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Tag 35
Montag, 20.08.1956 Seefahrt Aigina
5.30 Uhr aufgestanden. Dann haben wir uns fertig gemacht und gegessen und sind 6.50 Uhr mit dem Bus von Amaroussion nach Athen gefahren.
Als ich dem Schaffner vergeblich klarzumachen versuchte, er möchte uns Bescheid sagen, wo wir nach Piräus umsteigen müssten, nahm sich unser ein Unteroffizier der griechischen Marine an, der im Kriege mit dem Unterseeboot in Hamburg war und dort Deutsch gelernt hatte, und führte uns von der Bushaltestelle zur U-Bahn nach Piräus. Die U-Bahn hatte zum Teil recht moderne, gepolsterte Wagen. Wahrscheinlich sind es deutsche, da an der Tür "Original Kiekert-Tür" steht. Die Bahn fuhr schön schnell, etwa wie in Hamburg, die Wagen waren aber besser.
7.00 Uhr waren wir in Piräus, wo wir uns zur Anlegestelle begaben. Dort haben wir die Karten gekauft (Hin- und Rückfahrt = 56 Drachmen) und haben das Schiff bestiegen. In der halben Stunde Wartezeit konnten wir schön das Treiben am Hafen beobachten. Um 8 Uhr fuhr das M.S. "Aigina" ab. Wir hatten einen ganz guten Platz auf dem Vorschiff, allerdings in der Sonne, aber wir hatten ja unsere Tropenhelme mit.
1 1/2 Stunden dauerte die Überfahrt nach Aigina. Wir konnten schon von Piräus aus die Insel in der Ferne sehen. Die Fahrt über das weite Wasser mit dem kühlen Wind war herrlich. Im Dunst lagen in der Ferne die Berge der Pelepones. Aigina ist eine kleine Insel mit der gleichnamigen Stadt. Sie hatte einst im Altertum eine große Bedeutung, da Sie den Golf von Athen bis zum Isthmus durch ihre zentrale Lage beherrschte. Sie besaß zu dieser Zeit eine große Flotte und stellte damit eine bedeutende Macht dar. Die Insel war damals sehr reich.
Im 5. Jahrhundert kurz nach der Schlacht bei Salamis im Jahre 480, wo die Aiginaten noch mit den Athenern gemeinsam gegen die Perser gekämpft hatten, da die Athener ihre große Flotte brauchten, wurde Aigina von den Athenern überfallen und besiegt. Das aufstrebende Athen fühlte sich durch die Insel in seinem Machtbereich eingeengt und wollte sich dieser lästigen Konkurrenz entledigen. Durch hohen Tribut sank Aigina in der Folgezeit zur Bedeutungslosigkeit herab.
Nachdem wir in den ruhigen Hafen von Aigina eingelaufen waren, haben wir das Schiff verlassen. Am Ufer standen in Erwartung der Besucher eine Menge Kutschen. Hier gilt also das Pferd noch etwas, wie wir als Tierärzte gleich feststellen mussten. Von hier aus sind wir an der Küste in brütender Hitze entlanggegangen, bis uns der Durst in ein Dorf trieb, wo wir in einem Haus um Wasser baten. Man gab uns sehr freundlich Gläser und einen Krug mit Wasser und dazu zwei Tellerchen mit etwas Kompott, wie es in Griechenland üblich ist. Überall hat man anscheinend die Deutschen gern.
 Dann gingen wir an der Küste weiter, bis wir einen schattigen Platz unter einer Feige direkt am Wasser gefunden hatten. Da in der Nähe Süßwasser doch nicht zu erwarten war, haben wir uns hier niedergelassen. In der Sonne haben wir uns dann geaalt und zwischendurch oft gebadet. In der Umgebung steht hier Wein, den wir reichlich gekostet haben.
Gerade als wir das letzte Mal beim Baden waren, kam zu unserem Schrecken ein Jaucheauto und ließ seinen Inhalt etwas oberhalb unserer Badestelle ins Meer. Es verbreitete sich ein unangenehmer Geruch, und wir haben fluchtartig unseren Lagerplatz verlassen. Am Ufer sind wir dann langsam wieder zum Hafen gegangen und waren schon 17 Uhr dort.
 Bis zur Abfahrt hatten wir noch etwas Zeit und sind deshalb zu den antiken Gebäuden auf einer kleinen nach Westen liegenden Landzunge gegangen. Es sind auch hier nur noch die Grundrisse teilweise erhalten. Eine Säule steht nur noch vom Apollotempel. Die Stadtmauer ist kaum noch zu erkennen, da sie von den Athenern nach dem Überfall geschliffen wurde. Große selbstständige Bauten haben sie hier in Aigina nicht gehabt, dafür haben die Aiginaten aber 650 v. Chr. als erste das Geld eingeführt und damit auch Maße und Gewichte.
18.15 Uhr haben wir unser Schiff bestiegen und wieder einen schönen Platz im Vorschiff, aber diesmal unten vor der 2. Klasse gefunden. Etwas nach 19 Uhr fuhr die "Aigina" ab. Die Sonne war gerade untergegangen und färbte den Horizont in schönen Farben, die sich laufend änderten. Nachdem wir aus dem Hafen heraus waren, fuhren wir nach Westen an der Landzunge, auf der die antiken Bauten liegen, entlang. Hier lag früher der Kriegshafen der Aiginaten.
Allmählich kamen wir ins offene Wasser und nahmen Richtung auf Piräus. Es war heute Abend etwas Seegang und da das Schiff gute Fahrt machte, spritzte die Gischt vom frischen Wind weitergetragen bis auf das Vorschiff. Es war ein schöner Anblick, wie das Wasser von der schnittigen "Aigina" zerteilt wurde. Bei einem Rundgang habe ich übrigens festgestellt, dass sie in Deutschland von August Pahl, Hamburg-Finkenwer er, 1951 gebaut worden war. Wir wurden auf dem Vorschiff durch die Gischt zwar etwas naß‚ aber der Wind trocknete uns wieder schnell.
In der Dunkelheit‚ etwa 21 Uhr, waren wir wieder im Hafen. Die Heimfahrt mit der U-Bahn und dem Bus verlief schnell und ohne Komplikationen. 21.45 Uhr waren wir wieder bei den Zelten. Nach dem Kochen und Essen besuchte uns Panajotis. 24 Uhr haben wir uns hingelegt.
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