Griechenland 1956 Überschrift

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Dienstag, 14.08.1956 (6891 - 6956 = 65), Kyveri - Mykene

6 Uhr aufgestanden. Nach dem Frühstück haben wir in der Griechenlandkunde den Abschnitt über die "Argolis" gelesen. Vorher und nachher haben wir je einmal gebadet. Nachdem wir dann die Zelte zusammengepackt hatten, ging es gegen 12 Uhr los. Das Wetter war wieder herrlich, und die Sonne glitzerte auf dem Meer, so dass uns das Abfahren richtig schwer wurde.

Zuerst ging es nach Argos, einer kleinen Landstadt an dem nach ihr benannten Golf. Dort haben wir uns die sogenannte "Aspis" angesehen. Die "Aspis" ist ein Hügel, der sich aus der Ebene wie ein Schild erhebt, woher auch der Name stammt. Zwischen ihr und einem höheren Berg mit der Festung Larissa lagen einige antike Bauten. Sie waren in rechteckigen Terrassen übereinander angelegt. Auf der untersten Terrasse befindet sich ein Altar mit Stufen zur nächst höheren und ein von einer Kirche überbauter Tempel. Auf der nächsten liegt der Athena-Bezirk und das Prytanaion (Versammlungshaus der Prytanen = Stadtväter), von dem aus man einen schönen Blick auf Argos und die Ebene hat.
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Nachdem wir uns genügend umgesehen hatten, fuhren wir nach Argos zurück, wo wir uns Weintrauben ( 1 Oka = 5 Drachmen).gekauft haben, und dann ging es nach Tiryns weiter, das ca. 10km von Argos entfernt in Richtung Nauplia liegt. Die Burg von Tiryns erhebt sich direkt an der Straße auf einer kleinen Kalksteinanhöhe, in der Nähe des Meeres, das in antiker Zeit noch weiter an die Burg heranreichte als heute.

Die Mauer der Burg ist aus riesigen polygonalen Steinblöcken aufgerichtet (Abb. re.) und macht einen gewaltigen Eindruck. Über eine Rampe und einen Vorhof gelangt man durch ein Tor, das nicht mehr abgedeckt ist. Dieses Tor besitzt die gleichen Maße wie das Löwentor in Mykene, weshalb man vermutet, dass die beiden Burgen den gleichen Baumeister gehabt haben.

Man gelangt durch das Tor in einen Vorraum über der Galerie, von dem aus man bei WenduGR144ng um 90 Grad durch die Propyläen das Palastgelände betritt. Hier muss man sich zum Megaron ebenfalls wieder um 90 Grad nach rechts wenden. Diese Art zu bauen stammt aus Kreta und entspricht dem minoischen Labyrinthprinzip. Die Außenmauer ist aber ganz nordisch, so dass sich hier minoische und achäisch - dorische Bauweise vereinen.

Die Grundrisse:des Megaron und des Bades, aber auch anderer Räume, sind noch gut zu erkennen. Das Megaron lag hinter einem Vorraum. Seine Decke wurde von vier Säulen getragen, und in der Mitte war eine Öffnung für den abziehenden Rauch des Herdes, hinter dem der Herrscher saß. Später, als das Megaron zu einem Tempel umgebaut war, trat der Gott an die Stelle des Königs und der Altar an die Stelle des Herdes.

Innerhalb des gewaltigen Mauerwerkes liegt neben dem Palast eine Fluchtburg für die außerhalb wohnenden Untertanen. Wasser hatte die Burg nicht. Es musste über ein Vorwerk der Burg, das sich leicht verbarrikadieren ließ, aus der Ebene geholt werden.
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Von Tiryns aus fuhren wir über Argos in Richtung Korinth, wo nach etwa 10km, rechts der Straße, die Burg von Mykene liegt. Auf einem hohen Hügel ist sie errichtet und wird durch einen Berg zur Ebene von Argos hin teilweise gedeckt. Man kann von hier aus aber dennoch bis zum Meer sehen.

An einer Seite der Burg liegt eine Schlucht, während sonst rings Mauern aufgerichtet sind, die 6m dick sind und damit in ihrer Festigkeit die Mittel der damaligen Belagerungskunst weit übertrafen. Tiryns und Mykene müssen beide aus reiner Freude an monumentaler Baukunst entstanden sein.
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Der Eingang mit dem Löwentor ist noch recht gut erhalten und gibt einen Eindruck von der einstigen Gewalt. Die Löwen sind aus einem dreieckigen Stein gehauen, der das Entlastungsdreieck über dem Türsturz ausfüllt. Sie galten wohl symbolisch als Wächter der Burg.

