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Tag 26
Sonnabend, 11.08.1956 (6778 - 6891 = 113 km), Mystras - Kyveri
6.30 Uhr aufgestanden. Nach dem Frühstück haben wir in der Griechenlandkunde über Sparta nachgelesen. Dann haben wir die Maschinen kurz überholt und waren etwa 11.50 Uhr mit dem Packen fertig. Mit vollem Gepäck fuhren wir bis zum Gasthaus Marmora am Fuße des alten Mystras und haben dort unsere Maschinen stehengelassen.
Zu Fuß sind wir dann in die alte Stadt gegangen, die sich am steilen Hang bis zur Spitze hinaufzog. Es wohnten hier zur Blütezeit im 12., 13. und 14. Jahrhundert ca. 45000 Menschen. Die meisten Bauten stammen aus byzantinischer Zeit. Sie stehen h eute nur noch in Resten, aber man kann sich an den noch erhaltenen Gewölben und Wänden ein Bild von der damaligen Pracht machen.
Durch eine Mauer ist die untere Stadt von der oberen getrennt. In der oberen liegt der Palast des byzantinischen Statthalters, der meist ein zweiter Sohn des byzantinischen Kaisers war. Ein Kloster ist heute noch von Nonnen bewohnt, das sogenannte Pantanassa-Kloster.
Einige Kirchen, im Basilika-Stil oder byzantinischen Stil erbaut, sind noch gut erhalten. An den Wänden sind sogar die Malereien teilweise noch zu erkennen. Der Hügel wird nach oben durch eine Festung abgeschlossen. Sie war für damalige Verhältnisse uneinnehmbar, da man nur auf steilem Zick-zack-Pfad hinaufgelangen konnte.
Mystras ist zu seiner Größe emporgewachsen, als das in der Ebene gelegene Sparta den wohlhabenden zu unsicher geworden war. Später siedelte man wieder in die Ebene um, und damit verlor Mystras an Bedeutung und verfiel allmählich. Heute ist es nur ein kleines Dorf unterhalb der alten Stadt.
Sparta hat aber nie die Größe von Mystras erreicht. Es hat heute nur 6000 Einw ohner. Von der Festung auf dem Berge über dem alten Mystras hat man eine herrliche Aussicht auf das Eurotas-Becken und bei klarem Wetter soll man bis zum Meer sehen können.
14.50 Uhr hatten wir uns alles angesehen. Dann fuhren wir nach Sparta und haben dort noch Einkäufe gemacht (1 Dose Trockenmilch = 50 Drachmen, 1 Flasche Olivenöl = 18 Drachmen, 1 1/2 Oka Melonen = 5 Drachmen). Einen Eisbecher haben wir uns noch zur Erfrischung geleistet und sind dann 15.50 Uhr in Richtung Tripolis abgefahren.
Auf dem Wege haben wir eine schattige Stelle aufgesucht und die gekaufte Melone verzehrt. Auf derselben Straße, auf der wir nach Sparta gefahren waren, ging es nach Tripolis zurück und von dort aus ging es über die Ausläufer des Parnon hinweg und zwischen hohen Bergen hindurch. 
Kurz vor dem Agäischen Meer mußten wir noch ziemlich hochklettern. Hoch vom Berge hatten wir dann einen herrlichen Blick auf die in der Abendsonne vor uns liegende Bucht von Argos. In vielen Serpentinen ging es abwärts bis zum Wasser.
Hier sind wir von der Hauptstraße abgebogen und haben nach einigem Suchen einen schönen Zeltplatz direkt am Meer im Dorf Kyveri gefunden. Der Platz, auf dem wir zelten wollten, war anscheinend ein Treffpunkt für das Dorf und eine Art Ausflugsort für Argos. Deshalb hatte der Besitzer wegen des Zeltens Bedenken. Er erwartete am morgigen Sonntag viele Besucher. Als wir ihm aber sagten, daß wir morgen schon wieder weiterfahren wollten, was ursprünglich allerdings nicht unsere Absicht war, hat er uns freundlich die Erlaubnis gegeben.
Eine Menge Kinder bestaunten uns beim Aufbauen,und abends kalmen schon einige Besucher, um hier einige fröhliche Stunden zu verbringen. Es war aber trotzdem sehr schön. Es wehte vom Meer her ein kühler Wind und brachte uns einige Erfrischung.
Abends sprach mich ein Grieche an, der in Wien Medizin studierte und recht ordentlich Deutsch konnte. Wir haben uns etwas über Land und Leute unterhalten. Als er sich verabschiedete, bot er uns noch seine Hilfe an, falls wir sie benötigen sollten. Er ver1ebte hier in Kyveri einige Ferientage. Sein Vater ist Professor in Athen. In den Sommermonaten ist es dort zu heiß, und sie ziehen dann nach Tripolis. Nach dem Essen haben wir uns 22 Uhr zur Ruhe begeben.
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