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Tag 30
Donnerstag, 16.08.1956 (7088 - 7157 = 69 km), Amaroussion
Um 7 Uhr sind wir aufgestanden. Nachdem ich das Ventilspiel am Roller überprüft hatte, sind wir mit dem ganzen Gepäck etwa 10 Uhr in die Stadt gefahren. Dort haben wir die deutsche Botschaft aufgesucht ( Hodos Hesiodou 22, Germaniki Preswia) und dort nach einem Zeltplatz gefragt. Sie konnten uns aber auch nur sagen, dass wir die Zelte einfach in der Nähe eines Hauses aufbauen sollten. Es würde aus geschlossenen Zelten nichts gestohlen werden. Wir haben uns daraufhin entschlossen, die Zelte am alten Platz wieder aufzubauen und dort stehen zu lassen.
Von hier aus haben wir uns zum jugoslawischen Konsulat begeben, um die Pässe für das Visum einzureichen. Dann sind wir in die Stadt zur Post gefahren. Es war am postlagernden Schalter ein furchtbarer Betrieb, alles drängelte und schwitzte dabei nur noch mehr. Es konnte einem fast die Luft ausgehen. Ich hatte fest mit Post gerechnet und war etwas enttäuscht, als für mich nichts da war.
Von hier aus haben wir uns dann auf die Suche nach dem Heinkel-Vertreter Sokrates Phostiropoulos gemacht und ihn auch schließlich gefunden. Der Laden hatte aber in der Mittagszeit (15 - 17 Uhr) geschlossen, und so mussten wir unverrichteter Dinge wieder abziehen. Da es sehr heiß und zu Besichtigungen ungeeignet war, sind wir zu unserem alten Zeltplatz nach Amaroussion gefahren und haben unsere Wirtsleute gefragt, ob wir die Zelte wieder an der alten Stelle aufbauen dürften. Sie haben es uns freundlich erlaubt, und wir waren etwa 16 Uhr mit allem fertig.
Wir haben dann in einer Gastwirtschaft in Amaroussion zu Mittag gegessen. Es gab Bohnen, Fleisch und Brot für 8,5 Drachmen. Es schmeckte ganz gut, war aber nur wenig. Anschließend ging es dann gleich in die Stadt. Da wir uns in Athen wegen der hohen Preise kein Obst leisten wollten, haben wir uns wieder einen Eisbecher spendiert.
Wir sind dann zum Heinkelvertreter gefahren, der an Ersatzteilen auch fast nichts hatte. Einen neuen Benzinhahn konnte ich aber wenigstens für 55 Drachmen bekommen. Ich war ziemlich ärgerlich, da ich mit etwas höheren Erwartungen nach Athen gekommen war. Nicht einmal einen Micronic-Luftfilter hatte er. Angeblich sei eine große Sendung unterwegs, faule Ausrede. Da er auch keine Schrauben hatte, sind wir von ihm zu einem Heinkel-Service (Werkstatt) geschickt worden. Dort habe ich wenigstens eine Einstellschraube für den Bowdenzug bekommen und die Schraube für die Karosserie. Außerdem haben sie dort den Gepäckträger geschweißt. Insgesamt hatte ich 20 Drachmen zu bezahlen, nicht teuer.
19.50 Uhr war ich mit allem fertig. Wolfgang hatte unterdessen an der Straße Karten geschrieben. Wir haben dann Einkäufe gemacht, da die Geschäfte hier noch von 17 - 20 Uhr geöffnet sind, und dann sind wir nach Hause gefahren. Es herrschte ein ungeheurer Verkehr, und alle fuhren ziemlich wild. Beim Überholen blendet man hier oft auf, um dem Entgegenkommenden seine Absicht kund zu tun, sonst schaltet man oft bis auf Positionslampen ab, so dass ein gewaltiges Blinkkonzert entsteht. In Deutschland wäre das unmöglich.
Zu Hause haben wir uns etwas gekocht und sind dann mit Panajotis Mpovoletis spazieren gegangen. Er hat uns zu einer deutschen Frau geführt, die mit einem Griechen verheiratet ist. Sie leben sehr ärmlich.Er war zwei Jahre arbeitslos und hat in dieser Zeit nur vier Monate Unterstützung bekommen. Jetzt ist er bei einer deutschen Firma als Vorarbeiter und Dolmetscher angestellt. Während des Krieges hatte er in Wien gearbeitet, wo er seine Frau kennen gelernt hat, und dort hat er auch etwas Deutsch gelernt. Er kam erst spät von der Arbeit nach Hause und setzte sich dann zu uns. Immerzu betonte er: Warum bin ich wieder hierher gegangen? Meine Frau wollte es. Die Frau hatte es auch schon bitter bereut, aber jetzt ist es zu spät.
Sie sind aber glücklich verheiratet, und das hilft über manches hinweg. Die Frau hatte gestern Geburtstag und noch etwas Kuchen übrig behalten, den sie uns anbot. Sie erzählte weiter, dass alle deutschen Frauen, die nach dem Kriege nach Griechenland gekommen seien, sechs Monate wegen Spionageverdacht in Haft gewesen seien. In den folgenden Jahren hätte sie es hier sehr schwer gehabt. Sie hätte sogar eine Zeit lang in einer Erdhöhle gewohnt, da sie keine Wohnung gehabt hätte. Jetzt verdient ihr Mann am Tage (8 Stunden) 90 Drachmen und für 2 Überstunden noch je 14 Drachmen. 22.30 Uhr sind wir in die Schlafsäcke gekrochen.
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