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Tag 39
Freitag, 24.08.1956 (7896 - 8082 = 186 km), Theben - Delphi
Um 6 Uhr aufgestanden. Auch heute morgen standen am Horizont wieder Wolken, ein seltsamer Anblick. Nach dem Packen ging es 8 Uhr auf Achse. Bis Levadia fuhren wir auf der Straße Richtung Larissa weiter, links Berge, rechts Ebene. In Levadia zweigte die Straß nach Delphi ab. Bei ungeheuer starkem Wind - man mußte sich richtig konzentrieren, um nicht von der Fahrbahn zu kommen - kletterten wir allmählich wieder in die Berge.
Die Straße schlängelte sich stark und je höher und je näher wir an das P arnassos-Massiv kamen, desto kühler wurde der Wind. In den Tälern wurde auch hier Ackerbau betrieben. Es waren aber wenig Bäume, meistens Ölbäume zu sehen. Die Hänge waren kahl oder mit stacheligen Büschen bestanden, in großer Höhe allerdings auch mit kleinen Kiefern.
In Arakhova erreichten wir den höchsten Punkt der Straße. In diesem Dorf werden Teppiche und andere Websachen hergestellt. Wir wollten uns etwas kaufen, mussten aber erst noch Geld tauschen, da wir ziemlich blank waren. Nach einigen Kilometern auf kurvenreicher Straße kamen wir nach Delphi. Da in Delphi aber kein Geld gewechselt wurde, mussten wir nach Amfissa weiterfahren. In starken Windungen ging es in die Ebene von Amfissa hinunter, die dicht bei dicht mit Ölbäumen bestanden ist. 
In Amfissa haben wir je 50 DM gewechselt und sind dann nach Delphi zurückgefahren. Von der Höhe kurz vor Delphi hat man einen herrlichen Blick auf die Ebene von Amfissa und das Dorf Iktea mit Bucht, einen Teil des Golfs von Korinth.
Um zum antiken Delphi zu gelangen, mussten wir wieder durch das heutige Dorf hindurch. In einer Einbuchtung des Parnassos-Gebirges liegt hoch am Hang etwas oberhalb der Straße der heilige Bezirk. Den Hintergrund bilden schroff abfallende Felsen. Gegenüber liegen jenseits eines tiefen Tales wieder Berge, so daß die Landschaft hier einen wild romantischen Eindruck macht.
 In dieser rauhen Umgebung konnten die Mythen nur entstehen. Die Blüte Delphis lag im 7. und 6. Jahrh., es hat aber seine Bedeutung bis zum 2. Jahrh. v. Chr. behalten. Mit den den Doriern verwandten Phokern, nach denen die Landschaft seinen Namen Phokis hat, ist Apollo aus dem Norden nach Delphi gekommen und hier dann besonders verehrt worden. An der Stelle des antiken Delphis ist vor den Phokern schon im 2. Jahrtausend v. Chr. Eine Siedlung gewesen, in der wohl schon die Erdmutter Gaia verehrt wurde. Im 2. Jahrh. v. Chr. wurde Delphi ausgeplündert und verlor im aufkommenden Unglauben an Bedeutung. Unter Hadrian im 2. Jahrh. n. Chr. hatte Delphi noch einmal eine Blütezeit. 
Die Orakelsprüche der Pythia gingen in die ganze damalige Welt und da sie so geschickt abgefasst waren, dass sie sich wohl immer erfüllten, behielten sie auch über die vielen Jahrhunderte ihre Bedeutung.und Ansehen. Als Dank für die Weissagungen stellten die einzelnen Poleis (Staaten) hier Schatzhäuser mit Weihgaben auf. So sind heute noch eine Menge im heiligen Bezirk am Wege zum Apollo-Tempel zu erkennen. Besonders gut erhalten oder besser Anfang des 19. Jahrh. renoviert ist das Schatzhaus der Athener. Es steht hinter der ersten Wegkrümmung unterhalb des Apollotempels.Direkt an der Stützmauer des Tempels stand noch eine Halle der Athener mit zierlichen Säulen, um die Weihgeschenke nicht zu sehr zu verdecken.  
