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Tag 20
Sonntag, 05.08.1956 (5829 - 5984 = 155), Florina - Grevena
Um 5.45 Uhr sind wir aufgestanden. Dann haben wir unsere morgendlichen Aufgaben erledigt und die Sachen gepackt. Ich habe in der Zwischenzeit noch Ölwechsel gemacht und gegen 10 Uhr konnten wir aufbrechen.
Auf einer Asphaltstraße, die von Löchern verunstaltet war, und dann wieder auf Schotterstücken fuhren wir Richtung Ptolomais. Nachdem wir über eine Höhe hinweg waren, lag vor uns eine Ebene mit dem Peters- und Vigoritis-See.
Die Landschaft hat hier überall den gleichen Charakter: Braun ist die vorherrschende Farbe, ob sie von trockenen Wiesen oder von kahlem Boden stammt. Felsen sieht man seltener. Die kleineren Berge sind stumpf adgerundet, auch die hohen sind nicht so bizarr wie in den Alpen bei uns. Die Südhänge zeigen fast gar keinen Baumwuchs, während die Nordhänge etwas mehr bestanden sind. In den Tälern und wo es sonst die Feuchtigkeit zulässt, wird Ackerbau getrieben.
Das Korn wird in die Nähe der Straße gefahren und dort anscheinend im Lohndrusch von herumfahrenden Dreschmaschinen gedroschen. Die Dreschmaschinen sind alle groß und modern. Trecker sieht man hier auch viel häufiger als in Jugoslawien. Es macht alles einen viel intensiver bearbeiteten Eindruck. Weil Privatinitiative noch möglich?
Über Ptolomais ging es weiter nach Kozani. Es boten sich hinter jedem Berg wieder neue schöne, für unsere Augen durch ihre Kahlheit und Trockenheit eigenartige Ausblicke. Der Charakter der Landschaft war aber überall gleich.
Ptolomais ist ein kleines Städtchen. Die Häuser machen oft einen unfreundlichen Eindruck, weil sie aus Lehmziegel gebaut sind und so auch die braune Farbe der Landschaft haben. Wenn die Leute aber irgends das Geld dazu haben, malen sie ihre Häuser weiß an. Die Städte wirken sehr klein, da die Häuser im allgemeinen nur einstöckig sind.
Kozani war schon eine größere Stadt, wo uns besonders auffiel, dass man fast nur die großen amerikanischen Straßenkreuzer fährt, deutsche Wagen dagegen sieht man viel seltener als in Jugoslawien.
Hier wollte ich zur Heinkel-Vertretung, um Ersatzteile zu kaufen, musste aber leider feststellen, dass es hier nur eine Art Zweigniederlassung gab, bei der die von mir benötigten Ersatzteile sicher nicht zu bekommen waren. Außerdem war das Geschäft auch geschlossen, weil heute Sonntag ist. Ein einfacher Grieche, der sich etwas Verdienen wollte, war aber dennoch zu dem Vertreter gelaufen und hatte von dort die Nachricht mitgebracht, dass wir nach Athen oder Saloniki müssten.
 Etwa 10 km hinter Kozani hörte die Asphaltstraße auf, und es ging auf schrecklicher Schotterstraße weiter. Die Landschaft wurde hier viel welliger. Oft kamen wir über trockene Flusstäler und muten bisweilen durch Furten fahren, da die Brücken nicht befahrbar waren.
Kurz hinter Kozani führte die Straße eine ganze Zeit in einem trockenen Flussbett entlang, oder der Fluß, wenn er im Herbst wieder Wasser führt, eine Zeit lang auf der Straße. Jedenfalls mussten wir die ganze Strecke über typisches Flußgeröll fahren. 
Die Landschaft wirkt hier wie eine stark aufgerissene Brotkruste (Abb. re. oben). Sieht man von der Seite, so erscheint die Gegend als Ebene mit einigen Hügeln. Kommt man aber näher, so findet man überall Täler, die teilweise von Flüssen ganz eigenartig ausgewaschen waren (Abb. re.). Nirgendwo findet man schroffe Formen.
An eine Gabelung der Asphaltstraße zwischen Kozani und Grevena hatten wir uns verfranzt und sind ein Stück in Richtung Kastoria gefahren. Hier kamen wir an eine sog. Praktische Georgsschule, vor der zwei Priester saßen, die wie mittelalterliche Magister aussahen. Sie hatten lange dunkele Gewänder und trugen auf dem Kopf ein Barett mit quadratischem Abschluss nach oben. Es waren wohl Geistliche, die hier als Lehrer tätig waren.
 Als wir sie nach der Straße Richtung Grevena fragten, antworteten sie uns, dass wir falsch gefahren seien und wieder zurück müssten. Vorher sollten wir aber noch eine Tasse Kaffee bei ihnen trinken. Sie gaben ihren Schülern den Auftrag, uns zu versorgen und mussten dann selbst mit dem Bus in die Stadt fahren. Nach einiger Zeit servierten uns die Jungs, die uns in großer Zahl umringten, einen herrlichen Mokka mit einer kleinen Probe Kompott. Wie wir später feststellten, wird der Kaffee allgemein mit etwas Kompott gereicht.
Nachdem man uns so etwas aufgemuntert hatte, bedankten wir uns und fuhren auf der Straße wieder zurück. Ohne große Anstrengung fanden wir dann auch die richtige Straße und kamen bald nach Grevena. Von hier aus ging es allmählich aufwärts und über das Chasia-Gebirge. 
An einem Bach auf dem Gebirge fanden wir einen schönen Zeltplatz und haben uns dort gegen 19 Uhr niedergelassen, d. h. gegen 20 Uhr, da unsere Uhren entweder eine Stunde nachgingen oder man hier eine andere Uhrzeit hatte.
Nach dem Waschen und Essen kamen Soldaten (Stratiothes), die sich mit uns unterhielten, soweit es möglich war. Sie waren in der Nähe stationiert und mußten 1 1/2 Jahre dienen. Es hat ihnen viel Spaß gemacht, mir etwas Griechisch beizubringen.
21.15 Uhr haben wir uns schlafen gelegt.
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