Griechenland 1956 Überschrift

Tag 36

Dienstag, 21.08.1956 (7715 - 7755 = 40 km), Athen

Um 7 Uhr sind wir aufgestanden. Dann haben wir große Wäsche abgehalten, da sich viel angesammelt hatte. 11.30 Uhr konnten wir deshalb erst in die Stadt fahren.

Dort haben wir noch einmal 50 DM auf der Bank getauscht = 353 Drachmen. Dann sind wir zur Post gefahren, wo für mich eine Karte von Mutti aus Mainz angekommen war. Neben der Post haben wir den entwickelten Film und die sechs Abzüge abgeholt und dann einen Spaziergang in die Stadt gemacht, um einen Friseur zu finden. Die Läden hatten aber meist schon geschlossen, da es nach 15 Uhr war. Auf dem Wege ging mir ein Hacken vom Schuh ab, den ich bei einem Schuster wieder annageln ließ. Außerdem habe ich dort die Kartentasche nähen lassen, die durch die starke Beanspruchung ausgerissen war. Beides zusammen kostete 8 Drachmen.

Ein Junge, der uns zum Schuster geführt hatte, war mit einer griechischen Zigarette, die wir ihm als Dank gegeben hatten, gar nicht zufrieden und erzählte immer wieder, dass deutsche Zigaretten gut seien, griechische aber schlecht. Da wir aber keine deutschen Zigaretten mehr hatten, konnten wir auf den Wink mit dem Zaunpfahl nicht eingehen.
GR182
Nachdem wir die Suche nach einem Friseur als aussichtslos abgebrochen hatten, fuhren wir zu den außerhalb der Akropolis liegenden antiken Bauten. Als erstes haben wir uns das Hadrians-Tor angesehen, das den Zugang zur Stadterweiterung des Hadrian nach Osten darstellt. Auf der Seite zur älteren Stadt steht: Hier ist Theseus Stadt zu Ende, auf der anderen Seite zum neuen Teil steht: Hier beginnt Hadrians Stadt.

Gleich hinter dem Hadrians-Tor liegt der von Hadrian vollendete Zeus-Tempel (Abb. re. unten), der 104 korinthische Säulen von 17m Höhe besessen hat. 16GR183 Säulen sind noch erhalten, davon liegt eine am Boden. Die Kapitelle mit über 2 m Durchmesser sind gewaltig. Der ganze Tempel muss ein riesiges Bauwerk gewesen sein, größer als der Parthenon.

Angefangen wurde der Tempel von dem Tyrannen Peisistratos, der ihn aber enicht vollenden konnte. Antiochus von Syrien, einer der reichsten Fürsten des Ostens, nahm die Arbeit wieder auf, starb aber ebenfalls vor der Vollendung. Erst Hadrian konnte den Bau zu seinem Abschluss bringen.
GR184
Anschließend sind wir zum Stadion gefahren, das für die erste Olympiade seit dem Altertum im Jahre 1892 gebaut wurde, an der Stelle, an der das antike Stadion gestanden hat und mit gleichen Maßen. Es ist ein langgestreckter Bau, der sich zum Eingang öffnet und an der gegenüberliegenden Seite halbrund geschlossen ist.

Anschließend fuhren wir zur Akropolis, wo wir uns am Fuße des Hügels das Herodes-Attikus-Theater angesehen haben (ca. 5000 Sitzplätze.). Herodes-Attikus, ein reicher Grieche in römischen Diensten, hat es gestiftet, wie noch verschiedene andere Bauten, z. B. in Korinth die Verbindung des Odeions mit dem Theater GR185durch ein Foyer. Das Theater des Herodes-Attikus ist wieder renoviert und wird heute noch zur Aufführung klassischer Dramen benutzt. Wir hatten das Glück, dass heute abend "Oedipus Rex" gespielt wurde,und haben uns gleich Karten besorgt.