Der Sieger baute gern sein Schatzhaus mit den Siegestrophäen gegenüber dem des Besiegten auf, so z.B. Syrakus gegenüber dem Athener Schatzhaus. Westlich der Halle der Athener, zwischen dieser und dem Schatzhaus‚ stand die Sphinx der Naxier (Abb. li.). Der Apollo-Tempel steht auf einer Terrasse (Abb. re. oben), die nach Süden durch eine Mauer abgestützt ist (Abb. re. oben). Die Steine sind kurvenpolygonal und geben so ein kunstvoll gefügtes Bild. Der alte Bau aus dem 6. Jahrh. ist durch ein Erdbeben zerstört worden und im 4. Jahrh. mit Hilfe von Spenden aus ganz Griechenland wieder aufgebaut worden. In christlicher Zeit ist der jüngere Bau aber so stark zerstört worden, dass man sich jetzt von dem älteren an Hand der ausgegrabenen Bauglieder ein besseres Bild machen kann.
 Vor dem Tempel im Osten steht der große Zeus-Altar (8m Länge, 5m Breite, 4m Höhe), der von den Bewohnern von Chios im 5. Jahrh. gestiftet worden war. Neben dem Zeus-Altar in Oympia ist er der heiligste Altar Griechenlands.gewesen. In der nordwestlichen Ecke des heiligen Bezirkes liegt in den Fels gebaut das Theater, das mit seinen 35 Sitzstufen Platz bietet.
Außerhalb des heiligen Bezirkes liegt etwa 50m höher, an einer Stelle, an der man keine größere waagerechte Fläche mehr vermutet, unmittelbar an der steil aufsteigenden Felswand das Stadion (Abb. re. unten), das noch recht gut erhalten ist. Es ist allerdings erst in römischer Zeit auf einer älteren Anlage ausgebaut worden.
Ebenfalls außerhalb des heiligen Bezirkes liegt seitlich der Straße in einem Felsspalt die heilige Kastalia-Quelle (Abb. re. unten). Von ihr wurde das Wasser zu einem Quellhaus geleitet, das sich vor dem heiligen Bezirk befand. In römischer Zeit verehrte man den Quell als Dichterborn. Der ganze Parnassos wurde in der damaligen Zeit ja auch zum Symbol der Dichter.
Etwas unterhalb der Straße liegt ein Stück weiter in Richtung Levadia ein Gymnasion mit einer überdachten Laufhalle. Daran angebaut sind gleich die Bade- und Waschanlagen. Dann folgt der heilige Bezirk der Athena-Pronaia (Abb. re. unten). Eine alte Tempelanlage aus dem 6. Jahrh. steht hier noch in den Grundmauern und ebenfalls ein als Ersatz für den alten zerstörten im 4. Jahrh. neuerbauter Tempel.
Zwischen beiden liegen die Tholos (Bedeutung wie in Epidauros unbekannt) und 2 Schatzhäuser. Gegen den Hang sind große Stützmauern zum Schutz gegen Erdrutsch errichtet. Das in einem besonderen Bau sich befindliche Museum haben wir uns dann angesehen. Besonders eindrucksvoll war der Wagenlenker von Delphi (Abb. li unten) und eine an Hand vieler Bauglieder aufgestellte Rekonstruktion des Schatzhauses von Siphon. 
 17.45 Uhr fuhren wir in Richtung Levadia wieder ab. Auf derselben Straße, auf der wir nach Delphi gefahren waren, ging es am Hang des Parnassos, zwischen diesem und einem gegenüberliegenden Höhenzug, nach Arakhova. Tief unter uns zog sich ein Tal dahin.
Dort kaufte ich, nachdem es uns nicht gelungen war den Preis wesentlich zu drücken, drei Taschen und einen Teppich. Vor dem Dorf hatten wir uns schon gewaschen,und so fuhren wir im Dunkeln weiter. Links lag das Parnassos-Massiv. Schließlich kamen wir in ein breites Tal, und von dort aus ging es bei Mondenschein durch bergiges Gebiet weiter. Kurz vor Levadia sind wir von der Straße abgefahren und haben dort unser Lager aufgeschlagen.
Wir wollten eigentlich nicht so lange in der Dunkelheit fahren, aber es war zu kalt in den Bergen, und der Mond stand auch noch hinter einer Anhöhe, so dass wir beim Zeltbau kein Licht gehabt hätten. Abends haben wir von Wolfgangs Wein, der nicht mehr schmeckte, eine schauderhafte Suppe gekocht. Obgleich wir großen Hunger hatten, haben wir sie nicht aufessen können. Wir mussten einen Teil bis morgen stehenlassen. Um 25.50 Uhr haben wir uns schlafen gelegt.
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