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Tag 33
Sonnabend, 18.08.1956 (7258 - 7340 = 82 km), Amaroussion/Athen
Um 7.15 Uhr sind wir aufgestanden. Wolfgang hat etwas länger geschlafen, weil er von gestern abend noch müde war. Das Kino war erst 2 Uhr aus. 10.50 Uhr sind wir in die Stadt gefahren.
Erst ging es zum Photomann, wo wir uns den entwickelten Film angesehen haben. Die Bilder scheinen einigermaßen geworden zu sein. Wir haben einige Bilder bestellt, um sie nach Hause schicken zu können .
   Dann sind wir zum Nationalmuseum gefahren und haben es besichtigt. Herrlich sind die fast alle aus dem Wasser geborgenen Bronzestatuen. Eine wunderbare Eleganz und Schönheit spricht aus diesen Figuren. Ebenfalls die kleinen Bronzefiguren, Siegerpreise und Gebrauchsgegenstände haben mir sehr gut gefallen. Einige erscheinen fast modern. Im ersten Stock befindet sich eine riesige Sammlung von Keramik aus der vorgeometrischen und geometrischen Zeit, die etwa 700 v. Chr. zu Ende ging; erst in der späteren geometrischen Zeit trat der Mensch allmählich in den Vordergrund der Keramikm alerei und verdrängte schließlich die rein geometrischen Figuren.
Auch aus der folgenden vorattischen und attischen Zeit sind viele Keramiken erhalten. Es ist erstaunlich, was man damals alles hervorgebracht hat. Im ganzen hat mich das Nationalmuseum etwas enttäuscht. Ich hatte mehr erwartet.
15.50 Uhr sind wir dann zum Piräus gefahren, um uns dort nach einer eintägigen Dampferfahrt in die ägäische Inselwelt zu erkundigen. Wir konnten uns aber schlecht verständlich machen, da an der Mittagszeit kein englisch sprechende Herr anwesend war. Wir mußten deshalb bis 17 Uhr warten. In dieser Zeit haben wir uns in den Schatten gesetzt und etwas in der Griechenlandkunde gelesen.
Anschließend haben wir uns das Hafenviertel angesehen. An einer Stelle sind hier mehrere Straßen für den Verkehr gesperrt. Von Haus zu Haus sind in diesem Bezirk Sonnendächer gespannt, und darunter befinden sich viele Stände, also eine Art Markt. Es riecht hier nach allen möglichen und unmöglichen Dingen. Da es durch das Sonnendach in den Gassen zu dunkel ist, brennt den ganzen Tag Licht.
In einigen Staßen befinden sich ca. 100 Fleischereien, eine neben der anderen mit einem unangenehmen Geruch nach altem Fleisch. Jede hat allerdings einen großen Eisschrank im Hintergrund. Der Verkauf spielt sich unter großem Spektakel und mit vielem Handeln ab. Dann haben wir uns noch andere Geschäfte für Geschenke angesehen, die wir mitnehmen wollten.
Dabei haben wir für 40 Drachmen, nachdem wir einige abgehandelt hatten, eine Kaska (Tropenhelm) gekauft. Wir brauchten sie als Sonnenschutz, und außerdem war sie ein nettes Andenken an Griechenland.
17 Uhr haben wir uns wieder zur Schiffsagentur begeben und nach einer schönen Dampferfahrt erkundigt. Wir haben uns für eine Fahrt nach Aigina entschieden, die 36 Drachmen kostete. Der Piräus macht einen schmutzigen Eindruck und ist ein typischer Welthafen.
Hier haben wir das erste Mal einen U-Bahnzug gesehen, der in Piräus seine Endstation hat. U ngeheuer viele Busse sieht man in Athen, dafür ist die Straßenbahn selten und oft vorsintflutlich. Sehr viele Taxen in gutem Zustand fahren überall (amerikanische Straßenkreuzer). Die Fußgänger haben anscheinend eigene Regeln oder gar keine, da sie über die Straße gehen, wenn die Ampel rot ist und überall zwischen den Autos sich durch quetschen. Man muss sehr aufpassen, die Fußgänger passen allerdings auch auf und bleiben vernünftig stehen, wenn ein Auto kommt, ohne vor oder zurück zu gehen.