Dann sind wir zu dem etwas weiter östlich gelegenen Dionysos-Theater gegangen, das ebenfalls am Fuße der Akropolis liegt. Hier liegt die Geburtsstätte des griechischen Dramas, das sich aus den Satyr-Spielen zu Ehren des Dionysos entwickelte. Aischylos, Sophokles und Euripides führten hier im Wettstreit mit anderen ihre Tragödien auf. Es wurden jeweils drei Tragödien und ein Satyrspiel vorgetragen, also eine Tetralogie. GR187

Der Sieger bekam einen Dreifuß, der dann meist zu Ehren des Gottes in der Nähe aufgestellt wurde. So besitzen zwei korinthische Säulen hoch am Felsen direkt unterhalb der Akropo1ismauer ein dreieckiges Kapitell für die Dreifüße. 17000 Zuschauer fasste das Theater. Später wurde es zu einer Tierhetze umgebaut, als man derbere Vergnügungen und Entspannung brauchte. Ein Teil des Frieses am Bühnenunterbau ist noch gut erhalten.

Neben dem Theater lag ein Odeion, das von Perikles als Übungsstätte für das Dionysos-Theater erbaut war. Es ist heute nur noch an wenigen Grundmauern GR186zu erkennen und ist kürzlich ausgegraben worden. Zwischen dem Herodes-Attikus-Theater und dem Dionysos-Theater liegt eine über 150m lange Wandelhalle, von der nur noch die an der Rückseite gelegenen Arkaden erhalten sind.

Dahinter liegt dann noch ein Asklepios-Heiligtum mit einem Brunnenhaus, das in den Felsen eingehauen ist. Dieser Brunnen soll heilsame Wirkung auf Augenleiden haben und ist von der christlichen Kirche als heilige Stätte übernommen worden. Bis in die Gegenwart ist sie noch als Heilquelle benutzt worden.

Dann sind wir auf einen nahe gelegenen Hügel gefahren, auf dem das Philopappus-Denkmal liegt. Es steht noch eine Wand mit Statuen der Familie des Philopappus. Er war syrischer König und dort von den Römern vertrieben worden. Später wurde er aber von diesen als Konsul eingesetzt und bekam so sein reichliches GnadeGR189nbrot, von dem er viele Stiftungen machte. Das Denkmal ist von den dankbaren Athenern errichtet worden.

Man hat vom Hügel einen herrlichen Blick auf das Meer und die Stadt mit der Akropolis. Da wir noch bis 20.00 Uhr Zeit hatten, es war erst 19 Uhr, sind wir zu Panajotis Mpovoletis gefahren, haben uns sein Geschäft angesehen und dann mit ihm Abendbrot gegessen (Fleisch, Kartoffeln, Salat).

20 Uhr sind wir mit Panajotis zum Theater gefahren, da er auch mit wollte. Die Plätze für 10 Drachmen lagen zwar ganz oben, aber man konnte trotzdem gut sehen. Es war keine Kulisse vorhanden. Das ganze antike Bühnengebäude wirkte gewaltig und mehr als jede künstliche Kulisse. Das Theater war brechend voll. Das Fluidum‚ das von dieser antiken Umgebung ausging, passte wundervoll zu der Sophokles-Tragödie. Obgleich wir nichts verstehen konnten, war es ein großes Erlebnis. Die Iokaste spielte nicht besonders, aber das war ja auch nicht so wichtig. Oedipus, der Chor und die Begleitmusik waren dafür recht gut. Dieses Erlebnis wird noch lange in unserer Erinnerung bleiben.

Anschließend haben wir noch eine Flasche Milch getrunken und sind dann nach Amaroussion gefahren. 23 Uhr waren wir wieder bei den Zelten und ha
en uns gleich zum Schlafen gelegt.

 

[Tag 37]
Home | Hinfahrt | Griechenland | Tag 19 | Tag 20 | Tag 21 | Tag 22 | Tag 23 | Tag 24 | Tag 25 | Tag 26 | Tag 27 | Tag 28 | Tag 29 | Tag 30 | Tag 31 | Tag 32 | Tag 33 | Tag 34 | Tag 35 | Tag 36 | Tag 37 | Tag 38 | Tag 39 | Tag 40 | Tag 41 | Tag 42 | Tag 43 | Rückfahrt | Fotogalerie |