Serpentinen zu dem recht alten Kloster hinauf. Es waren dort früher etwa 20 - 50 Mönche und noch ca. 350 Laienbrüder, die aber in der Umgebung wohnten, um den Ackerbau zu betreiben, und nur hier oben aßen.
Die Kirche, die wir besichtigen konnten, besitzt eine unbeschreiblich schöne geschnitzte Holzwand (Figuren und Blumen), die einige sakristeiähnliche Räume von dem Hauptschiff trennte. In einem der kleinen Räume befand sich ein in gleicher Art geschnitzter Baldachin. Das Schnitzwerk umgab an der Holzwand Bilder, die in leuchtenden Farben gemalt waren und teilweise mit Silber belegt waren (Hände und Heiligenschein). An dem Schnitzwerk haben vier Mönche zehn Jahre lang ohne Unterbrechung gearbeitet. Es hat auf mich einen tiefen Eindruck gemacht. Fast jedes Plätzchen an den Wänden und der Decke war von Bildern bedeckt.
Anschließend haben wir uns das Refektorium angesehen, in dem sich lange Tische für etwa 400 Menschen befanden. Auch hier waren die Wände teilweise bemalt. Die Mönche saßen erhöht im Halbkreis am Ende des Raumes. Seitlich war eine Kanzel angebracht, wahrscheinlich für den Gottesdienst der Laienbrüder, da in der Kirche für 400 Menschen kein Platz war.
Dem Refektorium gegenüber, neben der Kirche, befanden sich die Zellen der Mönche. Überall im Klostergelände waren Quellen, die in Steinbecken aufgefangen wurden. Das Wasser war eiskalt und schmeckte sehr gut.
Von Bigorski aus fuhren wir dann durch das Tal weiter. Da es sich in Nord-Südrichtung erstreckte und von hohen Bergen flankiert war, lag es jetzt im Schatten. Für uns war es angenehm, da wir die Sonne in reichlichem Maße genossen hatten und auch noch genießen werden. Die links gelegenen Berge wurden aber noch von der Sonne bestrahlt und boten so einen schönen Anblick.
Schließlich kamen wir in eine Ebene, in der einige 100m rechts von der Straße nach Ohrid das Städtchen Debar lag. Da wir tanken mußten und auf unserer Karte hier eine Tankstelle eingezeichnet war, fuhren wir nach Debar hinein.
Dort wurden wir erst von einem sehr eifrigen Polizisten angehalten, da er meinte, unsere Pässe kontrollieren zu müssen. Auf unsere Frage nach Benzin machte er ein bedenkliches Gesicht, sodass wir daraus lesen konnten, dass es mit dem Tanken wohl nicht so einfach war. Nachdem der Polizist mit einigen Leuten gesprochen hatte und sich einer entfernt hatte, kam schließlich der Magazinverwalter.
Das Benzinlager befand sich außerhalb der Stadt, und wir mussten mit dem Mann dorthin fahren. Es bot einen unbeschreiblichen Anblick für unsere Verhältnisse. Eine Bretterbude stand hier, einige Fässer lagen herum und statt einer Benzinpumpe hatte man hier einen Gummischlauch, in den man das Benzin mit dem Mund ansaugen musste, damit es in einen als Maß dienenden alten Eimer laufen konnte. Bis zu einer für uns unkenntlichen Marke ließ der Magazinverwalter den Eimer volllaufen und sagte dann, es wären 5 Liter.
 Als wir auf diese geniale Art getankt hatten, fuhren wir auf die Straße nach Ohrid zurück und durch das schöne Tal des Crni Drim nach Struga. Der Crni Drim ist ein schöner, reißender Fluß.
Wolfgang hatte mehrmals Ärger mit dem Vergaser oder der Zündkerze, die Maschine wollte jedenfalls nicht mehr recht. Außerdem ist an einer starken Bodenwelle, wo wir ein kleines Stück durch die Luft flogen und dann recht hart aufkamen, bei ihm eine Schraube am Schutzblech ober halb der geschweißten Stelle abgerissen. Ich mußte jetzt wieder einen Teil seines Gepäcks auf meinen Roller nehmen, damit nicht noch mehr passierte.
Trotz dieser Komplikationen kamen wir aber schließlich doch in die sumpfige Ebene des Ohrid-Sees und nach Struga. Dort haben wir eingekauft (1/2kg Wurst = 165 Dinar, 2kg Brot = 100 Dinar), dann ging es an dem tiefblau vor uns liegendem Ohrid-See entlang nach Ohrid.
Auf der Karte war der Campingplatz auf dem Wege dorthin eingezeichnet. Nach vielem vergeblichen Fragen erfuhren wir aber, dass er bei Sveti Stephan lag, etwa 4 km südlich von Ohrid. Wir fuhren dorthin und fanden ihn auch gleich, da auch hier wie auf allen Zeltplätzen ein großes jugoslawisches Zeltlager war.
Wir kamen gerade bei Sonnenuntergang gegen 19 Uhr dort an. Die Bergspitzen unserer Seite waren noch rot bestrahlt. Als wir die Zelte aufgebaut hatten, war es dann schon dunkel. Wir haben kurz im schön warmen Wasser des Sees gebadet und sind 21.50 Uhr in die Kojen gegangen.
Einige Beobachtungen:
In Macedonien und auch in Serbien haben wir oft einachsige Wagen gesehen, die bunt mit Ornamenten bemalt waren.
Die Menschen sind in Jugoslawien derartig sorglos auf der Straße, dass man mit allem rechnen muss. Die Radfahrer fahren in der Mitte, rechts oder links, die Fußgänger gehen auf der Straße. Es gibt allerdings in den Städten auch kaum vernünftige Fußwege, und das Vieh läuft auch wie es will.
Bei jedem Anhalten werden wir von einer großen Menge wie Wunder der Technik bestaunt.
Das Wasser wird hier am Ohrid-See mit Schöpfwerken gehoben, die auch radförmig gebaut sind. Auf der Außenfläche sind Rasten angebracht, auf denen ein Mann läuft, und so das Schöpfen bewerkstelligt.
|