Griechenland 1956 Überschrift

Tag 34Griechenland Tag 34

Sonntag, 19.08.1956 (7340 - 7716 = 376 km), Athen - Epidauros

Um 6 Uhr sind wir aufgestanden. 2 Karten habe ich an Bekannte geschrieben und 8.50 Uhr sind wir nach Epidauros (heute: Epidavros) abgefahren. Die Fahrt ging bis Argos auf derselben Strecke zurück, auf der wir vor einigen Tagen nach Athen gekommen waren. Von Athen aus mussten wir erst über die Hügelkette des Aigaleos und kamen dann zur Bucht von Eleusis. Von hier aus ging es bis Korinth teils durch Küstenebenen, teils an den Bergen in verschiedener Höhe entlang. Die auf der anderen Seite des Golfes von Athen gelegenen Berge der Pelopones kamen allmählich näher und schließlich kamen wir wieder an den Isthmus und den Kanal.
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Hinter Korinth haben wir etwas Pause gemacht und uns an Weintrauben satt gegessen. Ich habe in der Zeit meine Lenkungslager festgestellt. In schneller Fahrt ging es dann weiter bis Nauplia (heute: Navplion) und von dort aus wieder landeinwärts. In vielen Windungen ohne große Höhenunterschiede führte uns die Straße durch stark hügeliges und bergiges Land nach Epidauros.

Die Berge sind hier völlig trocken,und es wird wenig Ackerbau betrieben. Nach der grünen Ebene von Argos wirkte es hier besonders trostlos. Etwa 8 km von der Hafenstadt Epidauros entfernt liegt in einer von Bergen umgebenen Mulde das Heiligtum des Asklepios‚ dessen Hauptbauten aus dem 4.Jahrh. v. Chr. stammen.

Zu diesem Heiligtum führte in alter Zeit von Epidauros aus eine 17m breite heilige Straße. Von dieser Straße aus kam man auf den Festplatz, auf dem viele Weihgeschenke wie z.B. halbrunde Sitznischen stehen. Geradeaus folgt eine Liegehalle, der Artemis-Tempel und links davon weiter nach Süden die Palästra, in die ein Odeion in römischer Zeit eingebaut wurde.
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Zum heiligen Bezirk muss man sich vom Festplatz aus nach rechts wenden, wo als Mittelpunkt die Tholos liegt, das Grab des Asklepios‚ Auf diesem hat Polyklet von Argos, der auch das Theater erbaut hat, einen Rundbau errichtet. Unter dem Rundbau liegt eine labyrinthartige Anlage, die noch erhalten ist. In diesem Labyrinth, konzentrische Kreismauern mit verschiedenen Eingängen, lebten die heiligen Schlangen des Asklepios. Man glaubte damals, dass die Toten in Schlangengestalt wieder erscheinen könnten und so auch Asklepios. Der Stab, der schon seit alters das Zeichen des Hirten war, wurde in dieser Zeit mit der sich herumwindenden Schlange zum Symbol der Ärzte.

An der Nordseite des heiligen Bezirkes sind Liegehallen aufgeführt, in denen die Kranken sich aufhielten‚ um im Schlaf geheilt zu werden. Es war eine Art Psychotherapie. Im Vordergrund des heiligen Bezirkes liegt der Asklepios-Tempel, in dem früher ein Kolossa1standbild des Asklepios aus Gold und Elfenbein stand. GR178Die Bauten sind alle nur noch in ihren Grundrissen mit mehr oder weniger hohen Mauern erhalten. Von dem jüngeren Odeion sind auch noch die Sitzstufen zu erkennen und der Platz, auf dem die Musiker gesessen haben.

Außerhalb des Heiligtums, südlich vom heiligen Bezirk, liegt das noch gut erhaltene Stadion. Es ist 181,30 m lang und an drei Seiten von Wällen für die Zuschauer umgeben, die sich zur offenen Westseite hin neigen. Etwa in der Mitte befinden sich noch Sitzstufen für die Ehrengäste und Kampfrichter. Start und Ziel sind an Quersteinen noch gut zu erkennen.

Besonders gut erhalten und das Gewaltigste in Epidauros ist das TheateGR176r des Polyklet, das über halbrund ist und in 55 Sitzreihen etwa 14000 Menschen Platz bietet. Es ist das größte erhaltene Theater und wird heute noch zu Festspielen benutzt. Die Akustik ist so gut, dass man auch in der obersten Reihe noch jedes in der Orchestra gesprochene Wort verstehen kann.

Anschließend haben wir uns noch das Museum angesehen, in dem mir besonders der in Teilen aufgestellte Tholos gefiel. Wir konnten uns so ein viel besseres Bild von dem Aussehen des Grabmals machen. Derartig aufgebaute Tempel, Gräber u.s.w. habe ich im Nationalmuseum in Athen sehr vermisst.

Etwa 16.50 Uhr sind wir aus Epidauros wieder abgefahren. In Nauplia haben wir uns noch den von Ludwig V. Bayern (Wittelsbacher) zu Ehren der bei der Befreiung Griechenlands Anfang des 19. Jahrhunderts gefallenen Deutschen errichteten Löwen angesehen. Er ist aus dem Felsen gehauen.

In flotter Fahrt ging es‚dann heimwärts. Vor Korinth haben wir wieder einige Weintrauben geerntet und mitgenommen. 20.45 Uhr sind wir in Amaroussion eingetroffen. Die letzte Stunde sind wir in der Dunkelheit gefahren. Ich habe mich schon so an das ewige Lichtumschalten gewöhnt, dass ich es jetzt schon als ganz angenehm empfand. 23 Uhr haben wir uns schlafen gelegt.

 

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