Griechenland 1956 Überschrift

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Montag, 06.08.1956 (5984 - 6192 = 208), Grevena - Ioannina

um 6.15 Uhr sind wir aufgestanden. Wolfgang musste noch den Auspuff an seiner Maschine säubern, so dass wir erst 10 Uhr loskamen. Bis dahin lagen unsere Zelte noch im Schatten der Platanen und Eichen, die hier nur 5m hoch werden, aber doch genügend Schutz gegen die Sonne bieten.

Ein Unteroffizier besuchte uns heute morgen, um uns mitzuteilen, dass das Photographieren hier verboten sei. Unsere Zelte hatten wir aber schon aufgenommen und mehr wollten wir auch gar nicht. Es steht hier in Griechenland auch verhältnismäßig oft an der Straße: Aufnahmen verboten.

Auf der Höhe des Chasia-Gebirges (ca. 550m) fuhren wir ein Stück entlang, und dann ging es wieder abwärts, wo wir schließlich auf die Straße Kalambaka-Ioannina stießen. Bis dorthin war der Weg sehr schlecht, manchmal reines Geröll. Rechts in der Ferne sahen wir jetzt schon das Pindos-Gebirge liegen, über das wir hinweg mussten.

Die Brücke, die wir Richtung Ioannina passieren mussten, war zerstört oder altersschwach, jedenfalls wurden wir umgeleitet. Mit den Brücken ist es allgemein eine Tragödie. Die Fahrbahn ist mit Bohlen belegt, wie in Jugoslawien, und der Zahn der Zeit hat manche Veränderung an dem Holz vorgenommen, die einen manchmal angst und bange werden lassen.

An der Brücke nach Ioannina sagte man uns ungenau Bescheid, so dass wir nicht den richtigen Weg fanden, sondern bis nach Kalambaka fuhren. Die Straße führte uns am Pindos entlang und zeitweise unter laubenartig zusammengewachsenen Bäumen hindurch, bis wir in Kalambaka ankamen. GR110

Es ist ein kleines Städtchen am Fuße von eigenartig weich geformten hohen Felsen (Abb. re.). Auf diesen Felsen befinden sich die 24 Meteoraklöster, die im 14. Jahrhundert zum Schutz gegen die Türken hier oben gebaut worden waren. Vier sind heute nur noch bewohnt. Teilweise sind diese Klöster nur durch Flaschenzug zu erreichen. Um die Gipfel des Felsen schwebten Adler.

Wir fuhren dann wieder auf derselben Straße zurück und fanden auch kurz vor der zerstörten Brücke die Umleitung. Sie führte im Flussbett des Pinios GR111ein Stück entlang und dann wieder auf die Straße. Der Pinios ist zur Regenzeit ein großer Fluss, führte aber in der Trockenzeit wie alle Flüsse kaum Wasser. Das kleine Rinnsal mussten wir durchqueren (Abb. re.) und kamen dann wieder auf die Straße.

Teils auf Asphalt, häufiger aber auf schlechter Straße, ging es dann das Pinios-Tal aufwärts in das Pindos-Gebirge hinein, das sich besonders links gewaltig erhob. In Serpentinen führte die Straße hinauf, dann ein: Stück gerade und wieder hinauf. Die Dörfer, die sich auf halber Höhe an die Berge anlehnten, waren alle mit Wellblech gedeckt und glitzerten in der Sonne.
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Am Ende des langen allmählich aufwärts ziehenden Tales ging es dann nach links in das Gebirge hinein (Abb. li.). Eine sehr lange Steigung in vielen Serpentinen folgte bis auf 1700m. Herrliche Ausblicke auf Schluchten, Hochebenen, Täler und Berge taten sich immer wieder auf (Abb. re. unten). Die Straße führte direkt am Hang entlang. Auf der einen Seite stießen die Berge steil an, und auf der anderen Seite lagen tiefe Täler. Es wurde allmählich kühler, und die Vegetation änderte sich. Es standen hier viele Kiefern, die zwar sehr knorrig und verwittert waren, aber doch hoch aufgewachsene Bäume darstellten. GR113

