Griechenland 1956 Überschrift

Tag 23Griechenland Tag 23

Mittwoch, 08.08.1956 (6351 - 6458 = 107 km), Agrinio - Patras

GR117Um 5.30 Uhr aufgestanden. Nach den obligatorischen Erledigungen konnten wir 7.50 Uhr abfahren.
An der tiefen Bucht des Mittelmeeres, die wir von der Schlucht aus schon sehen konnten, fuhren wir in Richtung Mesolonghion entlang (Abb. li.). Es fanden sich hier große verlandete Teile. Herrlich lag das Mittelmeer dunkelblau in der Sonne. Die Vegetation war durch die Nähe des Wassers üppiger. Nur durch einen Damm zugängig lag das Städtchen Aitolicon (Abb. li. unten) rings von Wasser umgeben in der Bucht.
GR118
Nach einiger Zeit kamen wir nach Mesolongion, das direkt am Wasser liegt. Von hier aus kann man aus der Bucht heraus auf das offene Meer sehen. Die Straße führte uns nun etwas landeinwärts und über den Eupnos, der auch fast nur noch aus einem trockenen Flussbett bestand. Wir konnten allerdings nicht über den Eupnos fahren, sondern mußten wieder einmal durch das Wasser.

Nachdem wir wieder auf die Straße gestoßen waren, fuhren wir seitwärts ab auf sehr schlechter Straße nach Kalidon. Dort lagen auf einem Hügel Reste eines altgriechischen Dorfes (Tempel und Mauern). Man hatte von hier einen schönen Blick über die saftig grüne Ebene GR119bis zum Wasser (Abb. li.).

Wir fuhren dann wieder auf die Hauptstraße zurück und kamen bald ans Meer und fuhren in halber Höhe an den Bergen entlang. Tief unter uns lag das Ionische Meer. In Windungen ging es um die vorspringenden Berge herum.

In einer dieser scharfen Kurven hätte ich um ein Haar einen Unfall gehabt. Ich fuhr etwa auf der Mitte der Straße und ging in die Kurve, als von vorne ein Lastwagen kam. Ich konnte den Roller noch schnell herumreißen, der Fahrer des Lastwagens hatte aber wohl einen großen Schreck bekommen und ist gegen die Felswand gefahren. Es gab ein langes Palaver, ohne dass einer den anderen verstehen konnte, bis schließlich ein "Bobby" mit Militär kam. Nachdem der Fahrer einem Offizier die Lage geschildert hatte, allerdings etwas entstellt, da er angab, dass ich ganz links gefahren sei, hat sich der Offizier sehr energisch mit dem Fahrer unterhalten. Aus seinen Handbewegungen konnten wir entnehmen, dass es dem Offizier unglaubwürdig erschien, dass ich ganz links gefahren sei und trotzdem heil an demGR120 Lastwagen vorbeigekommen sei. Es war ihm sichtlich peinlich, dass der Fahrer uns solange aufgehalten hatte, und er ließ uns bald weiterfahren.
Die Deutschen genießen in Griechenland allgemein ein hohes Ansehen, wie wir immer wieder feststellen konnten. Als ich den Lastwagen gegen den Felsen fahren hörte, bin ich übrigens durch das starke Bremsen etwa 10m weiter ins Rutschen gekommen und habe mich hingelegt. Dabei ist der Lack auf der linken Seite und der Spiegel etwas lädiert worden.

Im nächsten Dorf, Antirrion, von wo wir mit der Fähre nach Rion übersetzen wollten (Abb. re. oben und unten), habe ich einem Polizisten meine GR121Personalien angegeben und von dem Vorfall berichtet. Mit dem nächsten Fährschiff um 12 Uhr konnten wir schon fahren. Vom Schiff aus hatten wir einen herrlichen Blick auf den Golf von Patrai und die Pelopones. Die Fahrt dauerte etwa eine halbe Stunde, so dass wir 12.50 Uhr wieder auf dem Land waren.

Wir fuhren jetzt schnell die 6 km nach Patrai, da wir noch vor Postschluss um 15 Uhr in Patrai sein wollten, um unsere Briefe abzuholen. Ausgerechnet der Schalter für postlagernde Sendungen hatte aber schon um 12 Uhr geschlossen und machte erst 17 Uhr wieder auf. Wir haben dann den Scheck auf der Bank eingelöst und haben für 11 Drachmen Mittag gegessen (Brot und Innereien und als Nachtisch Melonen).

Da wir nichts weiter anfangen konnten und uns sowieso vorgenommen hatten, mittags in der größten Hitze nicht mehr zu fahren, sind wir an den Strand zwischen Patrai und Rion gefahren und haben uns dort ausgeruht und schön gebadet.

17.50 Uhr sind wir wieder nach Patrai gefahren. Auf der Post waren diesmal für mich eine Karte von Mutti und ein Brief von Hannelore. Über beide habe ich mich sehr gefreut. Wir haben dann etwas Eis zur Erfrischung gegessen (5 Drachmen).

Die Trinkhallen und Restaurants sind in Griechenland eigentlich den ganzen Tag stark besucht, besonders aber in der Mittagszeit, wo die Menschen hier Schutz vor der Sonne suchen. Man hat es mit der Arbeit anscheinend nicht so eilig. Ich kann mir gut vorstellen, wie Sokrates auf diese Weise genügend Zuhörer für seine Vorträge gefunden hat.

18.50 Uhr fuhren wir aus Patrai los. Dias Sonne ging herrlich golden über dem Ionischen Meer unter. Die Farben lassen sich in ihrer Schönheit gar nicht schildern. Wir kamen an vielen schönen Villen vorüber, die an der Straße mit herrlichem Blick auf das Meer lagen. Am Wasser ging die Fahrt entlang, rechts und links Zitronenplantagen und Wein. Mehrfach mussten wir die Bahnstrecke nach Süden überqueren, die nur durch eine Kette, die eingehängt werden musste, gesperrt wurde, wenn ein Zug kam.

Nach etwa 10km sind wir von der Straße abgefahren und haben dort in der Nähe eines Bauernhauses gezeltet. Die ganze Familie nahm an diesem Ereignis regen Anteil und interessierte sich sehr für unsere Campingausrüstung. Sie haben noch lange bei uns gesessen (Mutter, vier Kinder, Neffe und Nichte). Als sie bei uns griechisches Schwarzbrot sahen, brachten sie gleich schneeweißes Weizenbrot eigener Produktion und wollten ein lobendes Urteil hören. Man scheint hier nicht viel von dunklem Brot zu halten.

22.50 Uhr haben wir uns zum Schlafen in unsere Zelte verzogen.

 

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