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Tag 22
Dienstag. 07.08.1956 (6192 - 6351 = 159 km), Ioannina - Agrinio
6 Uhr aufgestanden. In dem sehr kalten Wasser des Louros haben wir uns wieder herrlich gewaschen. Die Ziegenherde hatte die ganze Nacht in unserer Nähe ihre spärliche Nahrung gesucht, uns aber nicht belästigt. Als wir eingepackt hatten, entdeckte Wolfgang zu unserem Schrecken, dass er einen Rahmenbruch an der Maschine hatte. Da wir ihn an Ort und Stelle nicht schweißen lassen konnten, machten wir uns etwa 10 Uhr nach Arta auf den Weg.
Da mein Roller noch in Ordnung war, konnte ich Wolfgang seinen Zeltsack abnehmen und ihn so etwas entlasten. Die Fahrt ging weiter am Louros entlang durch bergiges Land. Im Tal standen viele Bäume, besonders Oliven und Feigen, und es wurde auch viel Ackerbau betrieben. Kurz vor Arta führte uns die Straße scharf nach links und durch eine sumpfige Ebene. Dort standen Zitronenbäume, und es war allgemein wegen der Feuchtigkeit eine starke Vegetation zu finden, besonders viel hohes Schilf.
In Arta überquerten wir neben einer alten türkischen Brücke den Arachthos. wir fanden hier bald eine Schweißwerkstatt, die die Reparatur auch schnell vornahm. Ich habe in der Zeit meine Vordergabel nachgesehen, die etwas Spiel hatte, und dann versucht, Geld umzutauschen. Man tauscht hier aber nur englische Pfunde und Dollars, und so musste ich unverrichteter Dinge wieder abziehen. Einige Einkäufe mussten wir auch noch machen (1 Oka Nudeln = 15 Drachmen, ¼ Pfund Salz = 1 Drachme, 1 Glas Butter = 5,5 Drachmen).
Der Aufenthalt hat mit Reparatur etwa zwei Stunden gedauert, und so konnten wir uns ca. 14 Uhr wieder auf den Weg machen. Es war ungeheuer heiß, so dass uns während der Fahrt der Schweiß unter den Helmen hervor lief. Es wehte den ganzen Tag starker Wind, er war aber so heiß, als wenn er aus einem Backofen käme.
In der Gegend um Arta bis nach Agrinion liegt das Hauptgebiet des griechischen Tabakanbaus. Die Pflanzen stehen sehr dicht und werden nicht viel über 50cm hoch. Zwischen dem Tabak sieht man oft Esel weiden, die das spärliche Grün, das sich im Schutz der Pflanzen entwickeln konnte, fressen, die Tabakpflanzen aber unberührt lassen.
Nachdem wir einige Zeit gefahren waren, kamen wir an den Golf von Arta, der in der Sonne glitzernd herrlich blau vor uns lag. Wie bisher immer auf der Fahrt war auch hier die Weitsicht durch Dunst versperrt. Am Abhang in etwa 100m Höhe fuhren wir um den Golf von Arta herum. An seinen Endausläufern wurde Neuland gewonnen.
An einem Zipfel, der weit ins Land hineinragte, lag Amphilochia in brütender Hitze. Von der Bucht aus ging es wieder in hügeliges Land mit fast ausschließlich Tabakanbau. An einem See, über den wir hinweg mussten, haben wir Pause gemacht und gebadet, das Wasser war aber nicht sehr erfrischend und auch nicht sehr klar.
Bald kamen wir wieder aus den Hügeln heraus in eine Ebene mit dem riesigen Flussbett des Acheloos (größter Fluss Griechenlands). Man konnte aber schon von weitem sehen, dass er wenig Wasser führte, da dort eine große Staubwolke stand. Das Flußbett war etwa 500m breit, es bahnten sich aber nur noch einige Bäche ihren Weg durch das Geröll. Eine Bohlenbrücke führte uns hinüber, und dann fuhren wir durch Ebene bis Agrinion . Hier haben wir uns 1 Oka Weintrauben für 5 Drachmen und je einen Becher Eis für 2 Drachmen geleistet. Beides schmeckte sehr gut.
Als wir auf der Straße etwas außerhalb der Stadt die Weintrauben verzehrten, hielt ein junger Mann bei uns an und unterhielt sich mit uns. Er erzählte, dass seit dem Bürgerkrieg, der von den Kommunisten angezettelt worden war, die kommunistische Partei in Griechenland verboten sei. Es gäbe auch nicht sehr viele Kommunisten.
Gegen 18.50 Uhr fuhren wir weiter und kamen an einen See‚ der aber leider nicht zum Zelten geeignet war, da er rings mit Schilf bestanden war. Die Sonne stand gerade als hellgelber Ball über den Bergen und war kurz vorm Untergehen. Es ging dann wieder etwas in die Berge hinein. Dort haben wir in einem Dorf Wasser getankt und uns gewaschen.
Die Frauen saßen hier in großer Runde im Schatten unter einem Baum und fädelten Tabak auf. Er wird dann möglichst windgeschützt zum Trocknen aufgehängt. Wir kamen dann in die Klisoura-Schlucht, die in der abendlichen Beleuchtung gewaltig wirkte. Die Felsen fallen hier fast senk- rechtin die Schlucht ab. Die auf der Ostseite liegenden Felsen waren von der untergehenden Sonne noch rötlich-orange bestrahlt, während wir schon im Dämmern standen. Von der Schlucht aus konnte man in der Ferne schon das Mittelmeer sehen.
Wir fuhren dann abwärts und haben uns bald seitwärts der Straße einen Zeltplatz gesucht. Man sieht hier schon wieder Kakteen wie in Split mit lanzettförmigen ca. 1m langen Blättern und hohen Blütenständen (Agaven). Mit Zelt aufbauen und Essen kochen waren wir bald fertig und konnten 21.50 Uhr in die Schlafsäcke kriechen.
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