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Tag 42
Montag, 27.08.1956 (8485 - 8633 = 148 km), Polymylon - Yefyra
6 Uhr sind wir aufgestanden. 5.30 Uhr waren wir aufgewacht, aber es war noch so dunkel, dass man im Zelt noch kein Tagebuch schreiben konnte. Durch einen Hügel waren wir gegen die Sonne geschützt und konnten uns deshalb in Ruhe entwickeln. Ab 8.30 Uhr kam sie dann so weit herauf, dass sie auch uns bestrahlte.
Um 10 Uhr fuhren wir los, nachdem ich vorher noch die Zündkerze ausgewechselt hatte. Wir fuhren in das Dorf Polymylon zurück,und von hier aus ging es dann wieder in die Berge hinein. In Serpentinen führte uns die Straße am Südosthang des Vermion aufwärts. Vom Pierria- Gebirge trennte uns ein tiefes Tal. Bis auf ca. 1500 m mussten wir uns hochschrauben, und dann ging es wieder am Hang oberhalb eines Tales in vielen Schlängelungen abwärts bis nach Verria, das am Rande der Ebene von Saloniki liegt.
Diese Ebene ist durch Trockenlegung eines Sees entstanden und zeigt deshalb eine üppige Vegetation. Wir glaubten fast in einer deutschen Landschaft zu sein. Die Straße führte bisweilen im Schatten großer Bäume entlang, und es sah alles grün aus. Auch Rinderherden waren hier wieder zu sehen, die allerdings auch schon in der thessalischen Ebene anzutreffen waren. Auf der Hinfahrt haben wir in Nordgriechenland auch Rinderherden gefunden. Je weiter wir aber nach Süden kamen, desto häufiger, und ich glaube ausschließlich, wa6ren Schaf- und Ziegenherden zu sehen.
 Durch die Ebene fuhren wir erst in die Nähe des Paikon-Gebirges und machten dann eine Wendung um fast 90 Grad nach Osten, wo wir nach 50 km Saloniki erreichten. In der Ebene findet man eine Menge Ziegeleien, die alle noch im Handbetrieb arbeiten. Man knetet den Lehm mit der Hand, die Ziegel werden mit der Hand in Holzformen gepresst und dann, als Fortschritt gegenüber früher gesehenen Ziegeleien, wurden die Ziegel auf große Haufen gestapelt und durch ein in der Mitte angelegtes schwelendes Feuer künstlich getrocknet und damit etwas gebrannt.
 In Saloniki sind wir etwa 12.30 Uhr angekommen. Da das Leben mit dem Schließen der Läden um 13 Uhr für einige Stunden erlischt, sind wir erst zur Post gegangen, es waren aber keine Briefe für uns angekommen. Anschließend haben wir unsere Lebensmittelvorräte für Jugoslawien aufgefüllt und uns dann der Stadt gewidmet.
Unter dem Galerius-Bogen (Abb. re.) haben wir uns erst belesen und dabei zur Erfrischung zwei Efga-Eis gegessen. Dieses Eis wird in Athen hergestellt und schmeckt recht gut. Es ist in saubere Becher verpackt und kostet nur zwei Drahmen. Der Galerius-Bogen war früher ein Kuppelbau, der auf vier von Reliefs geschmückten Pfeilern ruhte. Dazwischen lag ein großes Tor, durch das die Straße zur Kalamaria-Halbinsel führte, während sich rechts und links noch je ein kleines Tor befindet.
Ebenfalls vom Kaiser Galerius wurde die in der Nähe gelegene Georgs-Kirche (Abb. re.) etwa 300 n. Chr. erbaut. Es ist ein riesiger Kuppelbau mit einem lichten Durchmesser der Kuppel von 24,15 m. Sie ruht auf acht Pfeilern von 6,3 m Dicke, die zwischen sich Nischen freiließen. Um 500 war das Mausoleum in eine Christliche Kirche umgewandelt worden und 1591 in eine Moschee. Durch diese türkischen Veränderungen, die besonders durch einen Umbau die Kuppel von außen unsichtbar machten, sieht die Kirche jetzt wie ein Gasometer aus. Von innen wirkt sie aber gewaltig.