Hinter dem Eingang liegen rechts die Schachtgräber. Sie sind umgeben von einem doppelten, überdeckten Plattenring. Innerhalb liegen sechs Schachtgräber, die Schliemann als erste nicht ausgeraubte antike Gräber freilegte. Der durch Platten umstellte Raum diente später wohl auch als Versammlungsstätte. GR147

Neben den Schachtgräben direkt an der Mauer liegen die Getreidespeicher. Auf einem Zickzack-Weg gelangt man auf die höchste Stelle des Hügels, wo der Palast liegt. Die Grundrisse der Gemächer und des Megaron sind noch gut zu erkennen, zum Teil allerdings renoviert, da der Palastteil, der zur Schlucht hin liegt, weitgehend abgestürzt war.

Vom Bad, in dem Agamemnon von seiner Gattin Klytämnestra ermordet sein soll, als er vom Trojakrieg zurückgekehrt war, ist nichts mehr zu sehen. Agamemnon wurde von Klytämnestra ermordet, weil er seine Tochter Iphigenie geopfert hatte, umeinen günstigen Wind für die Fahrt nach Troja zu bekommen. GR149

Das Bad in Tiryns gleicht dem in Mykene völlig und ist noch wesentlich besser erhalten, so dass man sich ein Bild machen kann. Das Löwentor liegt im Westen der Burg, man konnte aber auch von Norden her durch ein kleines Tor in die Burg gelangen. Eine weitere kleine Ausfallspforte befindet sich im Nordosten. Von hier konnte man den im Sattel hinter der Burg herabkommenden Feind in der Flanke fassen.

Die Burg von Mykene hat ursprünglich auch kein Wasser gehabt. Später, als der Herrscher von Mykene seiner Macht schon nicht mehr ganz sicher war, hat er eine unterirdische Tonrohrleitung von einer 360m entfernten Quelle zur Burg gebaut. Diese leitete das Wasser in eine Brunnenstube (Abb. li.) , die außerhalb deGR148r Burg tief im Felsen liegt. Man musste also trotzdem erst aus der schützenden Mauer heraus, konnte dann aber gleich in einem unterirdischen Gang, der in ca. 110 Stufen zur Brunnenstube hinabführt, verschwinden.

Außerhalb der Burg befinden sich noch neun Kuppelgräber, von denen einige noch völlig erhalten sind. Wir haben uns das Löwengrab (nicht mehr überkuppelt, Abb. re.), das Grab der Klytämnestra und das Grab des Agamemnon angesehen. Die beiden letzten sind noch vollständig erhalten, das Grab der Klytämnestra ist allerdings an der Kuppe etwas renoviert worden.
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Am besten erhalten ist das Grab des Agamemnon (willkürlicher Name, Abb. re.), das aber schon im Altertum ausgeraubt wurde. Der Türsturz des Grabes ist 5m tief und 8m breit und wiegt 120t. Wie haben die Menschen nur diese Riesenlasten bewegt, ohne die heutigen technischen Hilfsmittel gehabt zu haben?

Nachdem wir uns alles angesehen hatten, fuhren wir von Mykene aus in Richtung Korinth weiter. Das erste Mal auf unserer Fahrt haben wir dicke Wolken heraufziehen sehen, die wohl ein Gewitter anzeigten. Es wurde auch etwas kühler. Nach einer Stunde war der Himmel aber schon wieder klar.

Durch hügeliges Land, ähnlich felsig wie in Lakedaimon, fuhren wir bis an den ersten Bach. Dort haben wir uns gewaschen und sind dann noch bis etwa 5km hinter Mykene gefahren. Dort sind wir von der Straße abgebogen und auf einer Brache hinter einem Hügel unsere Zelte etwa 19.30 Uhr aufgeschlagen.

Die Distel ist eine Pflanze, die man hier überall antrifft, so auch auf unserem Zeltplatz, äund die uns wegen ihrer Stacheln, die sich durch den Gummiboden des Zeltes bohren, recht unangenehm war. Abends bekamen wir wieder Besuch von Einheimischen, die Zigaretten haben wollten. Gebettelt wird hier in Griechenland ungeheuer oft, und zwar immer nach Zigaretten und Zigarren. Mir ist es unverständlich, da man in Griechenland billig Zigaretten bekommen kann.

In Jugoslawien haben wir das Betteln nach Zigaretten kaum erlebt. Die fast überall gleich lautenden Fragen, die uns auch hier wieder gestellt wurden, lauten: Du Deutsch? Englisch nicht gut. Du Soldat? Wie viel kostet die Maschine? Hoher kommst du? Wohin fährst du? Zum Abendbrot haben wir uns süße Nudeln gekocht, da wir uns die Tomaten übergessen hatten. 22 Uhr haben wir uns zum Schlafen in unsere Zelte gelegt.

 

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