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Tag 28
Montag, 13.08.1956 Ruhetag, Kyveri
6.30 Uhr sind wir aufgestanden. Die Sonne stand im Osten und glitzerte auf dem Wasser. Die Berge sah man nur als Silhouetten im Dunst. Zu jeder Tageszeit sieht die Landschaft eigentlich wieder anders aus. Nach dem Frühstück haben wir uns wieder auf Luftmatratzen im Wasser geaalt.
Dann habe ich mich an den Roller gemacht und fast den ganzen Tag an ihm gearbeitet. Recht lange hat das Säubern der vorderen Lenklager gedauert, da mir einige Kugeln herausgefallen waren und ich deshalb alle wieder neu einlegen musste. Bis auf die fehlenden Kugeln habe ich aber a1les wieder in Ordnung bekommen. Beim Arbeiten an der Maschine habe ich gemerkt, dass der Gepäckträger an einer Stelle gebrochen war. Bis Athen wird er aber noch halten.
Birnen und Tomaten haben wir heute von den Griechen, die uns gestern besucht hatten, geschenkt bekommen, so dass wir recht billig leben konnten.
Heute habe ich erstmalig gesehen, wie hier zulande Tintenfische gefangen werden. Die Boote fahren langsam in Ufernähe auf und ab, und zwar morgens‚ bevor die Sonne hoch am Himmel steht. Der Fischer steht am Bug und stakt sich weiter. Dabei beobachtet er den Meeresboden. wenn er etwas verdächtiges gefunden hat, stangelt er mit einem Stock, an dem sich ein Köder befindet, auf dem Boden herum und versucht so, den Tintenfisch aus seinem Versteck herauszulocken. Sieht er ihn, so sticht er mit einem Vielzack, den er in der anderen Hand hält, nach ihm und gabelt ihn auf. Dieses Tintenfischstechen passt so recht in die hiesige Atmosphäre.
Abends haben wir von den Tomaten, die wir geschenkt bekommen hatten, ein mengenmäßig gewaltiges Abendbrot gekocht. Wir haben uns dabei aber die Tomaten richtig übergegessen. Nach dem Essen und Waschen gings um 21.50 Uhr in die Schlafsäcke, da es morgen endgültig weitergehen soll.
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