Einige Mosaiken sind noch erhalten, und zwar in drei Nischen und Teile des Kuppelmosaiks. Das Minarett aus der türkischen Zeit steht heute noch neben der Kirche. Wie uns der Phylax sagte, gibt es keine Moslems mehr in Saloniki.
Anschließend haben wir uns die Demetri-Kirche angesehen. Sie ist eine funfschiffige Basilika von großen Ausmaßen. Unter der Altarseite im Osten befinden sich Katakomben, in denen der heilige Demetrius gelitten haben und gestorben sein soll. 1917 wurde sie durch einen Stadtbrand fast völlig zerstört, ist aber jetzt wieder weitgehend aufgebaut. Einige Mosaike und Malereien sind auch hier noch erhalten. Die aus den verschiedenfarbigen Steinchen zusammengesetzten Figuren sind erstaunlich 1ebendig. Besonders ist mir das an einem Christusmosaik in der Georgskirche aufgefallen.
Eine weitere Basilika ist die Aja Paraskevi. Sie st aber nur dreischiffig. Es sind auch hier Mosaiken in den Pfeilerbögen zu sehen, die aber nicht besonders hübsch waren, da die Hauptfarben dunkelgrün, schwarz und gold waren, und damit eine recht dunkle Wirkung entstand. Sehr interessant war der Vergleich der mit Satteldach und hölzernem Dachstuhl stilecht gebauten Basilika mit der Sophienkirche. Diese wurde nach der neuen kirchenpolitischen Ausrichtung - 730 wurde Saloniki oströmisch - erbaut. Als neues Merkmal zeigt sie ein Tonnengewölbe und Kuppeln aus Ziegelwerk.
Den Hippodrom und einen alten Brunnen haben wir uns auch noch angesehen. Nachdem wir dann noch einen Film und Öl gekauft hatten, sind wir etwa 18 Uhr aus Saloniki wieder abgefahren. Auch in Saloniki sprach uns wieder ein Grieche an, der im Kriege in Deutschland gewesen war und es sehr bereute, wieder zurückgegangen zu sein. Jetzt kann er nicht wieder nach Deutschland. Er kann Deutschland nicht vergessen. Grieche und Deutsche seien schon immer Freunde gewesen, sagte er noch zum Schluß. Auf der ganzen Fahrt habe ich noch keinen getroffen, der die Deutschen hasste.
 Nach etwa einer Stunde Fahrt haben wir, nachdem wir bei Yefyra nach Norden abgebogen waren in Richtung Grenzstation Evzoni, einige Kilometer hinter Yefyra in der Nähe einer Tränke unsere Zelte im Schatten von fast vier Meter hohem Schilf aufgeschlagen. An der Tränke habe ich schön meine Wäsche waschen können. Als Wolfgang auch anfangen wollte, sagte ihm aber ein Grieche, dass er in der Tränke mit Seife nicht waschen dürfe, da die Tiere das Seifenwasser nicht mehr saufen würden. Er hatte nicht ganz unrecht.
Uns selbst haben wir dann abends im Dunkeln noch gut waschen können. Herrlicher Wein wächst hier in der Nähe der Zelte, so dass wir ihn reichlich kosten konnten. Um 22.50 Uhr haben wir uns in unsere Kojen gelegt.
Einige Beobachtungen aus Griechenland: Die Pkw’s sind fast ausschließlich amerikanischer Herkunft, wenig deutsche Wagen sieht man. Dafür fahren sehr viele Lkws Mercedes-Motoren. Motorräder sind meist englisch und haben großen Hubraum (500 - 1000 ccm). Die neueren Motorräder sind zum Teil auch deutsch, die Mopeds sind meist deutsch. Cypern ist eine allgemein nationale Frage. Alle Griechen, die wir gesprochen haben, hassen die Engländer wegen Cypern ungeheuer. An den Berghängen sieht man oft Cypern mit gekalkten Steinen in seinen Umrissen modelliert und daneben die Buchstaben der Freiheitsbewegung - EOKA.
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