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Tag 32
Freitag, 17.08.1956 (7157 - 7258 = 101 km), Amaroussion/Athen
7 Uhr sind wir aufgestanden. Ich habe dann den Benzinhahn eingebaut. Um 11 Uhr konnten wir in die Stadt fahren. Es herrscht hier in Athen, einer Stadt von 1,5 Mill. Einwohner, teilweise noch eine Armut, z. B. am Fuß der Akropolis, wie sie sonst auf dem Dorf zu finden ist. Auf der anderen Seite sieht man hier aber auch große Eleganz.
Die Straßen sind seitwärts der Hauptstraßen oft nicht asphaltiert, und man meint auf dem Lande zu sein. Auch die Asphaltstraßen der Stadt haben bisweilen erhebliche Löcher und Unebenheiten. Die Straßenbahnschienen liegen z.B.manchmal 5cm über dem Niveau der Straße, so dass man nur sehr vorsichtig darüber hinweg fahren kann.
In der Stadt bin ich noch einmal zur Werkstatt gefahren, während sich Wolfgang zur Bank begeben hat, 50 DM getauscht und die jugoslawischen Visa abgeholt hat. Ich musste sechs neue Kugeln in die Lenklager einbauen‚ die mir in Kyveri herausgefallen waren. Außerdem habe den Schaltzug ausgewechselt.
Ich war ziemlich ärgerlich über den Heinkel-Lagerverwalter in Hannover. Er hatte mir einen Schaltzug für den Drei-Gang-Roller mitgegeben und falsche Sicherungen. Ich habe dadurch viel Ärger gehabt. Man wollte mir hier gerne den Roller abkaufen, hat aber schnell eingesehen, dass es nicht geht. Wolfgangs Maschine wollte auch schon einer kaufen. Der Chef der Werkstatt war sehr freundlich und wollte, als ich mit allem fertig war, kein Geld für die Ersatzteile und die Bemühungen nehmen.
 14 Uhr habe ich mich mit Wolfgang auf der Akropolis getroffen, wo wir uns verabredet hatten. Die Akropolis hat auf mich gleich beim ersten Anblick einen gewaltigen Eindruck gemacht. Über einen Treppenaufgang, der von Perikles anders geplant war, aber wegen der Opposition nicht verwirklicht werden konnte, gelangt man zu den Propyläen, die ein riesiges Bauwerk darstellen. Eine ungeheure Wucht liegt in den Bauten der Akropolis, die bei den sonst kleinen Wohnhäusern des antiken Athens nur aus einer großen Dankbarkeit gegenüber den Göttern zu verstehen ist.
Den Propyläen vorgebaut sind 6 dorische Säulen und 3 x 2 ionische Säulen, die eine Halle tragen. Dahinter befindet sich ebenfalls auf 6 dorischen Säulen eine weitere Halle. Durch 5 Tore, die zur Mitte hin in ihrer Höhe ansteigen, gelangt man in inneren Bezirk. Von beiden Hallen stehen heute nur noch die Säulen. Seitlich der Propyläen ist im Norden eine Halle angebaut, und im Süden war eine gleiche geplant. Der Opposition gegen Perikles ist es aber gelungen, aus fadenscheinigen Gründen den Bau zu verhindern. Es sollte an der Stelle seitlich der Propyläen von den dort schon stehenden Altären kein Stein verrückt werden. So konnte Perikles seinen Plan also nicht durchführen.
An der Südseite der Propyläen liegt etwas vorgebaut der kleine Tempel für die Athena-Nike. Von vorne gesehen links neben den Propyläen finden sich noch Reste der etwa im 15. Jahrh. v. Chr. erbauten Mauer um den damaligen Herrschersitz (Megaron), der an der Stelle des heutigen Erechthaions stand.
