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Tag 24
Donnerstag, 09.08.1956 (6458 - 6565 = 107 km), Patras - Olympia
5.30 Uhr sind wir aufgestanden. Gestern Abend und die Nacht über war heftiger Wind, der aber so warm war, dass er nicht erfrischte. Es war recht warm in der Nacht. Nach dem Essen und Packen fuhren wir gegen 8 Uhr weiter. Parallel zur Küste ging es durch die Niederung, die flach ins Wasser übergeht. Es wachsen hier viel Olivenbäume und Obst, so dass wir nur ab und zu von einem Hügel aus auf das weite Meer sehen konnten. Ungeheuer viel Wein wird hier angebaut. Nachdem wir etwas landeinwärts gefahren waren, kamen wir über den Pinios hinweg. Überall sieht man hier einachsige Wagen mit riesigen Rädern von etwa 1,75m Durchmesser.
 Nach einiger Zeit kamen wir wieder ans Meer und dann nach Pyrgos. Hier kauften wir uns eine Melone von etwa 6 Pfund für 5 Drachmen. Etwas außerhalb des Ortes haben wir sie im Schatten eines Baumes verzehrt. Da wir "aus Versehen" uns an einem Weinfeld niedergelassen hatten, konnten wir uns nicht beherrschen und mussten uns an Wein satt essen.
Von hier aus ging es dann weiter landeinwärts nach Olympia. Trotz des entfernten Meeres war es recht grün und man sah noch überall Bäume stehen. Es war wieder sehr heiß, aber es wehte ein Wind, der wenigstens etwas erfrischte. Die Gegend um Olympia ist so schön bewachsen, dass man sich in einem anderen Lande wähnt.
Da es gerade Mittag war und für einen Besuch des Heiligtums zu heiß war, haben wir uns am Fuße des Hügels Kronion oberhalb des heiligen Bezirkes niedergelassen und einige Karten an Verwandte und Bekannte geschrieben.
Von diesem Hügel aus und vom Fluss Kladeos, der mehrmals sein Bett wechselte, ist die antike Stätte überschwemmt worden und musste erst von Dörpfeld 1875-1881 wieder ausgegraben werden. Auch heute sind noch Ausgrabungen im Gange. Im Schatten der hohen Pinien haben wir uns aufgehalten, bis die größte H itze vorüber war.
Das Eselgewieher, das dem Klang einer verstimmten Trompete gleicht, schafft an jedem Ort eine südliche Atmosphäre, aber auch ohne die Esel würde man nie vergessen können, dass man im Süden ist, da die Hitze einen ständig und unerbittlich daran erinnert. Von allen Bäumen zirpt es und quietscht es in einem gewaltigen Konzert.
15.50 Uhr haben wir uns aufgemacht, um den heiligen Bezirk von Olympia anzusehen. Es sind hier keine Häuser und Tempel mehr erhalten, aber die Reste geben doch ein Bild von der einstigen Pracht. Nach den unfreundlichen, kahlen Hügeln der vergangenen Tage, machte dieses Tal mit den Flüssen und den schönen Kiefern einen angenehmen und friedlichen Eindruck.
 Die Altis, der von einer Mauer umgebene heilige Bezirk, liegt direkt unterhalb des Kronioshügels. Innerhalb der Altis befinden sich Reste des Heraions, des runden Philippeions, des Zeustempels und verschiedener anderer Gebäude. Besonders gewaltig wirkt der Zeustempel, dessen Säulen etwa 13m hoch waren und an der Basis etwa 2m breit. Es steht aber keine Säule mehr, es liegen nur noch die Teile zerstreut herum.
Von der Altis aus ging es durch einen Bogengang in das Stadion. Über dem Bogengang befand sich der Zuschauerwall der Schmalseite. Insgesamt hatten auf den vier Wällen, die keine Sitzgelegenheiten aufwiesen, etwa 45000 Zuschauer Platz. Das Stadion ist bisher nur zu einem kleinen Teil ausgegraben.
Trotz des Schattens der  Pinien war es ungeheuer heiß, und man sah überall erschöpfte Menschen sitzen. Nachdem wir die Altis und die herumliegenden Reste anderer Bauten angesehen hatten, besuchten wir das Museum, in dem die Standbilder und sonstigen Funde ausgestellt waren. Der Hermes von Praxiteles, einer der bekanntesten Kunstschätze hier, ist recht gut erhalten und auch andere, während einige Standbilder stark zerstört und nur noch in Teilen zu sehen waren.
Es muss früher eine ungeheure Pracht in Olympia geherrscht haben. Die Standbilder sind alle aus Marmor gearbeitet, und auch die Tempel haben teilweise marmorne Fundamente. Die Oberteile sind aber meist aus luftgetrockneten Lehmziegeln gebaut worden und deshalb nicht mehr vorhanden.
  Gegen 19 Uhr waren wir mit der Besichtigung fertig. Wir sind ein Stück aus Olympia herausgefahren in Richtung Tripolis und haben bald am Rande des Alfios einen brauchbaren Zeltplatz gefunden.
Solange es noch hell war, haben wir im Fluss unsere Wäsche gewaschen, dann haben wir gekocht und sind gegen 22 Uhr in die Schlafsäcke gekrochen.
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