Von Piräus aus sind wir etwa 18 Uhr nach Eleusis (heute: Lefsina) abgefahren. Auf dem Wege dorthin haben wir das alte Kloster Daphni aus dem 11. Jahrh. angesehen. Es liegt im Hügelgebiet des Aigaleos und war fest angelegt als Sperre fur die Straße nach Athen. Besonders eindrucksvoll waren für mich die Mosaiken in der hohen Kuppelkirche. Aus der Ferne sind sie nicht als Mosaiken zu erkennen und haben derartig leuchtende Farben, dass man meint, sie seien erst kürzlich gefertigt. Besonders stark ist die Wirkung auch dadurch, dass die Mosaike n alle einen Goldgrund haben, der ebenfalls als Mosaik zusammengesetzt ist. Die große Kuppel füllt ein Bild Gottes, des Pantokrator, auf weitem Goldgrund aus (Abb. re.).
Ansch1ießend fuhren wir ca. 18.45 Uhr schnell nach Eleusis weiter, da es schon dämmrig wurde. Wir kamen dort etwas nach 19 Uhr an und hatten noch großes Glück, dass wir hereingelassen wurden, da um 19 Uhr die Ausgrabungsstätte für die Besucher geschlossen wurde. Vor dem eigentlichen heiligen Bezirk befindet sich ein Vorhof, auf den man durch je ein seitlich gelegenes Tor gelangen kann. Von dem Vorhof aus führen die großen Propyläen (wie auf der Akropolis: 5 Tore, 6 dorische und 3 x 2 ionische Säulen) in den heiligen Bezirk, der von einer Mauer umgeben ist. Durch die kleinen Propyläen gelangt man dann in den eigentlichen heiligen Bezirk, der von der ältesten Mauer umgeben ist.
Die großen Propyläen und die äußere Mauer sind etwa 200 Jahre jünger und stammen aus dem 2. Jahrh. n. Chr.. Man kann dies besonders deutlich daran erkennen, dass auf der Schwelle der kleinen Propyläen wie in Mykene am Löwentor Spuren der Streitwagen als Rillen zu erkennen sind. Auf der Schwelle der großen Propyläen ist nichts derartiges zu sehen und deshalb müssen diese später davor gebaut worden sein, als man nicht mehr mit Streitwagen in den heiligen Bezirk fuhr. Zwischen den beiden Mauern befinden sich Getreidespeicher für die Besucher der Mysterien. An der alten Mauer sind noch Reste der luftgetrockneten, nicht gebrannten Lehmziegel zu erkennen. Diese waren auf einen Steinsockel aufgemauert worden.
Rechts der Propyläen befindet sich der Tempel des Pluto, in dem der Eingang in die Unterwelt liegen soll. Man sieht heute noch einige Spalten, die vielleicht früher als Eingang gedeutet wurden. Es folgen dann ebenfalls rechts Treppenstufen, in den Fels gehauen, deren Bedeutung unbekannt ist. Einige Schritte weiter liegt dann vor einem der große Platz des Telesterions. Hier fanden die Mysterien statt. Es ist ein auf 42 Säulen ruhender Bau, 2-stockig und quadratisch, von dem aber nur noch der Grundriss erhalten ist. Durch besonders angelegte Öffnungen in der Decke konnte das Licht verschieden einfallen und so die Wirkung der Mysterien erhöhen. Über eine Felstreppe und eine Felsgalerie gelangte man in das Obergeschoss des Telesterions. Von der Galerie aus hat man einen herrlichen Blick auf die Bucht und die Insel Salamis.
Bei Dunkelheit sind wir wieder nach Hause gefahren. 20.50 Uhr waren wir wieder bei den Zelten. Panajotis hat uns wieder besucht. Nach dem Waschen und Kochen haben wir uns 22.45 Uhr in die Zelte zurückgezogen.
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