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Tag 19
Dienstag, 28.08.1956 (Reststrecke Jugoslawien: 8684 - 8825 = 141 km), Bitola- Florina
Durch Niemandsland fuhren wir zur jugoslawischen Station. Dort mussten wir erst durch eine Desinfektion, d.h. mit den Maschinen durch ein Becken mit Desinfektionslösung fahren und die Schuhsohlen mit der Lösung benetzen, damit wir keine Seuchen einschleppten. Hier wartete keiner, so dass wir schnell fertig waren. Es mussten wieder der Pass und das Carnet abgestempelt und eine Deklaration ausgefüllt werden. An dem Fluß Axios, der hier in Jugoslawien Vardar heißt, fuhren wir in das Land hinein.
Der Unterschied gegenüber Griechenland war hier nicht so groß wie auf der Hinfahrt weiter im Südwesten. Das Land wurde auch auf jugoslawischer Seite viel beweidet, und die Leute waren hier einigermaßen gekleidet.
Bei Gevgelija haben wir uns im Schatten eines Baumes mit Weintrauben gestärkt. Es war 15 Uhr und damit Mittagszeit in Jugoslawien. Viele Menschen kamen uns entgegen und gingen zum Vardar, um dort zu baden. Es ist eigenartig, den Vardar hier mit viel Wasser zu sehen, denselben Fluss‚ der in Griechenland als Axios fast trocken ist. Wahrscheinlich bewässern die Griechen intensiver. In der Flussniederung fuhren wir, von Bergen rechts und links begleitet, weiter. Die seitlichen Berge kamen bisweilen näher, z. B. vor Demirkapija‚ wo wir durch eine von steilen Bergen begrenzte Enge fuhren. Dann wurde die Ebene wieder weiter.
Hier lag die römische Siedlung Stobi, die teilweise ausgegraben wurde. Die Berge kamen dann wieder näher und am Ende dieses Tales lag am Hang des Berges sich heraufziehend Titov Veles. Hier fuhren wir vom Fluss ab und etwas höher in die Berge, so dass die Ohren als Zeichen des erheblich geringeren Druckes knackten. Von oben hatten wir einen schönen Blick auf den Vardar und den Anfang der Ebene.
Wir fuhren bis Katlanovo und wollten uns dort waschen. Es war aber nicht ganz einfach, da zu dieser Zeit alle Frauen des Dorfes kamen und Wasser holten. Ein herumstehender Jugoslawe, der uns hierher geschickt hatte, und einige Soldaten hielten schließlich die Frauen zurück und pumpten für uns, so dass wir uns unter großer Zuschauerzahl waschen konnten. Es war heute auf der Fahrt so staubig wie noch nie, da sich kein Lüftchen geregt hatte und die Sonne den Staub richtig herabgedrückt hatte. Ich war auch entsprechend dreckig.
Da die Ebene flach zu werden schien, und damit kein gedeckter Platz für die Zelte zu erwarten war, fuhren wir wieder ein Stück zurück und seitlich von der Straße herunter, die seit Titov Veles zuerst mit Teer bespritzt war, so dass sie wenigstens nicht staubte‚ und seit einigen Kilometern gut asphaltiert war. Die Landschaft ist hier noch nicht viel anders als in Griechenland. Die Berge werden aber schon etwas rauer, und bisweilen scheinen die Büsche auch schon höher zu werden. Im Flußtal, in dem wir fuhren, standen viele Bäume, die aber auch in Griechenland schon in diesem Tal zu finden waren. In Jugoslawien mussten wir schon zweimal durch trockene Flussbetten fahren, über Geröll und durch Sand, weil die Brücken repariert wurden.
An der Grenze mussten wir unsere Uhr eine Stunde zurückstellen, um uns wieder an die jugoslawische Uhrzeit anzugleichen. So war der erste Tag hier eine Stunde länger. Abends mussten wir allerdings auch schon eine Stunde früher einen Zeltplatz suchen, da die Sonne sich ja nicht nach Jugoslawien richtet. Seitwärts der Straße haben wir einen schönen Zeltplatz gefunden, mit Blick auf das Vardar-Tal. Nach dem Essen und Kochen haben wir uns 21.50 Uhr zum Schlafen gelegt.
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