Ist man durch die Propyläen hindurchgegangen, so sieht man heute über Fel sen - früher war es sicher glatt- zu dem rechts höher gelegenen Parthenon, der noch heute in seiner gewaltigen Ausdehnung und ausgeglichenen Bauweise tief beeindruckt. Die besonders harmonische Wirkung ist mit darin begründet, dass die Säulen sich nach innen neigen, damit sie nicht nach außen strebend erscheinen. Die 5 Stufen sind nach oben gewölbt, um nicht eingesenkt zu erscheinen.
Die Säulen sind etwa 15m hoch und haben früher ein Marmordach getragen. Ein Teil eines ursprünglich um die ganze innere Säulenreihe ziehenden Frieses findet sich noch im Westen. Oberhalb der äußeren Säulenreihe befinden sich Triglyphen und Metopen, von denen nur noch zwei gut erhalten sind. Die eine Metope stellt Athena vor Hera dar und ist so gut erhalten geblieben‚ weil sie in christlicher Zeit als Verkündigung Mariä gedeutet worden ist. 
Nördlich vom Parthenon befindet sich das Erechthaion, das die nach dem Megaron hier erbauten kleinen Heiligtümer in einem Bau vereinigen sollte. Nach Süden befindet sich am Erechthaion ein Vorbau, dessen Dach von 6 Koren, den Karyatiden, getragen wird. Durch diesen Vorbau gelangt man zum Grabmal des Kekrops.
 Im Norden, etwa an der der Korenhalle entsprechenden Stelle liegt der Felsspalt des Poseidons, den er im Zorn mit dem Dreizack in den Felsen geschlagen haben soll. Dieser Spalt wird von einem noch gut erhaltenen, kunstvollen, aus vielen konzentrisch ineinanderliegenden Quadraten gefertigten Dach überdeckt. Eine herrliche, verzierte Tür führt in den Innenraum des Erechthaions.
Von der Akropolis aus hat man einen wunderschönen Ausblick auf die ganze Ebene von Athen, die rings von Hügeln und Bergen umgeben ist, auf denen nichts wächst und die so eine natürliche Grenze für den Stadtstaat bildeten. Sehr gut kann man auch den Piräus und das Meer sehen.
Etwa 17 Uhr sind wir zur Post gefahren, wo für mich ein Brief von Hannelore angekommen war. Neben der Post haben wir anschließend einen Film zum entwickeln gebracht und sind dann zu unseren Zelten nach Amaroussion gefahren. Dort haben wir etwas getrunken und sind 18 Uhr nach Marathon gefahren.
Wir konnten dort an Hand der Landschaft wieder sehr gut die damalige Situation rekonstruieren. Der Berg, auf dem die Griechen gestanden hatten, und die Stelle,an der zwischen zwei Bergen das Lager war, konnten wir deutlich ausmachen. Von dort erstreckt sich die Ebene bis ans Meer, wo die Perser lagen. In der Mitte der Ebene befindet sich heute noch der für die ca. 200 gefallenen Griechen aufgerichtete Grabhügel, auf den 60 Stufen hinaufführen.
In der Dämmerung fuhren wir wieder nach Hause. Unterwegs haben wir noch etwas Wein gegessen, der aber nicht so gut wie in Korinth schmeckte. 20.50 waren wir wieder an unseren Zelten. Nach dem Kochen und Essen sind wir mit Panajotis noch zu einer nahe gelegenen Gastwirtschaft gegangen und haben Bier und Limonade getrunken. Dazu haben wir kleine Brothappen und etwas geröstete Kartoffeln gegessen.
Wolfgang ist 23 Uhr ins Kino gegangen, die hier meist wegen der Hitze unter freiem Himmel spielen. Ich habe mich noch etwas mit Panajotis unterhalten. Er wollte mir unbedingt ein Hemd geben, das er nicht mehr tragen mochte. Es war aber noch sehr gut erhalten. Ich konnte nicht ablehnen. 24.15 Uhr habe ich mich zum Schlafen gelegt.
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