Auf dem Katora-Paß, in etwa 1700m Höhe, hatten wir einen einzigartigen Ausblick, einmal in die Richtung, aus der wir gekommen waren und dann in die Abfahrtsrichtung. In Windungen ging es nun wieder abwärts, und es wurde allmählich wieder wärmer. Die Abfahrt dauerte lange,und schließlich kamen wir an den Arachthos, den wir überquerten. Dann ging es wieder steil aufwärts, auch wieder direkt am Abhang entlang in vielen Serpentinen.

An den Stellen, an denen Erdrutsch bestand, waren auf der ganzen GR114Fahrt durchs Gebirge kleine Mauern aufgesetzt. Auf diesen befand sich überall hässliche große Reklame für Wolfram, Telefunken u.s.w. . Auch auf den Ortsschildern in ganz Griechenland war meist Reklame für Phönix, Fulda und andere angebracht.

Bis auf 950m mussten wir wieder hinauf. Vom Gipfel aus gesehen lagen das Pindos-Gebirge. und das eben durchfahrene Tal wunderschön vor uns (Abb. re.).

Dann fuhren wir nach Ioannina ab, das bald an der anderen Seite eines Sees vor uns lag (Abb. re.). Eine kleine Insel befand sich in der Mitte des GR115Sees mit dem Palast des Ali Pascha. Wir fuhren um den See herum und kamen in die Stadt.

Eine Fülle von Melonen, Tomaten, Obst u.s.w. wurde hier angeboten. Wir gingen erst zur Post, um unsere fälligen Briefe abzuholen, wurden aber enttäuscht, da angeblich nichts für uns angekommen war. Dann haben wir uns die türkische Festung angesehen, die ungeheuer massive Mauern besitzt und auf einem Landvorsprung zum See hin liegt. In der Festung befinden sich viele Häuser, und es ist dort ein Leben ähnlich wie im Diokletianspalast.

Anschließend machten wir Einkäufe (Eier = l Drachme, 1 Oka Birnen = 3,3 Drachmen, l Oka Tomaten = 2,5 Drachmen).

Zur Feier des Tages leisteten wir uns ein Eis, das aber ganz miserabel schmeckte. In einer Apotheke haben wir uns noch etwas Sonnenöl gekauft. Der Apotheker war recht freundlich und lud uns zu einer guten Tasse Kaffee ein. Als wir den Kaffee bezahlen wollten, sagte er dann großzügig, dass er es erledigen würde. Er machte es vermeintlich sehr geschickt, indem er sich zu den 20 Drachmen für das Sonnenöl noch 5 Drachmen von uns bezahlen ließ,in der Meinung, dass uns der Preis unbekannt sei.

Von Ioannina fuhren wir dann auf schöner Asphaltstraße Richtung Arta. Erst kamen wir durch eine Ebene, die allmählich GR116immer schmaler wurde und schließlich in ein von Bergen begleitetes Tal überging. Hier machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz, da es schon dämmrig wurde.

Es fand sich auch bald eine schöne Stelle, rings von Bergen umgeben unter Platanen, direkt am Louros-Fluß. Die Straße führte auf der anderen Seite des Flusses nach Arta weiter. Beim Zeltbau besuchte uns eine Ziegen-Schafherde, aber dann war alles ruhig bis auf das monotone Rauschen des Louros.

Es ist herrlich, sich nach einer Tagesfahrt durch Sonne und Staub im kalten Wasser ausgiebig waschen zu können. Nachdem wir uns dann ein dickes Abendessen(Tomaten, Reis, Gries aus Versehen, Eier) gekocht und zu Gemüte geführt hatten, gingen wir schlafen (22.30 Uhr).

 

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